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Zum Tag des Handwerks

Der Mann für heiße Eisen: So sorgt ein Hufschmied für das richtige Schuhwerk der Pferde

Mit routinierten Handgriffen schneidet Robert Esterl die Hufe von Wallach Sandor aus. Besitzerin Pia Pertl hebt den Huf auf.
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Mit routinierten Handgriffen schneidet Robert Esterl die Hufe von Wallach Sandor aus. Besitzerin Pia Pertl hebt den Huf auf.

Ohne passendes Schuhwerk läuft nichts – das gilt auch bei Pferden. Die Arbeit als Hufschmied ist ein Job, der Präzision, Kraft und Erfahrung braucht. Hufschmied Robert Esterl aus Taufkirchen gibt Einblick in ein traditionsreiches Handwerk, das mehr ist als nur Eisen auf Hufe nageln.

Waldkraiburg/Taufkirchen – Rhythmisch schlägt Robert Esterl mit dem Hammer auf das heiße Eisen, bringt es Stück für Stück in Form und gleicht es zuletzt mit dem alten Eisen ab. Es zischt leise, als er das heiße Eisen auf den Huf setzt, Rauch steigt auf und der Geruch von verbranntem Horn liegt in der Stallgasse. Das Pferd zuckt nicht einmal, während Esterl die Passform prüft und konzentriert weiterarbeitet.

Was nach einem einfachen Handgriff aussieht, verlangt Erfahrung und Präzision. Seit 1994 ist Robert Esterl aus Taufkirchen als Hufschmied unterwegs, jede Woche in einem Umkreis von 50 Kilometern. Er beschlägt Pferde neu oder schneidet ihre Hufe aus – ein körperlich wie geistig anspruchsvolles Handwerk, das ihm trotz des Risikos Freude macht.

In seine mobile Werkstatt ist ein Ofen integriert, in der Robert Esterl die Hufeisen erhitzt.

Eignungstest an der Beschlagschule

Hufschmied ist ein Beruf mit jahrtausendealter Tradition, aber kein Handwerksberuf im klassischen Sinn. Wer sich selbstständig macht, muss sich nicht in die Handwerksrolle eintragen. „Es braucht eine abgeschlossene Berufsausbildung, danach arbeitet man zwei Jahre bei einem staatlich anerkannten Schmied, bevor man den Eignungstest an der Beschlagschule macht“, beschreibt Robert Esterl seinen Werdegang. Er hatte zuvor eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht, hatte aber keine Aussichten auf eine Hofstelle. Während seiner Zeit bei der Bundeswehr lernte er seinen späteren Ausbilder kennen, der gerade einen Lehrling sucht – das Bewerbungsgespräch fand kurzerhand in der Stube statt.

An diesem Tag fährt er einen Reitstall in der Nähe von Kraiburg an. Vier Pferde warten auf neue Eisen oder müssen ausgeschnitten werden. Eine der Besitzerinnen ist Pia Pertl aus Waldkraiburg, die nacheinander die Hufe bei den Pferden aufhebt. Esterl nimmt die alten Eisen ab, schneidet das Horn zurück und zieht die Raspel gleichmäßig über das Horn, bis die Fläche eben ist. Huf um Huf arbeitet er sich voran – routiniert, konzentriert, präzise.

Mit kräftigen Schlägen bringt der Schmied das Eisen am Amboss in die richtige Form.

Vor mehr als 30 Jahren war für Esterl die Entscheidung schnell klar, Hufschmied zu werden. Er wollte wieder etwas mit Tieren machen. Nebenbei hatte er noch in einem Futtermittelbetrieb gearbeitet, Erfahrungen, von denen er profitiert: Neben dem richtigen Beschlag gibt er bei Bedarf Besitzern auch Futter-Empfehlungen, um die Pferde zu unterstützen.

Ein grauer Lieferwagen als mobile Werkstatt

Vor dem Stall parkt sein grauer Lieferwagen, eine mobile Werkstatt. Schweißen, bohren, schleifen oder Gewinde eindrehen – alles ist möglich. Integriert ist auch ein Ofen, in dem er die Eisen erhitzt. Glühend heiß nimmt er sie mit einer Zange aus dem Ofen, bearbeitet sie vor dem Wagen auf dem Amboss und formt sie mit kräftigen, rhythmischen Hammerschlägen, bis sie exakt passen.

Hufschmied Robert Esterl bei der Arbeit an einem Reitstall.

Zwischen sechs und zehn Pferden bearbeitet Robert Esterl täglich und das seit mehr als 30 Jahren. „In meinen Anfangsjahren wurde noch mit widrigen Mitteln gearbeitet. Es hat sich aber viel getan – vergleichbar mit der Entwicklung von der Wählscheibe zum Handy“, erzählt er, während er den Vorderhuf eines Schimmels ausschneidet. Immer mehr Menschen konnten sich ein Pferd leisten, der Reitsport entwickelte sich zum Breitensport. Gleichzeitig habe sich die Grundgesundheit der Pferde deutlich verbessert. „Früher galt ein Pferd mit 20 Jahren als alt, heute werden die Tiere viel älter. Das älteste Pferd, das ich bearbeitet habe, war knapp 50 Jahre.“

Mit einem Zischen legt Robert Esterl das heiße Eisen auf den Huf des Pferdes.

„Huf ab“ – mit einem erfahrenen Blick kontrolliert er seine Arbeit, prüft, ob das Pferd gerade steht. Denn ein falsch bearbeiteter Huf kann Schmerzen bereiten. Für ihn ist sein Job daher nicht nur körperlich, sondern auch geistig fordernd. Oft geht es darum, durch einen speziellen Beschlag Probleme zu beheben, damit ein Pferd „wieder läuft“. „Aber Wunder kann man als Schmied nicht vollbringen“, grenzt er ein. Ob bei Strahlfäule, Hufspalt oder Hufkrebs – für seine Kunden hat er Tipps zu Haltung und Pflege parat. „Ansonsten macht meine Arbeit keinen Sinn.“

Beruf hat auch seine Risiken

Seine Handgriffe sind sicher und präzise. Zu viel darf er nicht vom Horn wegnehmen, um das Pferd nicht zu verletzen. „Man darf nicht vergessen, dass wir mit Lebewesen arbeiten.“ Seine Routine hat er sich erarbeitet. „Als Anfänger macht man seine Tiefen durch, denkt auch mal ans Aufhören. Aber man wächst daran“, blickt er zurück. Heute denkt er nicht mehr daran, den Beruf aufzugeben – trotz der Risiken. „Bis auf Platz- und Schnittwunden oder blaue Flecken ist mir nie etwas passiert.“ Seine wichtigste Regel: Je näher er am Pferd arbeitet, desto sicherer ist es.

Eine alte Fliegendecke schützt vor nervigen Fliegen, damit Robert Esterl entspannt das Eisen aufnageln kann.

Auf seiner abgegriffenen Lederschürze legt er jeden Huf ab. Den Kontakt zum Pferd hält er stets, spürt sofort, wenn es sein Bein wegziehen will. „Wenn man sich an die Regeln hält, minimiert man das Risiko. Betriebsblind zu werden – das ist gefährlich.“ Deshalb gilt sein erster Blick immer dem Pferd: Wirkt es nervös oder entspannt? Ist es genervt von den Fliegen? Für solche Fälle hat er in seinem Auto eine alte Fliegendecke. Entspanntes Pferd, entspannter Hufschmied.

„Eine Umfrage hat ergeben, dass der Hufschmied zwar ein Beruf mit hohem Risiko ist, viele Hufschmiede aber sehr zufrieden mit ihrem Job sind“, erzählt er, während er ein Eisen Nagel für Nagel am Huf festklopft. Dreck, Schweiß und unregelmäßige Arbeitszeiten müsse man als Schmied in Kauf nehmen. „Ansonsten ist es ein toller Job. Ich bin glücklich.

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