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Training in Neumarkt-St. Veit

40 Minuten im sengend heißen Container: So hart trainieren Feuerwehrleute für den Ernstfall

Da raucht‘s aus dem Brandcontainer: Wie man sicher rein und auch sicher wieder raus kommt, lernten über 60 Floriansjünger in Neumarkt-St. Veit.
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Da raucht‘s aus dem Brandcontainer: Wie man sicher rein und auch sicher wieder rauskommt, lernten über 60 Floriansjünger in Neumarkt-St. Veit.

Dicke Rauchschwaden, sengende Hitze und völlige Dunkelheit: In Neumarkt-St. Veit bereiten sich Feuerwehrleute auf den Ernstfall vor – mit realen Feuern im Brandcontainer-Training.

Neumarkt-St. Veit – Schwarze Rauchwolken über der Stadt sorgten in den letzten Tagen für Aufsehen. Doch keine Panik – es brannte kontrolliert! Die Feuerwehrleute des Landkreises Mühldorf am Inn trainierten unter extrem realistischen Bedingungen für den Ernstfall: im feststoffbefeuerten Brandcontainer.

64 Atemschutzträger vor Ort

Schon im Vorfeld hatte die Kreisbranddirektion Mühldorf über ein besonders Vorhaben informiert: Die aktiven Atemschutzträger der Feuerwehren aus dem Landkreis Mühldorf sollten geschult werden. „Wir haben wieder die Möglichkeit, gezielt mit den Kameraden in einem Brandcontainer Erfahrungen aus Brandeinsätzen ziemlich realitätsnah zu schulen“, erklärt Andreas Schwertfeger von der Kreisbranddirektion Mühldorf. „Wir haben bis zu 64 Atemschutzträger zur Schulung vor Ort!“

Viel trinken gehört dazu

Doch bevor die motivierten und interessierten Atemschutzträger aus den verschiedenen Feuerwehren aus dem Landkreis mit Ausbilder Martin Rother den Brandcontainer betreten dürfen, hieß es erst einmal büffeln. Im Theorie-Unterricht erfahren sie, dass die Vorbereitungen bei jedem persönlich beginnen. „Bitte denken Sie daran, genügend zu trinken, bevor wir heute nach draußen gehen, auch ich trinke schon im Vorfeld viel, damit nichts passiert“, betonte Rother immer wieder. Denn der Atemschutzträger muss fit sein, wenn es gleich in die heiße Hölle geht.

Wie verwende ich das Hohlstrahlrohr richtig?

Bei seinem Vortrag ging es unter anderem um die verschiedenen Löschwirkungen, die unterschiedliche Handhabung vom Hohlstrahlrohr oder wie man sich im Ernstfall Zutritt zu geschlossenen Räumen verschafft. Er erläuterte den Brandverlauf, zeigte die Rauchgrenze auf, und erklärte auch den Begriff der Pyrolyse. Wie schützt man sich vor Durchzündungen beim Räumen? Dies war ebenfalls eine Frage, die es zu klären galt. Ganz wichtig: Eigenschutz hat oberste Priorität und auch auf die körperliche Fitness und die Sicherheit aller Teilnehmer kommt es an.

Brandeinsätze können schnell gefährlich werden

Dass die bevorstehende Aufgabe nicht nur einfach so eine Übung sein wird, war für alle Teilnehmer schon im Vorfeld bewusst, doch mit dem Beginn der Sicherheitsunterweisung und der Schilderung des geplanten Ablaufes war auch für Außenstehende klar: Das kann schnell gefährlich werden!

Aus der Praxis für die Praxis!

Ausbilder Martin Rother

„Aus der Praxis für die Praxis“, so beschreibt Ausbilder Martin Rother von „Red Line Situation“ die Übung. Dass dieses Projekt mit dem Brandcontainer ein wichtiger Baustein in der Ausbildung der aktiven Feuerwehrkameradinnen und Kameraden ist, zeigt neben der organisatorisch begleitenden Unterstützung durch den Landesfeuerwehrverband Bayern die Förderung und Unterstützung durch das Bayrische Innenministerium.

Gefahrensituation richtig einschätzen

Der Brandcontainer simuliert, unter Verwendung von den typisch verwendeten Holzmaterialien eines Zimmers, meist in der Größe eines Kleiderschrankes, den typischen Entstehungsbrand mit der dazugehörige Hitze- und Rauchentwicklung. So kann in den Trainingseinheiten vermittelt werden, wie die Brandverläufe erkannt und die Gefahrensituation richtig eingeschätzt werden können.

Auch der Kameradencheck gehört dazu

Und so hieß es nach der Theorie und ein paar praktischen Übungen im Freien für die Teilnehmenden nun, das Erlernte in einer realen Umgebung richtig anzuwenden. Nach dem Anlegen der kompletten Ausrüstung und dem gegenseitigen Kameradencheck, bestiegen diese anschließend den Container mit ihrem Ausbilder. Es sei wirklich spannend gewesen, zu sehen, wie sich die Rauchzonen bildeten, die Pyrolyse zu beobachten und live mit dabei zu sehen, wenn es zu einer sogenannten Durchzündung kommt. Unter einer Rauchdurchzündung versteht man das plötzliche Durchzünden und Abbrennen von Pyrolysegas. Dieses Gasgemisch entsteht durch Hitzeeinwirkung oder Verbrennung. Bei einer Rauchgasdurchzündung, primär in geschlossenen Räumen, ist genug Sauerstoff für die Zündung vorhanden.

Erfarung mit Nullsicht gemacht

Die Erfahrung mit Nullsicht sei bemerkenswert gewesen, so der Tenor nach der rund 40-minutigen Übung im heißen Container. Und die Anstrengung sah man allen sichtlich an und nach dem gezielten Ablegen der dekontaminierten PSA (persönlichen Schutzausrüstung). Danach hieß es erstmal, zu den Kräften kommen, bis der Kreislauf und auch der Flüssigkeitshaushalt wieder angepasst war.

Zum Schluss gibt es viele Dankesworte

Die Kreisbranddirektion bedankte sich am Ende bei der Stadt Neumarkt-St. Veit, dass sie den Stützpunkt der Freiwilligen Feuerwehr verwenden durfte. Unterstützung gab es auch vom städtischen Bauhof und den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt-St. Veit, die mit Ausrüstung und Sicherheitstrupps zur Verfügung stand.

Extrem wichtig: Die Atemschutzträger müssen sich nach dem Anlegen der Schutzkleidung sich gegenseitig checken, ob alles auch richtig sitzt.

Dankesworte gingen auch an die Nachbarschaft, die während der Übungstage mit Unannehmlichkeiten durch Rauch und Geruch konfrontiert waren und viel Verständnis aufgebracht hätten, so Schwertfeger. „Doch nur so können wir eine wichtige Lücke in der Ausbildung schließen, auch wenn wir hoffen, dass wir dieses Wissen nie anwenden müssen. Doch falls es zum Ernstfall kommen sollte, sind unsere Frauen und Männer dafür ausgebildet!“

Unter Zeitdruck die richtigen Entscheidungen treffen

„Man sieht förmlich, wie sich Rauchschichten bilden, die Pyrolyse beginnt und wie schnell es zur Durchzündung kommen kann“, so ein Teilnehmer nach der Übung. Eine wichtige Erfahrung: In Nullsicht, unter Zeitdruck und mit voller Ausrüstung müssen Entscheidungen getroffen und Leben gerettet werden. Die Botschaft ist klar: Lieber jetzt schwitzen – als später im Ernstfall scheitern.

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