Fernwärme in Oberbergkirchen
Biotop statt Biobrennstoff: Anwohner protestieren gegen geplantes Hackschnitzel-Heizwerk
Oberbergkirchen möchte die Fernwärmeversorgung ausbauen und hat deshalb im Neubaugebiet „Am Hang III” bereits Leitungen verlegt. Nicht überall kommt die Idee gut an. An einem möglichen Standort des Hackschnitzel-Heizwerks protestieren die Anwohner.
Oberbergkirchen – Neben der Schule, der Turnhalle und dem Kindergarten werden in Oberbergkirchen immer mehr Privathaushalte versorgt. Das Wärmeversorgungsunternehmen von Mario Schmid beliefert 20 Häuser und 25 Wohnungen und Gewerbebetriebe mit umweltfreundlicher Wärme. Und es sollen noch mehr werden. Nicht nur im neuen Baugebiet „Hang III“. Es sind weitere Anschlussmöglichkeiten geplant, eine interne Informationsveranstaltung dazu fand am Montag (20. Januar) im Pfarrhof statt.
60-seitige Präsentation bei Infoveranstaltung
In einer 60-seitigen Präsentation stellte die Gemeinde Oberbergkirchen Chancen und Möglichkeiten der regenerativen Energieform, eine Machbarkeitsstudie und Genossenschaftslösung vor.
Nach dreieinhalb Stunden war die Versammlung vorbei, die Skepsis bei einigen aber immer noch da. Uta und Rudi Hartung und Rita und Peter Horstmann ist einer der möglichen Standorte der Heizungsanlage ein Dorn im Auge. Sie wohnen in der Siedlung in unmittelbarer Nachbarschaft zum möglichen Heizwerk.
Anwohnerin sorgt sich um ein „kleines Paradies“
Die beiden Rentner-Paare beklagen, dass sie bislang nichts über die Pläne gehört hätten. Dass selbst Nachfragen bei der Gemeinde unbeantwortet geblieben seien. Uta Hartung sorgt sich darum, dass mit dem Bau eines Heizkraftwerkes, das Biotop am Weiher, ein Idyll, wo Fledermäuse nisten und auch Vögel brüten würden, gestört werden könnte. „Wir haben hier ein kleines Paradies. Und das wird gefährdet!“
Peter Horstmann befürchtet eine Überbeanspruchung der Straße vor seinem Haus, durch Lieferverkehr. „Wer zahlt dann die Straßenschäden?“ Außerdem kritisiert er: „Wenn die Hackschnitzelanlage am Weiher kommt, dann haben wir ein Kraftwerk mitten in der Siedlung!“ Womöglich später auch eine Erweiterung. Lärm und Feinstaub würden den Immobilienwert mindern. Dazu kommt: Beide Paare wollen nicht anschließen. Sie heizen weiter mit Öl und setzen auf Solarthermie. Tenor: „Wir brauchen die Fernwärmme nicht!“
Gemeinde will erst mal Interesse abfragen
Der Leiter der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen, Georg Obermaier, kennt die Kritik, bleibt aber gelassen. „Erst wenn man weiß, wer überhaupt Interesse an der Fernwärme hat, kann man weiterdenken.“ Auf die Fläche am Pfarrweiher bezogen, beteuert er: „Es gibt weder eine Planung, noch ist etwas beschlossen!“ Wenn sich nicht genügend Interessen finden ließen, dann komme ohnehin nur die Erschließung des Neubaugebiets „Hang III“ infrage.
Dieses Baugebiet im Osten der Gemeinde wird gerade erschlossen. Vorsorglich habe die Gemeinde dort Fernwärme-Leitungen verlegen lassen, weil Bauherren, die ein Grundstück der Gemeinde kaufen, verpflichtet seien, an die Fernwärmeversorgung anzuschließen. „Das heißt aber nicht, dass sie zusätzlich nicht auch Solarthermie- und Photovoltaik nutzen dürfen!“
Kläranlage und Alter Pfarrhof als Alternative
Das Heizhauses werde nur gebaut, wenn genügend Interesse bestünde. Obermaier verweist auf die Alternativstandorte an der Kläranlage und am Alten Pfarrhof. Er regt an: Bürger könnten selbst auf die Standortwahl aktiv Einfluss nehmen, wenn sie der Genossenschaft beitreten, die im Zuge der Fernwärmeversorgung allerdings erst noch zu gründen ist.
Die Sorgen der Anwohner teilt er nicht. Dass schwere Lastfahrzeuge, die die Hackschnitzel anliefern, die Straße und Unterbau beschädigen würden, schließt er aus. „Schon jetzt fährt ja das Müllauto rein, das viel schwerer ist, ohne Schaden anzurichten.“
Viel Lob der Gemeinde über die Zusammenarbeit
Die Zusammenarbeit mit dem Betreiber, der in der Ortsmitte bereits eine Hackschnitzelheizung gebaut hat, stellt Obermaier als positiv dar. „Wir haben bereits Erfahrungswerte. Und das sind sehr gute!“ Er appelliert an die Kritiker, offen an die Sache heranzugehen, damit das Projekt nichtvernichtet ist, bevor überhaupt die ersten Planungsschritte unternommen wurden. „Es handelt sich aktuell lediglich um Gedankenspiele! Und das für drei mögliche Standorten!“
Das Heizwerk könnte demnach auch in der Nähe des Pfarrhofs oder der Kläranlage errichtet werden, heißt es im Konzept des Betreibers, das auf der Internetseite der Gemeinde Oberbergkirchen veröffentlicht ist. Am alten Pfarrweiher ist lediglich von einem Übergabepuffer die Rede.
Kritik der Anwohner ist bekannt – und wird auch ernst genommen
Für den Pfarrhof und die Kläranlage sprechen laut Obermaier ein genügend großer Abstand zu Anwohnernn, Emissionsschutz, die guten Zufahrtsmöglichkeiten, Strom und Wasseranschluss sowie Erweiterungsmöglichkeiten. Dass bei einem Standort am alten Pfarrweiher „mit Sicherheit mit Beschwerden von Anwohnern zu rechnen“ sei, habe der Ersteller des Konzepts bereits im Vorfeld der Infoveranstaltung erkannt.
Weiherstandort für einen der möglichen Knotenpunkte
„Die Fernwärme kommt zunächst mal in neue Baugebiet. Aber wenn wir das alte Siedlungsgebiet mit anschließen wollen, dann brauchen wir zusätzliches Heizwerk. Der Standort am Weiher wäre einer dieser Knotenpunkte gewesen“, sagt Bürgermeister Michael Hausperger (CSU). Er fügt aber hinzu: „Der Platz ist eher gestorben, als dass er kommen wird!“ Und er beruft sich dabei auf die Kritik. Er verweist aber auch darauf, dass das Konzept noch in den Kinderschuhen steckt: „Der Gemeinderat ist informiert. Es sind noch keine Beschlüsse gefasst worden!“
Ob die Fernwärme in Oberbergkirchen grundsätzlich eine Zukunft hat, soll nun eine Umfrage ermitteln. „Bevor Entscheidungen getroffen werden können, muss feststehen, wer konkret Interesse hat“, hieß es dazu in der Infoveranstaltung am Montag. Bis zum 20. Februar haben Oberbergkirchener noch Gelegenheit, Stellung dazu zu beziehen, ob sie Wärme durch Hackschnitzel wollen.

