Abschied nach fast 40 Jahren
Zoff ums Eiermobil und Volksfest! Nach 40 Jahren ist Schluss – Frischeier-Frau rechnet mit Stadt ab
Nach fast 40 Jahren ist Schluss: Obermeier Frischeier verlässt den Wochenmarkt in Neumarkt-St. Veit – wegen Personalmangels, aus Altersgründen und nach einem handfesten Streit.
Neumarkt-St. Veit – „I sog servus!“, heißt es auf der Facebook-Seite der Firma Obermeier Frischeier. Denn mit dem Verkaufswagen ist in einigen Gemeinden in den Landkreisen Mühldorf, Altötting und Pfarrkirchen jetzt Schluss. Aufgrund von Personalmangel, so heißt es in der Begründung, und auch, weil die Chefin altersbedingt kürzertreten möchte, hat sich die Firma mit Sitz in Penning bei Niederbergkirchen dazu entschlossen, sich von den Wochenmärkten in Pfarrkirchen, Garching an der Alt und Neumarkt-St. Veit zurückzuziehen. Während dies in den Landkreisen Pfarrkirchen und Altötting nahezu geräuschlos über die Bühne gegangen ist, hat die Chefin von Obermeier Frischeier, Michaela Obermeier-Lohner (59), den Rückzug vom Standort in Neumarkt-St. Veit heftig kommentiert.
Obermeier-Lohner wollte in den Mittelteil des Stadtplatzes
Am letzten Verkaufstag am 5. Juni teilte Obermeier-Lohner den Kunden nicht nur mit, dass sie nach fast 40 Jahren den Standort am Wochenmarkt aufgeben werde. Auf einem Hinweiszettel am Verkaufswagen waren auch die Gründe dafür nachzulesen. Als Hauptgrund führt Obermeier-Lohner das fehlende Entgegenkommen der Stadt bei der Frage nach einem anderen Standort ins Feld. „Leider wurde uns der Platzwechsel vom oberen Teil des Stadtplatzes in den belebten Mittelteil um den Brunnen vom Bürgermeister nicht genehmigt!“, schreibt Obermeier-Lohner.
Auf Anfrage sagt Obermeier-Lohner, dass sie seit fast vier Jahrzehnten mit ihrem Verkaufsstand auf dem Neumarkt-St. Veiter Stadtplatz vertreten sei. Sie erinnert sich daran, dass die Produkte des Eier-verarbeitenden Betriebs aus Niederbergkirchen, einst am Johannesplatz verkauft wurden. Später sei der Markt an den oberen Stadtplatz verlegt worden. „Und dort herrscht tote Hose, während in der Stadtplatzmitte reger Kundenverkehr zu beobachten ist, der von der einen Stadtplatzseite zur anderen wechselt!“
Drei weitere Interessenten sind wieder abgesprungen
Dazu der Eisenwarenladen, die Metzgerei, die Bäckerei, die Sparkasse und die Raiffeisenbank in der Nähe. Obermeier hat auf Höhe des Marienbrunnens größeres Verkaufspotenzial gesehen haben, habe ihre Argumente auch bei einem Besichtigungstermin mit Bürgermeister Erwin Baumgartner dargelegt. Dieser habe aber schon beim Ortstermin abweisend reagiert, die Verlagerung des Marktes abgelehnt. „Dabei hätte ich drei weitere Fieranten gehabt, die mitgemacht hätten. Den Betreiber eines Käseverkaufsstands, einen Fischhändler und einen Metzger.“
Auch die Volksfestvergabe spielt eine Rolle
Mit der Absage des Alternativ-Standorts seien aber auch diese drei wieder abgesprungen, berichtet Obermeier-Lohner schulterzuckend und verärgert sogleich. Und dann schickt sie gleich noch eine Erklärung hinterher, die auf einen weiteren Grund deutet, warum sie der Rottstadt erst einmal „Lebewohl“ sagt: Weil ihre Tochter Anna-Katharina, dieFestwirtin auf dem Mühldorfer Volksfest ist, bei der Volksfestvergabe in Neumarkt-St. Veit ab 2026 „fast einstimmig vom Stadtrat abgelehnt“ worden sei.
Konzept an Festwirt Zens weitergegeben?
Sie berichtet in diesem Zusammenhang, dass ihre Tochter für die Bewerbung ein Konzept habe erstellen lassen, das auch mit Planungskosten verbunden gewesen sei. Dieses Konzept, das unter anderem einen Barbereich und separate, abgetrennte Bereiche mit mehr Privatsphäre vorgesehen habe, sei dann wohl der Festwirtsfamilie Zens zugespielt worden, behauptet Obermeier-Lohner.
Sie jedenfalls sehe keinen Grund, noch länger mit diesem ungünstigen Platz weiter Marktbeschicker zu sein.“ Schließlich mutmaßt sie, dass sie als Person womöglich der Grund für die Absage des Volksfests gewesen sein könnte.
Baumgartner wiederspricht den Darstellungen
Mit den Vorwürfen konfrontiert, sagt Erwin Baumgartner: „Wir haben auf die genannte Anfrage hin fünf Varianten für neue Standorte erarbeitet und dem Bau- und Umweltausschuss zur Entscheidung vorgelegt.“ Begründung der Anfrage sei gewesen, dass bei einem anderen Standort die Laufkundschaften der bestehenden Geschäfte am Stadtplatz den Wochenmarkt besser sehen und damit auch mehr beim Wochenmarkt einkaufen.
Die Rede ist von fünf Varianten
Der bisherige Standort sei beim Stadtplatzumbau berücksichtigt und die Infrastruktur danach ausgerichtet worden, sagt Baumgartner. Und: „Der Bau- und Umweltausschuss hat sich gegen die Verlegung ausgesprochen, da die Infrastruktur an einem anderen Standort nicht mehr geeignet erschien.“
Keine Pläne für neuen Wochenmarkt
Pläne, den Wochenmarkt neu zu beleben, gebe es aktuell keine, sagt Baumgartner: „Im Moment wird hieran nicht gearbeitet und es hat sich auch kein Aufschrei nach Neuinstallierung eines Wochenmarktes gezeigt.“ Auf dem Neumarkter Stadtplatz seien „erfreulicherweise noch sehr viele Geschäfte für Lebensmittel vorhanden“, sodass die Versorgung der Bevölkerung in den genannten Bereichen auch ohne Wochenmarkt, gewährleistet ist.
Bedauern über fehlende Akzeptanz von demokratischen Entscheidungen
Auch auf den Vorwurf, dass Unterlagen unter der Hand an den jetzigen Festwirt weitergegeben worden seien, weist Baumgartner zurück. „Die Bewerbungen sind nur mir vorgelegen und ich habe sie vor der Beratung und Beschlussfassung nicht weitergegeben.“ Die Vergabe sei in nichtöffentlicher Sitzung erfolgt, deswegen könne er zum Diskussionsverlauf beziehungsweise über die Gründe für eine Entscheidung öffentlich nichts sagen. Nur soviel: „Es ist schade, dass demokratisch gefasste Entscheidungen nicht akzeptiert werden können und mit solchen Veröffentlichungen angefeindet werden.“
Jetzt stand der Obermeier-Wagen also zum letzten Mal auf dem Neumarkter Stadtplatz. Nach fast 40 Jahren. Etwas Wehmut schwingt mit, wenn Michaela Obermeier-Lohner das nun verkündet. Auf der anderen Seite könne sie sich nun umso mehr auf den Teilruhestand freuen, ergänzt sie.