Auch Ozon belastet die Schüler
Lernen bei 30 Grad Celsius? So kämpft Neumarkt-St. Veit gegen die Schul-Hitze
Sommer, Sonne, Schwitzen: Trotz moderner Lüftungssysteme bleibt die Hitze ein Problem an Schulen in Neumarkt-St. Veit. So bleiben Schüler und Lehrer trotzdem cool.
Neumarkt-St. Veit – Der Landkreis ächzt und leidet unter der Hitze. Für Dienstag (1. Juli) hatte der Deutsche Wetterdienst für Neumarkt-St. Veit Höchsttemperaturen von 32 Grad Celsius angekündigt. Am Mittwoch (2. Juli) sollen es sogar 34 Grad werden. Wie geht man in den Schulen mit diesen Temperaturen um?
Hitzefrei gibt es schon seit Jahren nicht mehr
Dass Schüler in der Grundschule und in der Mittelschule Hitzefrei fordern, ist nachvollziehbar. Doch eine solche Regelung gibt es schon seit etlichen Jahren nicht mehr. Wie Wolfgang Haserer, Pressesprecher am Landratsamt Mühldorf mitteilt.
Lüftungsanlagen sorgen für Linderung – wenn auch nur kurz
Thomas Menzel, Leiter der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Neumarkt-St. Veit, verweist darauf, dass die Stadt bereits während der Corona-Pandemie weitergedacht hatte. Die VG hatte damals nicht nur Lüftungsanlagen für die Klassenräume an den Standorten der Grundschulen in Egglkofen und Neumarkt-St. Veit sowie für die Herzog-Heinrich-Mittelschule angeschafft. Die Geräte sind auch in der Lage, einen Luftaustausch vorzunehmen. Das heißt: In der Nacht, wenn sich die Luft draußen abkühlt, sorgen diese dezentralen Lüftungsanlagen dafür, Frischluft zuzuführen und verbrauchte Luft abzuführen.
Das Konzept funktioniert, wie Pia Gierden, Schulleiterin der Herzog-Heinrich-Mittelschule von Neumarkt-St. Veit berichtet: „Das bringt schon etwas, vor allem in der Früh, für die erste Zeit!“ Doch wenn die Sonne erbarmungslos auf das Schulgebäude einwirkt, dann heizen sich dennoch die Klassenräume im Laufe des Vormittags auf. Die Alternative: „Wir suchen die kühlsten Räume im Schulgebäude und verlegen den Unterricht da hin.“ Es gebe Lehrer, die ihren Unterricht draußen im Schatten der Bäume abhalten. Oder sie gehen mit der Klasse in die Stadt auf ein Eis. Die Quali-Schüler allerdings, die müssen drin bleiben. „Denn ausgerechnet in dieser Woche finden die Prüfungen statt“, erklärt Gierden.
Sommerhitze ausgerechnet zur Prüfungszeit
Traditionell wird die Mehrzweckhalle dann zum Prüfungsort. Gierden beschreibt die Temperaturen als erträglich, sagt aber auch, dass mit den sommerlichen Höchsttemperaturen hohe Ozon-Werte einhergehen. An Sport sei deshalb nicht zu denken. Der Sportunterricht am Nachmittag sei in dieser Hitze-Woche gestrichen worden. Bei Schülern der offenen Ganztagesklasse entscheiden manche Eltern, dass ihre Kinder schon früher heimgehen könnten.
Kreislaufprobleme auch bei Schülern
Jeder verträgt Hitze anders, weiß Gierden aufgrund ihrer jahrelangen Erfahrung. Man weise zwar immer wieder Kinder und Eltern darauf hin, dass sie ausreichend zu Trinken in die Schule mitnehmen sollen. Und auch im Schulgebäude kann man sich Leitungswasser nachfüllen. Aber es bliebe nicht aus, dass Schüler auch abgeholt werden müssen, weil die Hitze Schwindel, Kopfschmerzen oder Kreislaufprobleme auslöst.
Kinder ans Trinken erinnern
„Wir erinnern die Kinder immer wieder daran, viel zu trinken, machen dafür auch zusätzliche Trinkpausen“, sagt Ines Krusche, Rektorin an der Grundschule in Neumarkt-St. Veit. Ihr Rezept, um die Kinder an besonders heißen Tagen zu entasten: weniger Hausaufgaben. Im Schulgebäude sei es erträglich, sagt Krusche. „Dank der Lüftungsanlagen sind die Unterrichtsräume in der Früh auf knapp 23 Grad Celsius gekühlt. Das steigert sich auf bis zu 27 Grad, aber das ist noch erträglich.“
Nachtabsenkung funktioniert nicht in tropischen Nächten
Das klappt aber nur so lange, wie es auch in der Nacht noch kühl ist, ergänzt Barbara Mooser, Schulleiterin der Grundschule in Oberbergkirchen. In sämtlichen Schulen innerhalb der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen gibt es diese dezentralen Lüftungsanlagen. Der Luftaustausch sei aber nur sinnvoll, wenn die Nächte nicht auf tropischem Niveau bleiben. Von einer tropischen Nacht spricht man, wenn die Temperaturen nachts nicht unter 20 Grad Celsius sinken.
„Es ist uns allen schon sehr heiß“, sagt Mooser, „aber noch nicht so schlimm, dass wir fix und fertig wären.“ Um frische Luft in die Räume zu lassen, komme eine Kollegin täglich schon etwas früher, um durchzulüften. Die Außenbeschattung soll die direkte Sonneneinstrahlung verhindern. Doch irgendwann am Vormittag müssten schließlich doch Fenster geöffnet werden, damit frischer Sauerstoff in die Räume kommt, „und dann haben wir auch die Hitze drin“, bedauert Mooser.
Deutsch und Mathe nach vorne verlegt
Im Lehrerkollegium habe man kommuniziert, nach pädagogischen Ermessen zu handeln. Die Kinder nach Hause schicken, sprich Hitzefrei, sei nicht möglich, weil die Schule die Betreuungspflicht habe. Aber man versuche, die wichtigsten Fächer wie Deutsch oder Mathe in die ersten Schulstunden zu verlegen, in denen es noch nicht so heiß ist. Kunst oder Musik würden dann eher nach hinten verlegt, wenn die Konzentration nachließe. Man sei beim Sport lieber in der Halle als auf dem Sportplatz oder ließe die Kinder in den beschatteten Sandkasten. Hausaufgaben fielen flach.
Kreative Lösungen
Man zeigt sich also kreativ, um der Hitze die Stirn zu bieten. Ein offizielles Hitzefrei im herkömmlichen Sinne gibt es trotzdem nicht. Das Landratsamt Mühldorf verweist auf unsere Anfrage hin auf Informationen des Kultusministeriums: Eine gesetzliche oder sonstige rechtsverbindliche Regelung, wonach den Schülern ab einer bestimmten Temperatur oder unter sonstigen bestimmten Voraussetzungen „hitzefrei“ zu gewähren ist oder gewährt werden kann, existiert demnach nicht. „Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Gewährung von hitzefrei nicht möglich ist“, ergänzt das Landratsamt auf Nachfrage. Die Entscheidung hierüber liege im alleinigen Verantwortungsbereich der Schulleitungen, denen insoweit ein Organisationsermessen zustehe.
Gesamtverantwortung liegt bei der Schule
Die Schulleitung trage die pädagogische, organisatorische und rechtliche Gesamtverantwortung für die Schule. Dies gebe ihr grundsätzlich die Möglichkeit, an besonders heißen Tagen den Unterricht ausnahmsweise vorzeitig zu beenden.
Bei ihrer Entscheidung hat die Schulleitung die konkrete Situation an der Schule zu berücksichtigen und eine Abwägung vorzunehmen. Zu berücksichtigen sind neben den raumklimatischen Verhältnissen in den Schulgebäuden insbesondere die Schülerbeförderung, die durch ein vorzeitiges Unterrichtsende nicht gefährdet sein darf, sowie die Möglichkeit des Rückgriffs auf bestimmte Maßnahmen wie etwa der Verlagerung des Unterrichts in kühlere Räume.
