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75 Jahre Waldkraiburg

Von der Notlösung zur Stadt mit Charakter: Waldkraiburgs Bauwerke erzählen Geschichte

Die bekanntesten Gebäude in der Stadt Waldkraiburg.
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Die bekanntesten Gebäude in der Stadt Waldkraiburg.

Vom Bahnhof bis zum Waldbad: In Waldkraiburgs Gebäuden spiegelt sich die Geschichte der jungen Kommune wider. Sie stehen für Aufbruch, Gemeinschaft, Wandel – und prägen das Gesicht der Stadt bis heute.

Waldkraiburg –Mit Mut, Wille und Engagement ist aus einer Notlösung eine Stadt mit eigener Identität entstanden: Waldkraiburg hat eine außergewöhnliche Gründungsgeschichte – und viele ihrer Gebäude erzählen sie bis heute. Ob Bahnhofsgebäude, ehemalige Verwaltungsbauten, Kirchen oder das Haus der Kultur – sie alle stehen für wichtige Etappen auf dem Weg von der Werkssiedlung zur modernen Stadt. Diese Auswahl markanter Gebäude macht städtebauliche, gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung sichtbar – von der Gründungszeit bis in die Gegenwart. Sie zeigt, wie eng Architektur und Identität in Waldkraiburg verbunden sind.

Das Bahnhofsgebäude Kraiburg als Keimzelle für das neue Waldkraiburg: Der Bahnhof ist älter als Waldkraiburg. Das Gebäude wurde bereits 1876 erbaut, weil die Gemeinde Kraiburg eine Station entlang der Bahnlinie Rosenheim-Mühldorf bekommen wollte. Seit 1. Januar 1990 ist das Gebäude ungenutzt.

Die Polizeiinspektion Waldkraiburg: Das Gebäude in der Ratiborer Straße ist ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Deutschen Sprengchemie GmbH, von 1950 bis 1960 Sitz der Gemeindeverwaltung und vieler anderer Institutionen und Firmen. Seit 1968 hat in diesem Gebäude die Polizeiinspektion ihren Sitz.

Es sollte ein Jugendheim zur Begegnung heimatvertriebener Jugendlicher werden: Die Jugendbildungsstätte Haus Sudetenland wurde im Jahr 1959 auf dem Gelände von zehn 1947 gesprengten Ölberg-Bunkern. Geplant hatte es das Architekturbüro Rösler, Reilich, Rahnsch. Heute ist das Haus Sudetenland Schullandheim und Jugendbildungsstätte und eine Freizeiteinrichtung.

Es ist eines der prägenden Gebäude in Waldkraiburgs Stadtmitte: die Pfarrkirche Christkönig. Christkönig wurde 1960 selbstständige Stadtpfarrei, am 14. Juni 1964 wurde die Christkönig Kirche von Kardinal Dr. Julius Döpfner eingeweiht. Die Kirche ist ein moderner Bau als Achteck mit Zelt-Gottes-Dach, Architekt ist Friedrich Gärtner.

Gemeindekirche Martin-Luther: Sie ist ein moderner Kirchenbau als Fünfeck, Architekt ist Gustav Gsaenger. Eingeweiht wurde die evangelische Kirche am 5. Juli. 1966 wurde die ehemalige Bunkerkirche aufgestockt, um mit der neuen Martin-Luther-Kirche eine einheitliche Straßenfront zu schaffen.

Das Rathaus am Stadtplatz: Lange hatte Waldkraiburg warten müssen, 1970 war es so weit – die Grundsteinlegung für ein eigenes Rathaus am Stadtplatz. 1972 wurde das Gebäude Rathaus am Stadtplatz eingeweiht 1972, 22 Jahre nach der Gemeindegründung. Seit Jahren gibt es Diskussionen um einen Neubau, seit Ende 2021 gibt es einen Sieger-Entwurf, wie Waldkraiburgs Stadtmitte künftig aussehen kann. Doch wegen der angespannten Haushaltslage der Stadt sind die Pläne dazu vorerst zurückgestellt.

Das Berufsförderungszentrum der Peters Gruppe gibt es seit 1954 und wurde immer wieder erweitert. In den besten Zeiten kamen hier bis zu 1200 Umschüler unter, das Gelände wuchs zu einem kleinen Stadtteil. Das Wohn- und Arbeitsgebäude des Umschulungsbetriebs von Johann Peters wurde 1973 als größtes Gebäude im Stadtgebiet erbaut. Seit 2015 sind hier Asylbewerber untergebracht.

Das Haus des Buches an der Siemensstraße ist ein beliebter Treffpunkt zum Lesen, Schmökern und Arbeiten. Erbaut wurde das Haus 1977 und ist bis heute ein Haus mit Vorbildcharakter in der Region. Mit rund 30.000 Medien zählt die Bücherei zu den größten Bibliotheken im Landkreis.

Das Haus der Kultur ist gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt der Stadt und ein weit über die Grenzen der Stadt bekanntes Zentrum für Musik, Theater, Kleinkunst, Veranstaltungen, Ausstellungen, Museen und Heimatpflege. Eröffnet wurde das Gebäude 1989, die Erweiterung um den großen Saal war 2002. Untergebracht sind hier das Stadt- und Glasmuseum sowie die Städtische Galerie. Mit der privaten Stiftung „Bilder erzählen - Sammlung Peter Schmidt“ hat die Stadt in direkter Nachbarschaft ein neues Museum bekommen.

Sehen, hören, riechen: Mit ihren Sinnen können Besucher das Industriemuseum „Bunker 29“ erleben. Untergebracht ist das Museum in einem original erhaltenen Gebäude der Pulverfabrik am Schweidnitzer Weg, das 1939 als Knetmaschinengebäude gebaut worden ist. In seiner Art ist ein einzigartiges Museum in Deutschland.

Zunächst dienten den Waldkraiburgern ehemalige Kühlbecken zum Schwimmen, bis 1971 das Waldbad eröffnet worden ist. Als Sportstätte erlangte es schnell einen hohen Bekanntheitsgrad, mit Sprungturm und Wellenbecken wird es schnell zu einer Attraktion im ganzen süddeutschen Raum.  Gesperrte Becken, abgeplatzte Fliesen, eine veraltete Technik und sanierungsbedürftige Sanitäranlagen – das Waldbad kam in Jahre. Pläne für einen Neubau an anderer Stelle platzen, ein Neubau am Standort ist aus Kostengründen zurückgestellt. Dank einer Bürgerinitiative hat das Waldbad 2025 nach zweijähriger Schließung wieder geöffnet.

Im Föhrenwinkel stand das sogenannte Frauenlager, in dem dienstverpflichtete deutsche und westeuropäische Frauen lebten, die im benachbarten Rüstungswerk arbeiten mussten. Das Frauenlager war von 1945 bis 1950 DP-Lager für Polen, Juden und Ukrainer. Von 1955 bis 1990 waren im Saalgebäude die Firmen Wilhelm Neuner/ Schaumstofffabrik und Netzsch-Belimed untergebracht.Die Wohngebäude wurden bereits in den 1970er Jahren abgerissen. Saalbau und Falkenring dienen seit 1994 den Stadtwerken und der Stadtbau Waldkraiburg als Dienstsitz und Betriebsgebäude. Alle Gebäude des ehemaligen Frauenlagers stehen seit 1994 in der Denkmalschutzliste. Das ehemalige Wäschereigebäude war ab 1950 ein Gasthaus und beherbergt seit 1994 die Außenstelle vom Kindergarten Maria Schutz.

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