Projekt bislang nachrangig eingestuft
16.000 Fahrzeuge pro Tag: Kommt jetzt Bewegung in eine Pürtener Ortsumfahrung?
Jeden Tag rollen 16.000 Fahrzeuge durch Pürten, doch eine Ortsumfahrung lässt bislang auf sich warten. Wie stehen die Chancen, dass das Projekt umgesetzt wird?
Waldkraiburg – Jeden Morgen das gleiche Bild: Autos, Schwerverkehr und Schulbusse rollen durch Pürten. Vor allem zu den morgendlichen Stoßzeiten staut sich der Verkehr von der Pürtener Kreuzung bis zum Ortsausgang zurück. Rund 16.000 Fahrzeuge passieren täglich den Waldkraiburger Stadtteil und Anwohner leiden unter dem hohen Verkehrsaufkommen.
Eine Ortsumfahrung könnte Abhilfe schaffen – ein Thema, das in der Region seit Jahren diskutiert wird. Seitdem die Idee einer alternativen Strecke zum ersten Mal im Gespräch war, ist aber viel Wasser den Inn hinuntergeflossen. Ein Dauerbrenner, um den es zuletzt ruhiger geworden ist, bei dem die Stadt Waldkraiburg aber nicht locker lassen will.
Doch wie realistisch ist eine Umgehungsstraße für Pürten? Im 7. Ausbauplan für Staatsstraßen aus dem Jahr 2011 ist ein möglicher Neubau in der zweiten Dringlichkeit und damit nachrangig eingestuft. Um trotzdem eine Grundlage für das Projekt zu schaffen, beauftragte die Stadt 2019 eine Planungsraumanalyse, um mögliche Trassen zu prüfen.
Projekte im Ausbauplan neu bewerten
Die Staatsregierung will nun den Ausbauplan weiterführen und alle enthaltenen Projekte neu bewerten – darunter auch die Ortsumfahrung Pürten. Dabei entfallen die bisherigen Dringlichkeitsklassen, stattdessen werden Faktoren wie die Auswirkungen auf Anwohner, Umwelt, Raum und Verkehr in die Neubewertung einbezogen. „Die Wirtschaftlichkeit der Ortsumgehung Pürten ist nach wie vor gegeben“, teilt Ursula Lampe, Pressesprecherin beim Staatlichen Bauamt Rosenheim auf Nachfrage mit. Voraussetzung für den weiteren Verbleib im Ausbauplan.
Welche Trasse eine mögliche Umgehungsstraße nehmen könnte, ist bislang unklar – es gibt noch nicht einmal eine favorisierte Variante. „Aufgrund der nachrangigen Einstufung im 7. Ausbauplan hat das Staatliche Bauamt Rosenheim noch keine Planungen für die Ortsumgehung Pürten aufgenommen“, erklärt Ursula Lampe. Das passiert erst zu einem späteren Zeitpunkt: Erst bei einer Voruntersuchung werden unterschiedliche Varianten geprüft. Und solange das Staatliche Bauamt keine Planungen aufnimmt, gibt es keine Voruntersuchungen oder Varianten.
In den Plänen für den Umbau der Pürtener Kreuzung ist die Umfahrung zwar nicht berücksichtigt, die beiden Projekte schließen sich aber nicht aus. „Wir haben die Umfahrung weiterhin im Blick“, betonte das Staatliche Bauamt Rosenheim im Jahr 2020. Bürgermeister Robert Pötzsch hatte im Ferienausschuss dazu erklärt, dass sich die Behörde mit dem Umbau der Kreuzung weder auf eine Trasse festlegt noch andere Trassen vorzeitig ausschließt.
Positive Signale aus dem Ministerium
Für die Stadt ist eines klar: Mit dem weiter steigenden Verkehrsaufkommen gewinnt die Umgehungsstraße an Bedeutung. Besonders die Gefällestrecke durch den Ort mit ihren „unübersichtlichen Kurven, der großen Steigung und der unklaren und unbefriedigenden Radverkehrsführung“ machten den Abschnitt zu einer Gefahrenstelle. Für die vielen Fahrzeuge, die durch den Ort rollen, aber vor allem für die Anwohner, Fußgänger und Radfahrer.
Einen Zeithorizont für eine Ortsumfahrung gibt es zwar nicht, nach jüngsten Gesprächen ist man in Waldkraiburg aber äußerst optimistisch. „Von Verkehrsminister Christian Bernreiter gibt es positive Signale für eine Ortsumfahrung“, erklärte Bürgermeister Robert Pötzsch im Stadtrat. Was das genau bedeutet, konkretisiert das Staatliche Bauamt: „Aufgrund der Neubewertung der Ortsumfahrung Pürten im Zuge der Weiterführung des Ausbauplans wird das Staatliche Bauamt Rosenheim noch in diesem Jahr in die Planungen einsteigen“, teilt die Behörde auf Nachfrage mit.