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Nach Plädoyer

Prozess in Endphase: Diese Haftstrafe fordert die Staatsanwaltschaft für Marius Borg Høiby

Der Prozess gegen Marius Borg Høiby nähert sich dem Ende – und die Staatsanwaltschaft hat ihre Strafforderung auf den Tisch gelegt. Die Zahl ist erschreckend.

Am Mittwochmorgen (18. März), dem vorletzten Verhandlungstag des Prozesses in Oslo, beantragt die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von sieben Jahren und sieben Monaten für Marius Borg Høiby (29). Der Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) steht seit dem 3. Februar 2026 vor dem Osloer Amtsgericht und muss sich in einem der aufsehenerregendsten Prozesse der jüngeren norwegischen Geschichte verantworten – abzüglich 63 Tage bereits verbüßter Untersuchungshaft.

Marius Borg Høiby steht in seiner dritten Prozesswoche. Ein Experte erklärt, wo er Fotos und Video versteckte.

Marius Borg Høiby (29) ist wegen insgesamt 40 Anklagepunkten angeklagt – darunter vier Vergewaltigungen, Misshandlung in einer engen Beziehung sowie weitere Vergehen wie Drogenbesitz, Verstöße gegen Kontaktverbote und Verkehrsdelikte. Die schwersten Vorwürfe bestreitet er, zu einem Teil der weniger gravierenden Punkte bekennt er sich schuldig. Als die Strafforderung verlesen wird, dreht er sich laut Nettavisen lediglich gefasst zu seinen Verteidigern – ohne sichtbare Erschütterung. Vor zwei Tagen fand der Angeklagte noch deutliche Worte zum Abschluss der Beweisaufnahme.

Marius Borg Høiby und die drei roten Fäden der Staatsanwaltschaft im Prozess

Staatsanwalt Sturla Henriksbø skizziert in seiner Abschlussrede drei Leitmotive, die sich durch die Beweisführung der vergangenen sechs Wochen ziehen: mangelnder Respekt vor Regeln und Normen, ein Muster des Sich-Nehmens ohne Einwilligung – und ein ernstes Aggressionsproblem. VG zitiert ihn mit den Worten: „Er soll nicht dafür verurteilt werden, wer er ist, sondern dafür, was er getan hat.“

Die Anklagebehörde hält Marius Borg Høiby in 39 der 40 Anklagepunkte für schuldig – lediglich bei einem Verstoß gegen ein Kontaktverbot zieht sie ihren Antrag zurück. Zu den schwerwiegendsten Vorwürfen zählen die Vergewaltigung einer Frau auf einer Party (drei Jahre), einer Frau in den Lofoten (zwei Jahre und acht Monate) sowie zweier weiterer Frauen in Oslo (je zwei Jahre). Für die Misshandlung seiner Ex-Partnerin, der Influencerin Nora Haukland (28), werden laut Nettavisen elf Monate veranschlagt. Staatsanwalt Henriksbø erklärte über Hauklands Aussage vor Gericht: „Wir hörten keine Frau, die übertrieb oder dick aufgetragen hat – ganz im Gegenteil. Wir hörten eine Frau, die eine ziemlich nüchterne Beschreibung der Zustände gab, denen sie ausgesetzt war.“

Wer ist wer im norwegischen Königshaus? Das sind die Mitglieder der royalen Familie

Norwegens König Haakon VIII. legt am 1. September 2026 im Storting den Eid gemäß der Verfassung ab.
König Haakon VIII. ist zwar zwei Jahre jünger als seine Schwester Prinzessin Märtha Louise, ursprünglich hatten die Männer in Norwegens Monarchie jedoch Vorrang. Erst in den 1990ern wurde die Verfassung geändert, jedoch nicht rückwirkend. Demnach folgte Haakon seinem Vater Harald nach dessen Tod auf den Thron. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Kronprinzessin Mette-Marit am norwegischen Nationalfeiertag 2024 auf Gut Skaugum.
Am 25. August 2001 heiratete Haakon Mette-Marit Tjessem Høiby und machte sie so zur zukünftigen Königin Norwegens. Mette-Marit brachte ihren damals vierjährigen Sohn Marius mit in die Ehe, gemeinsam mit Kronprinz Haakon hat sie zwei Kinder. Wie 2018 bekanntgegeben wurde, ist die Kronprinzessin unheilbar an chronischer Lungenfibrose erkrankt. © Lise Åserud/NTB/AFP
Königin Sonja und König Harald 2023 bei einer Audienz im Palast vor der Verleihung des Friedensnobelpreises.
König Harald V. von Norwegen übernahm am 17. Januar 1991 nach dem Tod seines Vaters Olav V. († 87) das Zepter und blieb seinem Versprechen treu, bis zu seinem Lebensende zu regieren. Seine bürgerliche Ehefrau Sonja durfte er erst heiraten, nachdem er gedroht hatte, andernfalls für immer ledig zu bleiben. Sonja trägt auch nach Haralds Tod am 28. August 2026 weiterhin den Titel Königin. Am 29. August 2026 hätten die beiden ihren 58. Hochzeitstag gefeiert. © picture alliance/dpa/NTB/Hanna Johre
Norwegens Kronprinzessin Ingrid Alexandra bei der Vereidigung ihres Vaters König Haakon VIII. am 1. September 2026 im Storting in oslo.
Kronprinzessin Ingrid Alexandra ist das erstgeborene Kind von König Haakon und Königin Mette-Marit, nach der Verfassungsänderung hat sie in der Thronfolge Vorrang vor ihrem zwei Jahre jüngeren Bruder. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Lise Åserud
Sverre Magnus, Prinz von Norwegen, trifft im Storting ein, wo König Haakon VIII. am 1.9.2026 gemäß der Verfassung seinen Eid ablegt.
Prinz Sverre Magnus ist der jüngere Bruder von Prinzessin Ingrid Alexandra und belegt in der norwegischen Thronfolge aktuell Rang zwei. © picture alliance/dpa/NTB Pool/Terje Pedersen
Prinzessin Märtha Louise von Norwegen 2025 bei der Aufzeichnung einer Talkshow in Stockholm.
Prinzessin Märtha Louise ist das älteste Kind von König Harald und Königin Sonja, aufgrund der damaligen Verfassung landet sie in der Thronfolge allerdings hinter ihrem älteren Bruder Haakon und dessen Kindern. In erster Ehe war Märtha Louise mit dem Schriftsteller Ari Behn († 2019) verheiratet, die beiden ließen sich 2017 scheiden. © IMAGO/TT
Maud Angelica Behn, Emma Tallulah Behn und Leah Isadora Behn bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett in Geiranger.
Maud Angelica, Emma Tallulah und Leah Isadora stammen aus Prinzessin Märtha Louises Ehe mit Ari Behn. Maud belegt in der norwegischen Thronfolge Platz 5, dahinter folgt Leah auf Rang 6, an 7. Stelle steht Emma. © picture alliance/dpa/NTB/Cornelius Poppe
Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett bei ihrer Hochzeit am 31. August 2024 in Geiranger.
Am 31. August 2024 heiratete Prinzessin Märtha Louise in Geiranger den selbsternannten Schamanen Durek Verrett. Die Beziehung ist in Norwegen umstritten, nach der Verlobung kündigte Märtha Louise an, keine offiziellen Aufgaben mehr für das Königshaus zu übernehmen. Ihren Prinzessinnen-Titel will sie zudem nicht für kommerzielle Zwecke nutzen. Durek Verrett ist trotz Hochzeit kein offizielles Mitglied der norwegischen Königsfamilie. © IMAGO/PPE
Marius Borg Høiby 2022 bei den Feierlichkeiten zu Prinzessin Ingrid Alexandras 18. Geburtstag.
Ebenfalls kein offizielles Mitglied der königlichen Familie ist Marius Borg Høiby. Der erstgeborene Sohn von Mette-Marit wuchs gemeinsam mit seinen beiden Halbgeschwistern Ingrid Alexandra und Sverre Magnus auf, sorgte jedoch regelmäßig für negative Schlagzeilen. Im August 2024 wurde der negative Höhepunkt erreicht, nachdem Marius wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung festgenommen wurde. Hinzu kam der Vorwurf der Vergewaltigung, weshalb Marius im November 2024 eine Woche in Untersuchungshaft verbrachte. © Lise Åserud/NTB/AFP
Prinzessin Astrid 2024 bei der Hochzeit von Prinzessin Märtha Louise und Durek Verrett.
Prinzessin Astrid ist die ältere Schwester von König Harald. Prinzessin Ragnhild, die älteste Tochter von König Olav V., verstarb 2012 im Alter von 82 Jahren. © IMAGO/PPE

Høiby selbst bestreitet die schwersten Vorwürfe konsequent – die Vergewaltigungen und die Misshandlung. Die weniger gravierenden Delikte räumte er ein. Polizeistaatsanwalt Andreas Kruszewski betonte zudem, dass die umfangreiche Medienberichterstattung über den Fall keine Strafmilderung rechtfertige: „Wir sind der Ansicht, dass aufgrund der Belastung durch die umfangreiche Medienberichterstattung kein Strafnachlass gewährt werden sollte“, zitiert ihn VG.

Nach der Staatsanwaltschaft kommen nun die Nebenklage-Anwälte der Geschädigten zu Wort, bevor die Verteidiger von Marius Borg Høiby ihre Plädoyers halten. Das Urteil des Osloer Amtsgerichts wird mit Spannung erwartet – nicht zuletzt, weil der Prozess das norwegische Königshaus seit Monaten in beispiellosem Maß in die Schlagzeilen bringt und die Kronprinzessin kurz vor einer Lungentransplantation steht. Verwendete Quellen: vg.no, nettavisen.no

Rubriklistenbild: © Lise Aserudf/dpa

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