Vorpremiere in Waldkraiburg
Ein Abenteuer auf See: „Ausgsting“-Stars sprechen im exklusiven Interview über den Dreh
Seekrankheit, Verletzungen und Dreharbeiten auf engstem Raum? Aussteiger Gangerl und Produzent Thomas Wittmann erzählen von den Tücken und Herausforderungen ihrer gemeinsamen Reise für das Kinoprojekt „Ausgsting“. Der Film feierte Vorpremiere in Waldkraiburg.
Waldkraiburg – Wolfgang „Gangerl“ Clemens ist Abenteurer, Weltumsegler und Aussteiger. Seit mehr als 37 Jahren segelt er um die Welt, immer auf der Suche nach Freiheit und neuen Erfahrungen. Für das neue Kinoprojekt „Ausgsting“ begleiteten ihn die Wittmann-Brüder. Bei der Vorpremiere im Cineplex Waldkraiburg nahmen sich Thomas Wittmann und Gangerl die Zeit, über die Dreharbeiten und Herausforderungen zu sprechen und Gangerl erzählt im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen, wie er lebt, was ihn antreibt und wie sich die Welt in den letzten Jahrzehnten verändert hat.
Thomas und Gangerl, wir hatten uns ja vor dem Interview auf das „Du“ geeinigt. Thomas, was war für euch als Produzenten das Besondere an eurem Film „Ausgsting“?
Thomas Wittmann: Das Spannende war, jemanden zu begleiten, der schon wahnsinnig viel erlebt hat. Es ist ja nicht nur ein Porträt über einen Aussteiger und Abenteurer, sondern auch über die Nachkriegsgeneration, die es ja immer weniger gibt. Beim Gangerl merkt man natürlich auch, es wird immer nur nach vorne geschaut. Das ist bemerkenswert. Davon kann man auch eine Menge lernen.
Lief denn alles glatt beim Dreh?
Thomas Wittmann: Vieles ist hinter der Kamera passiert. Das kam gar nicht in den Film rein. Da hat sich der Gangerl zum Beispiel am Anfang des Drehs einen Nerv eingezwickt. Wir wussten lange nicht, was mit ihm los war. Es war irgendetwas mit dem Spinalkanal. Zum Glück ist ein sehr guter Spezl von mir Physiotherapeut. Er schickte uns Videos, die uns zeigten, wie wir den Gangerl behandeln müssen. Er ging dann in Bali ins Krankenhaus, bekam Tabletten und der Dreh konnte weitergehen.
Gangerl, vermisst du nicht das gute Essen in Deutschland, Schweinsbraten mit Knödel oder so?
Gangerl: Ich liebe das Essen hier, aber nicht so übertrieben, wie viele Deutsche es tun. Man muss nicht zwei oder drei Mal in der Woche zum Essen gehen. Ich lebe aus Büchsen und aus dem Meer. Wenn ich mir einen Pott Eintopf mache, esse ich sechs Tage daran am gleichen Essen. Bei mir wird nichts weggeworfen.
Thomas, das war kulinarisch für euch bestimmt Neuland.
Thomas Wittmann: (lacht) Naja, es waren ja nur Julian und Markus mit Gangerl auf dem Boot. Wenn vier oder fünf Leute auf einem Boot sind, ist so ein Pott natürlich ruckzuck leer.
Wie geht es für euch jetzt weiter, nachdem der Dreh fertig ist? Habt ihr schon neue Projekte in der Pipeline?
Thomas Wittmann: Wir sind jetzt noch zusammen mit Gangerl auf großer Kinotour zum Film unterwegs, quer durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Am 28. August ist Kinostart. Wir haben natürlich jede Menge Ideen. Vergangenes Jahr machten wir für den Bayerischen Rundfunk die Webserie „Aufgsperrt is – in 30 Tagen zum Wirtshaus-Wunder?“. Da versuchten wir innerhalb von 30 Tagen eine geschlossene Dorfwirtschaft wiederzueröffnen, mit der Frage, ob das mit der heutigen Bürokratie überhaupt umsetzbar ist. Aktuell liegt unser Fokus natürlich bei unserem Kinofilm. Lasst euch einfach überraschen, was als Nächstes kommt.
Gangerl: Ich freue mich natürlich hier in Deutschland zu sein und die Premiere unseres Films zu feiern. Ich genieße diese Zeit hier, aber ich freue mich natürlich wieder auf mein Schiff. Ich wollte schon immer nach Japan und Alaska segeln. Diesen Traum hatte ich schon vor 32 Jahren. Wir waren damals in Tonga. Da waren wir vier Schiffe, die sich immer wieder auf der Barfußroute getroffen haben. Man ist funkmäßig auch miteinander verbunden. Damals wollte ich nach Alaska segeln, aber meine Freundin und meine Freunde wollten lieber nach Neuseeland. So bekamen sie mich umgestimmt. Jetzt bin ich allein unterwegs und so entscheide ich selbst, wohin mich meine Reise führt.
Du bist nun schon seit mehr als 37 Jahren auf der ganzen Welt unterwegs. Wie hat sich die Welt im Laufe dieser Zeit verändert?
Gangerl: Zu meiner Zeit, als ich von Panama durch den Pazifik gesegelt bin, da hat es so etwa sechs Zyklone gegeben. Heute sind es zwanzig. Wie auf einer Perlenkette kommen sie daher. Auf den Philippinen und der Karibik ist es das Gleiche, tropische Wirbelstürme. Das hat mit der Klimaveränderung zu tun. Der Mensch zerstört die Natur, die Meere, alles Schöne. Deswegen finde ich die Lebensart der Menschen als falsch.