Wirtschaftsempfang in Waldkraiburg
Ehrenamt stärken, Werte leben – Wirtschaft, Politik und Vereine im Dialog mit Philipp Lahm
Mehr Wertschätzung, weniger Bürokratie: Beim Wirtschaftsempfang in Waldkraiburg diskutierte der ehemalige Fußballer Philipp Lahm mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Vereinen, welche Unterstützung Vereine und das Ehrenamt brauchen.
Waldkraiburg – Teamgeist, Verantwortung, Respekt. Wie wichtig sind diese Werte? Wie werden sie in der Region gelebt? Welche Unterstützung brauchen Vereine und das Ehrenamt? Darüber diskutierten Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verein mit dem ehemaligen Fußballer Philipp Lahm beim Wirtschaftsempfang der Landkreise Altötting und Mühldorf sowie der IHK München und Oberbayern und der Handwerkskammer für München und Oberbayern im Waldkraiburger Haus der Kultur.
Mit auf dem Podium saßen Ingrid Obermaier-Osl, Vizepräsidentin der IHK für München und Oberbayern, Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer und VfL-Vorsitzender Kai Röpke. Die Moderation hatte Caroline Voit übernommen. Bereits zuvor hatte Philipp Lahm in seiner Festrede die Bedeutung von Teamgeist, Fairness und Engagement in Vereinen hervorgehoben. Unter dem Motto „Wirtschaft und Gesellschaft: Gemeinsam für eine starke Region“ diskutierten sie darüber, wie das Ehrenamt gestärkt und die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Vereinen verbessert werden kann. Überzeugung der Runde: Ohne Ehrenamt funktioniert unsere Gesellschaft nicht.
Werte aus der Vereinsarbeit – praktisch gelebt
Klare Regeln, Teamfähigkeit und Respekt – Skills, die Philipp Lahm bereits als Jugendlicher im Verein gelernt hat. „Aber man verliert auch und zieht daraus seine Stärken.“ Mit seiner Plattform „treffpunkt verein“ organisiert er nächstes Jahr in Waldkraiburg zwei Aktionstage, bei denen sich Vereine unterstützen, vernetzen und auch zeigen können, wie wichtig ihre Arbeit für die Gesellschaft ist.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigte Kai Röpke. Der Förderverein Waldbad hat sich für die Wieder-Eröffnung des Waldbads starkgemacht und dies mit dem Einsatz vieler freiwilliger Helfer und Sponsoren ermöglicht. Ein Beispiel für gelebtes Engagement und Zusammenhalt. „Es war eine Aufbruchstimmung da, es hat sich etwas bewegt und das Potenzial ist da, dass sich Menschen einbringen wollen.“ Ehrenamtliches Engagement tue jedem Verein gut. „Viele engagieren sich, aber es könnten gerne mehr sein. Denn je mehr sich einbringen, desto mehr können Vereine ihre Mitglieder halten.“
Unternehmerin hilft ehrenamtlichen Mitarbeitern
Auch aus Sicht der Wirtschaft spielt das Ehrenamt eine zentrale Rolle: „Unsere Gesellschaft wird immer ich-bezogener. Diesem Trend muss man begegnen“, sagte Ingrid Obermaier-Osl. Ihr als Unternehmerin ist es ein Anliegen, Leute zu unterstützen, die sich ehrenamtlich einbringen. Denn: Ehrenamtliche Mitarbeiter würden zeigen, sich für etwas begeistern zu können, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. „Die Motivation spielt eine Rolle.“
Selbst aus politischer Sicht ist die Arbeit der Verein nicht hoch genug einzuschätzen: „Das Ehrenamt ist der Kitt der Gesellschaft. Der Staat kann diese Vielfalt nicht abdecken, wie es Vereine tun“, sagte Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer. Das Ehrenamt müsse gestärkt werden: „Haftungsrisiko oder Bürokratie hält viele ab. Rahmenbedingungen müssen so gesetzt werden, dass der Zugang einfach möglich ist.“ Höhere Pauschalen, verbesserte Haftungsregelungen oder Fördergelder für Sportstätten – politische Ansätze gebe es bereits, aber für Mayer reicht es noch nicht aus.
Auch Kai Röpke sah Bürokratie und Verwaltungsarbeit als große Hürden: „Alles, was es bei Firmen gibt, braucht es auch bei Vereinen. Hier braucht es Unterstützung, sonst geht viel Energie verloren.“
Lahm ist überzeugt, dass Menschen Lust haben, mitzugestalten. Ehrenamtliche brauchen aber auch Wertschätzung und Anerkennung. „Sie gestalten unsere Gesellschaft mit, das darf man nicht unterschätzen.“ Gleichzeitig liege es an den Vereinen, Verantwortung abzugeben und jüngeren Mitgliedern Raum zu geben. Unternehmen wiederum könnten Vereine mit ihrem Fachwissen unterstützen. Hier sieht er die geplanten Aktionstage seiner Plattform „treffpunkt verein“ in Waldkraiburg als gute Gelegenheit. „Die Region zu stärken, das geht nur gemeinsam.“
An die vielen Ehrenamtlichen richtete er zum Abschluss sein Dankeschön: „Es ist nicht zu unterschätzen, dass Ehrenamtliche die Gesellschaft mitgestalten. Bleibt mutig und mit Begeisterung dabei. Geht neue Wege und bringt neue Ideen ein.“
