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Königliches Drama

Drei Punkte, die Marius Borg Høiby zum Verhängnis werden könnten – Staatsanwalt mit vernichtendem Urteil

Sechs Frauen, 40 Anklagepunkte, ein vernichtender Schlussvortrag: Warum der Staatsanwalt glaubt, es könnte für Marius Borg Høiby eng werden.

Nach sieben Wochen Verhandlung vor dem Osloer Stadtgericht nähert sich der Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) seinem Ende. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) – kein offizielles Mitglied des norwegischen Königshauses, aber durch seine Mutter seit Jahren im Rampenlicht – steht wegen insgesamt 40 Anklagepunkten vor Gericht. Darunter befinden sich vier mutmaßliche Vergewaltigungen, Körperverletzung, Drogendelikte sowie zahlreiche Verstöße gegen ein Kontaktverbot. Sechs Frauen haben ausgesagt – und genau sie sind es, die dem Staatsanwalt Sturla Henriksbø am 16. März 2026 die Grundlage für einen vernichtenden Schlussvortrag liefern.

Mette-Marits Sohn Marius Borg Høiby ist unter anderem wegen Vergewaltigung angeklagt. (Archivbild)

Henriksbø benannte laut dem norwegischen Boulevardmagazin Se og Hør drei „rote Fäden“, die sich durch die Beweisführung zogen: Erstens habe Marius Borg Høiby wiederholt Normen und Regeln missachtet – als gälten sie nicht für ihn. Zweitens habe er sich nicht darum gekümmert, ob Frauen damit einverstanden waren, dass er sie nackt und beim Sex filmte. Drittens beschrieb der Staatsanwalt einen Mann, der die Kontrolle verlieren, schreien, Mobiltelefone werfen und Löcher in Wände schlagen könne – und der Frauen gewürgt, geschlagen und bespuckt haben soll, sodass sie in einem Klima permanenter Angst lebten. Vier der sechs betroffenen Frauen betraten den Gerichtssaal und nahmen mit ernsten Mienen – Schulter an Schulter – Platz.

Staatsanwalt Henriksbø erklärt, warum es für Marius Borg Høiby eng werden dürfte

Besonderes Gewicht legte Henriksbø auf die Glaubwürdigkeit der Hauptbelastungszeugin: Nora Haukland (29), Ex-Lebensgefährtin von Marius Borg Høiby und eine bekannte Influencerin. Der Staatsanwalt verwies auf 830 Seiten Textnachrichten, Zeugenaussagen von Freundinnen sowie Tonaufnahmen – ein Geflecht aus Beweisen, das sich seiner Ansicht nach kaum wegdiskutieren lasse. Laut Se og Hør betonte Henriksbø, Haukland habe weder übertrieben noch ausgeschmückt: „Wir haben keine Frau gehört, die übertrieben, aufgebauscht oder extra dick aufgetragen hat. Im Gegenteil.“ Und was für Haukland gelte, sehe die Staatsanwaltschaft auch bei den übrigen fünf Frauen: Jede einzelne Aussage füge sich in dasselbe Muster ein.

Während der Staatsanwalt sprach, saß Marius Borg Høiby – der alle vier Vergewaltigungsvorwürfe bestreitet – mit gebeugtem Rücken über einem Zeichenblock und hob kaum den Blick. Sieben Jahre und sieben Monate Haft forderte die Staatsanwaltschaft. Seine Verteidigung hingegen plädierte in allen schwerwiegenden Punkten auf Freispruch und hielt für die bereits eingestandenen Vergehen lediglich eineinhalb Jahre für angemessen.

Wer ist wer im norwegischen Königshaus? Das sind die Mitglieder der royalen Familie

Norwegens König Haakon VIII. legt am 1. September 2026 im Storting den Eid gemäß der Verfassung ab.
König Haakon VIII. ist zwar zwei Jahre jünger als seine Schwester Prinzessin Märtha Louise, ursprünglich hatten die Männer in Norwegens Monarchie jedoch Vorrang. Erst in den 1990ern wurde die Verfassung geändert, jedoch nicht rückwirkend. Demnach folgte Haakon seinem Vater Harald nach dessen Tod auf den Thron. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Kronprinzessin Mette-Marit am norwegischen Nationalfeiertag 2024 auf Gut Skaugum.
Am 25. August 2001 heiratete Haakon Mette-Marit Tjessem Høiby und machte sie so zur zukünftigen Königin Norwegens. Mette-Marit brachte ihren damals vierjährigen Sohn Marius mit in die Ehe, gemeinsam mit Kronprinz Haakon hat sie zwei Kinder. Wie 2018 bekanntgegeben wurde, ist die Kronprinzessin unheilbar an chronischer Lungenfibrose erkrankt. © Lise Åserud/NTB/AFP
Königin Sonja und König Harald 2023 bei einer Audienz im Palast vor der Verleihung des Friedensnobelpreises.
König Harald V. von Norwegen übernahm am 17. Januar 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. († 87) das Zepter und blieb seinem Versprechen treu, bis zu seinem Lebensende zu regieren. Seine bürgerliche Ehefrau Sonja durfte er erst heiraten, nachdem er gedroht hatte, andernfalls für immer ledig zu bleiben. Sonja trägt auch nach Haralds Tod am 28. August 2026 weiterhin den Titel Königin. Am 29. August 2026 hätten die beiden ihren 58. Hochzeitstag gefeiert. © picture alliance/dpa/NTB/Hanna Johre
Norwegens Kronprinzessin Ingrid Alexandra bei der Vereidigung ihres Vaters König Haakon VIII. am 1. September 2026 im Storting in oslo.
Kronprinzessin Ingrid Alexandra ist das erstgeborene Kind von König Haakon und Königin Mette-Marit, nach der Verfassungsänderung hat sie in der Thronfolge Vorrang vor ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Sverre Magnus, Prinz von Norwegen, trifft im Storting ein, wo König Haakon VIII. am 1.9.2026 gemäß der Verfassung seinen Eid ablegt.
Prinz Sverre Magnus ist der jüngere Bruder von Prinzessin Ingrid Alexandra und belegt in der norwegischen Thronfolge aktuell Rang zwei. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Terje Pedersen
Prinzessin Märtha Louise von Norwegen 2025 bei der Aufzeichnung einer Talkshow in Stockholm.
Prinzessin Märtha Louise ist das älteste Kind von König Harald und Königin Sonja, aufgrund der damaligen Verfassung landet sie in der Thronfolge allerdings hinter ihrem älteren Bruder Haakon und dessen Kindern. In erster Ehe war Märtha Louise mit dem Schriftsteller Ari Behn († 2019) verheiratet, die beiden ließen sich 2017 scheiden. © IMAGO/TT
Maud Angelica Behn, Emma Tallulah Behn und Leah Isadora Behn bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett in Geiranger.
Maud Angelica, Emma Tallulah und Leah Isadora stammen aus Prinzessin Märtha Louises Ehe mit Ari Behn. Maud belegt in der norwegischen Thronfolge Platz 5, dahinter folgt Leah auf Rang 6, an 7. Stelle steht Emma. © picture alliance/dpa/NTB/Cornelius Poppe
Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett bei ihrer Hochzeit am 31. August 2024 in Geiranger.
Am 31. August 2024 heiratete Prinzessin Märtha Louise in Geiranger den selbsternannten Schamanen Durek Verrett. Die Beziehung ist in Norwegen umstritten, nach der Verlobung kündigte Märtha Louise an, keine offiziellen Aufgaben mehr für das Königshaus zu übernehmen. Ihren Prinzessinnen-Titel will sie zudem nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Durek Verrett ist trotz Hochzeit kein offizielles Mitglied der norwegischen Königsfamilie. © IMAGO/PPE
Marius Borg Høiby 2022 bei den Feierlichkeiten zu Prinzessin Ingrid Alexandras 18. Geburtstag.
Ebenfalls kein offizielles Mitglied der königlichen Familie ist Marius Borg Høiby. Der erstgeborene Sohn von Mette-Marit wuchs gemeinsam mit seinen beiden Halbgeschwistern Ingrid Alexandra und Sverre Magnus auf, sorgte jedoch regelmäßig für negative Schlagzeilen. Im August 2024 wurde der negative Höhepunkt erreicht, nachdem Marius wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen wurde. Hinzu kam der Vorwurf der Vergewaltigung, weshalb Marius im November 2024 eine Woche in Untersuchungshaft verbrachte. © Lise Åserud/NTB/AFP
Prinzessin Astrid 2024 bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett.
Prinzessin Astrid ist die ältere Schwester von König Harald. Prinzessin Ragnhild, die älteste Tochter von König Olav V., verstarb 2012 im Alter von 82 Jahren. © IMAGO/PPE

Das Urteil wird Anfang Juni 2026 erwartet. Bis dahin bleibt Marius Borg Høiby in Untersuchungshaft: Das Osloer Stadtgericht lehnte seinen Antrag auf Entlassung ab, da es laut der norwegischen Tageszeitung Aftenposten weiterhin erhebliche Wiederholungsgefahr sieht – möglicherweise bis Mitte Juni. Verwendete Quellen: seher.no, nrk.no, aftenposten.no

Rubriklistenbild: © Lise Aserud/NTB/dpa

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