„Finfluencer“
Wie vertrauenswürdig sind Finanz-Influencer? Studien warnen vor unseriösen Accounts
„Finfluencer“ geben auf Social Media Tipps zu Aktien, Altersvorsorge und Kryptowährung. Vielen davon sollte man besser keinen Glauben schenken.
Mit ein paar schlauen Investments ein Vermögen verdienen – wie das geht, wollen Finanz-Influencer, auch „Finfluencer“ genannt, wissen. Deren Empfehlungen sind gefragt, wie eine Umfrage von Finanztip zeigt: Demnach holt sich mehr als die Hälfte der Deutschen Ratschläge von Finanz-Influencern. Doch wie vertrauenswürdig sind die Personen, die sich als Experten bezeichnen?
„Finfluencer“-Boom seit Ende der Pandemie
Eine gemeinsame Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management und der Beratungsagentur Paradots hat die deutsche „Finfluencer“-Landschaft erstmals in Zahlen gefasst. Von 357 untersuchten Accounts sind mehr als die Hälfte erst seit dem Jahr 2020 auf Instagram aktiv, heißt es in der Untersuchung. „Der Finfluencer-Boom korreliert deutlich mit dem Wachstum der Aktionärszahlen in der jungen Generation“, erklärt Henning Zülch, Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen, Wirtschaftsprüfung und Controlling an der HHL. „Auch hier gab es im Jahr 2020 einen sprunghaften Anstieg. Viele junge Investierende entdeckten das Thema in der Corona-Zeit für sich.“
Laut dem Deutschen Aktieninstitut haben im Jahr 2023 4,1 Millionen Menschen unter 39 Jahren an der Börse investiert. 2017 waren es beispielsweise nur 905.000. Kein Wunder also, dass das Thema auch auf Social Media immer häufiger vertreten ist. Die in der HHL-Studie untersuchten Influencer kommen gemeinsam auf mehr als zehn Millionen Follower. Die meisten Profile haben weniger als 10.000 Follower und gelten damit als Nano- oder Micro-Influencer. Den größten Accounts hingegen folgen bis zu 750.000 Menschen.
Sie wünschen sich wertvolle Geldspar-Tipps?
Die großen Influencer haben ihre Follower in den letzten Jahren mehr als verdoppelt. „Das Erfolgsrezept von ,Finfluencern‘ ist, dass sie Finanzinhalte authentisch, persönlich und unterhaltsam vermitteln. Das unterscheidet sie klar von anderen Akteuren und auch den traditionellen Medien“, sagt Eloy Barrantes, CEO der Beratungsagentur Paradots in der HHL-Studie.
Die Hauptthemen der Accounts sind:
- Analysen zu Einzelaktien (25 Prozent)
- Finanzen (11 Prozent)
- Vermögensaufbau und Altersvorsorge (10 Prozent)
- Finanzbildung (10 Prozent)
- Dividendentitel (8 Prozent)
Unter den „Finfluencern“ seien sowohl professionelle Experten mit fundiertem Hintergrundwissen als auch schwarze Schafe, die unseriöse Investment-Tipps verbreiten, heißt es in der Studie. Genauere Zahlen liefert eine Untersuchung des Swiss Finance Institute.
Mehr als die Hälfte der Influencer-Tipps sind schädlich
Demnach sind nur 28 Prozent aller Finanz-Influencer qualifiziert und kompetent. 16 Prozent sind ungelernt, haben also keine entsprechende Ausbildung. Die Tipps der restlichen 56 Prozent sind in der Studie als schädlich eingeschätzt worden. Heißt: Wer den Ratschlägen der „Finfluencer“ gefolgt wäre, hätte sogar Geld verloren.
Neun Fehler, die Sie bei der Steuererklärung viel Geld kosten




Als Beispiel nennt die Bild den bekannten „Finfluencer“ Flo Pharrell, ein angeblicher Millionär, der in Dubai lebt und sein Gesicht hinter einer Maske versteckt. Er bot seinen Followern das Kopieren seiner Käufe an. In der Folge berichteten viele von hohen Verlusten, die sie dadurch erlitten hätten. Nicht wenige der selbst ernannten „Finanzexperten“ seien bereits vorher als Influencer tätig gewesen, klärt ein Beitrag im Deutschlandfunk auf. Weil sie mit der Zeit gemerkt haben, dass man in der Finanzwelt noch schneller verdienen kann, produzieren sie nun Beiträge über Geldthemen.
Woran man einen seriösen „Finfluencer“ erkennt
Oft geht es dabei um Kryptowährungen, wobei die Influencer in der Regel den entsprechenden Link zur Kryptobörse zur Verfügung stellen. Melden sich User über den Link an und kaufen, erhält der Influencer eine Provision. Um die Follower zum Investieren zu drängen, erzeugen einige die Angst, etwas zu verpassen, heißt es im Beitrag von Deutschlandfunk: „Wer jetzt nicht kauft, verpasst die Chance seines Lebens“.
„Vorsicht ist immer dann geboten, wenn Influencer mit großen Versprechungen windige Finanzprodukte oder auch überteuerte Seminare bewerben“, warnt Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität in Frankfurt, im Gespräch mit der Bild. Woran man seriöse „Finfluencer“ erkennt, zählt Susanne Althoff, Finanzexpertin bei n-tv, anhand folgender Punkte auf:
- Der „Finfluencer“ klärt nicht nur über Chancen, sondern auch über Risiken auf.
- Der „Finfluencer“ sollte genau erklären können, wieso das Produkt (beispielsweise Aktien von Unternehmen), in das er investiert, gut läuft und warum er es für eine sinnvolle Empfehlung hält.
- Der „Finfluencer“ sollte Fachwissen nachweisen können, etwa anhand von Zertifikaten.
- Der „Finfluencer“ hat auf seiner Seite ein vollständiges Impressum und nennt Quellen für seine Aussagen.
- Der „Finfluencer“ ist unabhängig, macht also keine Werbung für Produkte.
Echte Kaufempfehlungen dürfen in Deutschland ohnehin nur zertifizierte Anlageberater aussprechen, so die Finanzexpertin. Wer sich aber informative Ratschläge auf Social Media holen will, sollte auf die obigen Punkte achten – und auch mehreren seriösen Finanz-Influencern folgen, um so ein mehrere Perspektiven zu verschiedenen Anlagestrategien einzuholen.
Rubriklistenbild: © Westend61/Imago
