Finanzerziehung
Das erste Konto fürs Kind: Was Eltern wissen sollten
Die eigene Bankkarte, selbstständig Geld abheben: Ein eigenes Konto ist ein wichtiger Schritt in Richtung finanzielle Unabhängigkeit und kann das Verständnis von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Geld schulen. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Und welche Risiken gibt es?
Für die meisten Kinder ist es ein besonderer Moment: Die erste Bankkarte mit dem eigenen Namen darauf in der Hand halten. Ein eigenes Konto bedeutet für Kinder und Jugendliche nicht nur mehr Freiheit, sondern ist auch ein wichtiger Schritt hin zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Doch ab wann macht ein eigenes Konto Sinn? Und worauf müssen Eltern achten?
Ab wann ist ein Konto fürs Kind sinnvoll?
Experten sind sich einig: Für Kinder unter 10 Jahren ist Bargeld zunächst die bessere Wahl. „Kleine Kinder sollten ihr Taschengeld bar bekommen, da sie den Verlust des Geldes beim Ausgeben so direkt wahrnehmen“, erklärt Finanzexperte Ralph Wefer von Verivox. Erst, wenn Kinder ein besseres Verständnis für den Wert des Geldes entwickelt haben, kann ein eigenes Girokonto sinnvoll sein. Das hängt aber vor allem vom Kind ab, ob es dafür reif genug ist. Der Bundesverband der Banken empfiehlt ein Einstiegsalter von zwölf Jahren.
Anders als bei einem reinen Sparkonto können Kinder bei einem Girokonto mit der Karte bezahlen oder Geld überweisen, wenn Freunde ihnen etwa ein paar Euro für Kinotickets vorgestreckt haben. Auf Klassenfahrten kann es hilfreich sein, wenn Schulkinder mit Karte bezahlen können oder gar im Ausland eine Prepaid-Kreditkarte haben, die manche Anbieter zusätzlich ausgeben.
Spätestens wenn Jugendliche erste Ferienjobs haben, bei denen der Lohn überwiesen wird oder sie eine Ausbildung beginnen, ist ein Girokonto aber nötig.
Gibt es spezielle Girokonten für Kinder?
Grundsätzlich können Kinder erst ab sieben Jahren ein Konto eröffnen – mit Zustimmung der Eltern. Erst ab diesem Alter sind sie eingeschränkt geschäftsfähig. Aber nicht alle Banken nehmen so junge Kinder schon als Kunden an. Manche Geldhäuser verlangen ein Mindestalter, etwa zwölf Jahre. Andere, besonders Direktbanken ohne eigene Filialen, nehmen ausschließlich volljährige Kunden auf, hat die Stiftung Warentest in einer Untersuchung 2023 herausgefunden.
Die meisten Banken bieten aber Kinderkonten an - kostenlos. „Schließlich wollen die Banken die neue Kundschaft früh an sich binden“, berichtet das Verbraucherportal Finanztip. Viele Institute verzichten daher auf Grundgebühren für das Konto und die dazugehörigen Karten. Manchmal gibt es sogar Guthabenzinsen auf den Konten, was bei Erwachsenen nicht mehr üblich ist. Immerhin ein oder sogar zwei Prozent sind mitunter möglich.
Sicherheit geht vor: Diese Einschränkungen gibt es
Ein Kinderkonto unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von einem Girokonto für Erwachsene. Der wichtigste: Es wird ausschließlich auf Guthabenbasis geführt. „Minderjährige dürfen in keiner Weise Kreditverbindlichkeiten eingehen“, heißt es von Seiten des Bankenverbands. Das bedeutet: Keine Überziehung des Kontos, kein Dispo und auch keine klassische Kreditkarte.
Stattdessen erhalten Kinder meist eine Girocard oder Prepaid-Kreditkarte. Eltern können dabei festlegen, wie viel Geld das Kind maximal pro Woche oder Monat abheben darf. Auch Überweisungen sind oft erst ab einem bestimmten Alter möglich und müssen teilweise von den Eltern freigegeben werden.
Wer noch mehr Kontrolle will, kann zu Anbietern gehen, die Konten und Karten speziell für Kinder anbieten. Eltern können dort oft per App die Ausgaben kontrollieren.
Das sollten Eltern bei der Kontowahl beachten
Für Eltern ist es am einfachsten, das Girokonto ihrer Kinder einfach bei der Hausbank zu eröffnen. Das ist aber nicht immer die beste Option, etwa, wenn diese keine Filialen führt. „Für Kinder ist es oft spannend, zur Bank zu gehen. Deshalb ist es schon sinnvoll, wenn diese im Ort eine Dependance besitzt“, sagt Claudia Müller. Sie ist Gründerin des Female Finance Forums und hat ein Buch darüber geschrieben, wie Eltern ihrem Nachwuchs Finanzwissen vermitteln.
Gerade fürs Einzahlen sind Filialen wichtig. „Falls die Großeltern zum Geburtstag lieber einen Schein zustecken, als ihn dem Enkelkind aufs Konto zu überweisen, kann das Kind das Geld dann selbst auf sein Konto legen“, so Müller.
Einzahlungen sollten am besten kostenlos sein, genauso wie Abhebungen, Überweisungen oder die Karten. Gerade bei den kleinen Summen, die Kinder und Jugendliche bewegen, schlagen solche Kosten sonst unnötig ins Gewicht. Auch Onlinebanking sollte für den Nachwuchs möglich sein.
Am einfachsten ist es natürlich, wenn das Kind sein Konto bei derselben Bank hat wie die Eltern. So kennen Eltern bereits das Online-Banking oder haben einen Berater vor Ort und können so ihr Kind besser unterstützen.
Wichtig zu wissen: Auch wenn Eltern bis zur Volljährigkeit verfügungsberechtigt sind - das Geld auf dem Konto gehört rechtlich dem Kind. Die Eltern dürfen das Ersparte also nicht für sich selbst ausgeben.
Wie eröffnet man ein Girokonto für Kinder?
Kinder können ein Konto nicht alleine eröffnen. Sie brauchen dafür die Zustimmung der Eltern. Diese müssen sich ausweisen und den Antrag auf Kontoeröffnung unterschreiben. Sind die Eltern getrennt, reicht ein Elternteil. Dieses muss dann in der Regel die Sorgerechtsbestätigung vorweisen.
Auch das Kind muss seine Identität nachweisen - entweder mit einem Personalausweis oder einer Geburtsurkunde. Zusätzlich will die Bank die Steueridentifikationsnummer des Kindes wissen. Denn das Konto - und damit auch das Geld darauf - gehört ihm.
Damit profitiert das Kind von einem eigenen Sparerpauschbetrag in Höhe von 1.000 Euro. Steuern werden somit erst fällig, wenn die Erträge diese Grenze überschreiten. Die Bank berücksichtigt den Freibetrag aber nicht automatisch. Eltern sollten mit ihren Kindern darum gemeinsam einen sogenannten Freistellungsauftrag einrichten. Häufig ist das unkompliziert via Onlinebanking möglich. Ansonsten hilft der Bankberater weiter.
Wie lernen Kinder den Umgang mit dem Konto?
Eltern sollten ihren Kindern erklären, wofür das Girokonto genutzt wird. Dass ein Sparkonto fürs langfristige Sparen gut ist, das Girokonto aber fürs Bezahlen und Überweisungen genutzt wird.
Und dann sollten auch Eltern sich umstellen. Statt das Taschengeld in bar auszuzahlen, sollten sie es künftig per Dauerauftrag überweisen.
Wichtig ist auch, dass Kinder wissen, wie sie reagieren, falls ihre Karte verloren geht. Sie sollten also zum Beispiel die Sperrnummern der Banken kennen.
Was passiert, wenn das Kind volljährig wird?
Irgendwann wandelt sich ein Kinderkonto zu einem normalen Konto, für das oftmals Gebühren anfallen. Häufig passiert das mit dem 18. Geburtstag. Spätestens aber nach Ende der Ausbildung fallen die günstigen Konditionen in der Regel weg.
Finanzexpertin Müller rät, dass die Kontobesitzer zu diesem Zeitpunkt nochmal ihre Kontowahl überdenken sollten. Ihrer Meinung nach ist das ein wichtiger Schritt. „Viele Bankkunden sind sehr treu. Aber Kinder sollten lernen, dass eine Bank sich jederzeit wechseln lässt, wenn die Konditionen nicht mehr passen.“ (as/dpa)