Langjährige Kita-Leiterin in Waldkraiburg
Früher war alles besser? Charlotte Konrad über den Wandel in Kindergärten
Die Rolle des Kindergartens hat sich mit den gesellschaftlichen Veränderungen stark gewandelt. Heute sind Eltern mehr denn je auf eine gute Betreuung angewiesen. Was das für Eltern, Kinder und Erzieher bedeutet, weiß Charlotte Konrad als langjährige Leiterin der Kita Maria Schutz in Waldkraiburg.
Waldkraiburg – Wo Kinder früher zwischen Bastelstunde und Sandkasten wählten, können sie heute experimentieren, kochen, musizieren oder kreative Projekte umsetzen. In der Pädagogik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vieles verändert – Charlotte Konrad hat das hautnah miterlebt. 45 Jahre hat sie im Kindergarten Maria Schutz gearbeitet, davon 35 Jahre als Leiterin.
Äußerlich hat sich in der Kita Maria Schutz nur wenig getan – es gibt noch immer vier Gruppen im Kindergarten, lediglich eine Krippe wurde angeschlossen. Doch im Inneren hat sich viel verändert – weg von einer starren Gruppen-Struktur hin zu einem offenen Konzept.
Kinder positiv bestärken
Nur zum Spielen in den Kindergarten zu gehen – dieses Bild ist längst überholt. Kindergarten ist weit mehr als Kinderbetreuung. „Es geht darum, die Kinder mit ihren Stärken und Schwächen abzuholen und zu begleiten“, sagt Charlotte Konrad. Jedes Kind soll die Möglichkeit haben, herauszufinden, wo seine Stärken sind. Manche sind besonders kreativ, ein anderes Kind begeistert sich mehr für technische Dinge. Das offene Konzept des Kindergartens fördert genau diese Einstellung. „Jeder kann doch irgendetwas besonders gut. Unsere Aufgabe ist es, Kinder positiv zu bestärken.“
Von klein auf war es ihr Wunsch, Erzieherin zu werden. 1976 machte sie ein Praktikum in Maria Schutz, begann danach ihre Ausbildung an der Fachakademie und kehrte zum Begleitpraktikum hierher zurück. 1980 trat sie in Maria Schutz eine Stelle als Erzieherin an und ist geblieben. Den Blick nach außen hielt Charlotte Konrad immer offen: „Zu Beginn meiner Zeit als Erzieherin war es eher die Ausnahme, wenn ein Kind beispielsweise zur Logopädie ging. Heute sind Erzieherinnen viel besser geschult und können Familien gezielter unterstützen.“
Entscheidend dafür seien Fortbildungen für das Personal: „Auch wenn es ärgerlich ist, weil eine Kita dann geschlossen ist. Aber Fortbildungen sind wichtig“, sagt Charlotte Konrad. Die Pädagogik habe in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte gemacht, in die Arbeit der Erzieher fließen heute Erkenntnisse aus der Wissenschaft ein. „Über viel mehr Dinge weiß man heute Bescheid, kann offen mit Diagnosen umgehen. Damit weiß man auch, wie man Kinder individuell fördern und integrieren kann.“
Viele Familien auf professionelle Betreuung angewiesen
Erzieher könnten somit Familien insgesamt besser unterstützen. Gleichzeitig verändern sich aber die Rahmenbedingungen: „Früher war nicht immer alles besser. Es war anders, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren anders“, sagt sie. Früher wurden junge Familien oft noch durch Großfamilien aufgefangen, heute sind Doppel-Verdiener auf eine professionelle Betreuung angewiesen. Der gesellschaftliche Druck ist gestiegen – Eltern vergleichen sich häufiger, durch Medien entsteht oft ein Bild, wie etwas sein soll.
Durch den Ausbau des Betreuungsangebots würden Kinder heute früher in einer Einrichtung angemeldet. „Es braucht eine gute Mischung aus Familie und Einrichtung. Daheim muss man einem Kind schon was anbieten können, das sehe ich an meiner Enkelin.“ Wichtig sei es, die Kinder zu fördern, auf sie einzugehen. Und das ganz ohne Druck. „Erzieher arbeiten mit Menschen, nicht mit Maschinen. Sie müssen flexibel sein, denn nicht immer lässt sich ein Plan 1:1 umsetzen, gerade dann, wenn ein Kind zum Beispiel mehr Unterstützung braucht.“
Aber auch die Erzieher profitieren vom Wandel in den Kindergärten. Nicht nur, dass auch sie sich angesichts eines offenen Konzepts mit ihren Stärken einbringen können. „Es wurden Standards geschaffen, die das Personal beispielsweise vor Überlastung schützen.“ Zwar sei Geld in der Kinderbetreuung schon immer knapp gewesen, aber der Fachkräftemangel hat sich in den vergangenen Jahren verschärft. „Es gibt zu wenig Personal. Ob Sprach-Kita oder Personalförderung – die vielen Förderprogramme schaffen Entlastung. Man spürt jede Kraft in einer Einrichtung, und das ist nur von Vorteil für Kinder und Erzieher.“
