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Instrument des Jahres

Nicht nur der Huber bläst die Tuba: Warum auch Neumarkterin Sophia (12) das Instrument liebt

Sophia Angerer, der Musemoaster und ihre Tuba: Seit zwei Jahren spielt die Neumarkterin Tuba, das Gewicht scheint sie dabei nicht zu stören.
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Sophia Angerer, der Musemoaster und ihre Tuba: Seit zwei Jahren spielt die Neumarkterin Tuba, das Gewicht scheint sie dabei nicht zu stören.

Vom ehemaligen Staatsminister bis zur zwölfjährigen Realschülerin: Die unterschiedlichsten Leute spielen Tuba, jenes fast zehn Kilogramm schwere Musikinstrument, das Instrument des Jahres 2024. Doch warum ziehen Menschen die Tuba einer Querflöte vor?

Neumarkt-St. Veit – Sie hat eine tragende Rolle in der einleitenden Melodie beim Königlich-bayerischen Amtsgericht, mit Dr. Marcel Huber spielt ein ehemaliger Staatsminister das Instrument leidenschaftlich gerne und mit Max Grießer hat der Bayerische Rundfunk sogar eine Serie daraus gemacht: „Und die Tuba bläst der Huber“. Das Jahr 2024 wurde sogar ganz der Tuba gewidmet.

Es ist mit Abstand das schwerste Instrument im tiefen Register. Musiker mögen vielleicht die handliche Piccolo-Flöte dem Ungetüm aus Messing vorziehen. Doch im Landkreis Mühldorf gibt es einige Menschen, die ihr Instrument nicht mehr missen wollen. Denn spätestens mit Andreas Hofmeir, der bei der Blasmusikgruppe „LaBrassBanda“ barfuß aus dem tiefen Register Techno-Sound kreiert, ist das Instrument auch bei den ganz jungen Leuten angekommen.

Tuba statt Volleyball

Was vielleicht etwas ungewöhnlich sein mag: Es gibt immer mehr Mädchen, die das schwere Instrument erlernen, kaum ein Problem damit haben, das Ungetüm in die Höhe zu stemmen und diesem dann auch noch filigrane Töne zu entlocken. Eines dieser Mädchen ist die Neumarkt-St. Veiterin Sophia Angerer. Sie stand in der Realschule Vilsbiburg vor der Qual der Wahl. Welches zusätzliche Fach sollte es im kommenden Schuljahr werden? Volleyball? Fußball? Mathe und Naturwissenschaften?

Völkerverständigung im tiefen Bass: Der Altmühldorfer Tubist Philipp Umschlag (links) bei dem Versuch im Sommer, auch einem Schotten das Tuba-Spiel beizubringen.

Das war alles nicht das Ihre. Sie entschied sich für die Bläserklasse. „Ich habe die Tuba in die Hand genommen, hineingeblasen und sofort ist ein Ton herausgekommen!“ Sehr zur Begeisterung ihres Lehrers Bernhard Schuder, der gleich ihr Talent erkannt hatte. „Das bleibt“, soll er gesagt haben. Das habe sie gleich total inspiriert. „Obwohl ich bis dahin keine Noten lesen konnte!“

In den ersten Jahren zwei Stunden am Tag geübt

Zwei Jahre lang spielt die 12-Jährige nun schon die Tuba. Ein bis zwei Stunden hat sie anfangs pro Tag geübt. Ihr erstes Stück, daran erinnert sie sich noch genau, war „School Spiritis“. Sie wurde immer besser, ist mittlerweile nicht nur Mitglied des Bläserensembles an der Schule, das der Neumarkter Sepp Eibelsgruber leitet, sondern auch Big-Band-Mitglied. Bei den Hofmarkmusikanten in Egglkofen ist sie außerdem regelmäßig in der Probe. Gängige Stücke kann sie immer schneller spielen. Ein Stück vom Blatt frei weg zu intonieren, das sei ausbaufähig, sagt Angerer. „Wenn zu viele Vorzeichen auf dem Notenblatt stehen, das ist nicht so meine Stärke!“

„Du brauchst mehr Luft und auch mehr Schmalz“, Markus Mayer muss nicht lange überlegen, wenn er die Voraussetzungen aufzählt, die zum Spielen einer Tuba nötig sind. Mit „mehr Schmalz“ meint der Oberbergkirchener die Kraft in den Armen. Denn das tiefe Register kann schon mal zwischen sieben und zwölf Kilogramm wiegen. Das geht in die Arme, weiß auch der Oberbergkirchener, der – auf gut bayerisch erklärt – das verkörpert, was man als gestandenes Mannsbild bezeichnen würde.

Mayer braucht keinen Tragegurt

Das Gewicht könne man mit einem Gurt abfangen, doch einen solchen braucht Mayer nicht. „Den hab ich ausprobiert, aber nie so einstellen können, dass es mit getaugt hätte!“ Also marschiert er ohne, selbst wenn sich ein Wiesnauszug, wie beim Münchner Oktoberfest, auf sechs, sieben Kilometer hinzieht.

Von der Posaune zur Tuba

Mayer ist ein Purist in Sachen Tuba, quasi über den zweiten Bildungsweg hat er das Tubaspiel erlernt. „Denn eigentlich hab ich Hörndl und Posaune gelernt.“ Dass er aber mittlerweile nur noch Tuba spielt, läge an seinem damaligen Musiklehrer Sepp Eibelsgruber. „Der hat gesagt. Wenn ich jetzt auch noch Tuba spielen könnte, dann wäre ich ein gefragter Mensch!“ Also hat er sich eine Tuba vom „Musemoaster“ ausgeliehen und am Benefizkonzert im Jahr 2004 für den Circus Renz mit allen drei Instrumenten gespielt.

Von Kindesbeinen an mit Leib und Seele ein Musikant bei den Oberbergkirchner Musikanten. Markus Mayer bläst nicht nur die Tuba, sondern ist auch Vorsitzender des Vereins.

Bei der Tuba ist er hängengeblieben, wohl wissend, dass man für so ein Schwergewicht zwischen 7.000 und 13.000 Euro ausgeben kann. „Und man muss natürlich schauen, dass man das richtige Fahrzeug daheim hat. Eines, in das der Tuba-Koffer passt.“ Als er einst den Audi A4 von seinem Spezl Hansi abgekauft hatte, wusste er bereits, dass das Auto ideal sei. „Ich bin ja oft genug mitgefahren!“

Wenn er zu viel improvisiert, schimpft der Dirigent

Unterschiedliche Töne auf die Zählzeit Eins und Drei, beziehungsweise auf die Zwei und die Vier. Ist das nicht fad? „Im Bierzelt kann es mitunter langweilig sein, weil es etwas eintönig ist“, gibt Mayer zu. Er würde in solchen Fällen improvisieren, „was allerdings auch nicht jeder Dirigent mag, dann wird dann schon mal geschimpft, wenn man es übertreibt!“ Doch das habe nachgelassen, mit dem Älterwerden werde man schließlich auch vernünftiger. Gemütliche Polkas mag er, zwischendrin mal den „Tuba-Wahnsinn“.

In Altmühldorfs Jugendkapelle kann sich Dirigent Josef Terre ebenfalls nicht über Tubisten-Mangel beschweren. Philipp Umschlag glänzte schon einige Male mit einem Solo beim alljährlichen Neujahrskonzert am 5. Januar. Ihm steht eine junge Frau als Tubistin zur Seite.

Bläst also nicht mehr der Huber die Tuba, sondern im übertragenen Sinne nun auch die Huberin? „Absolut!“, sagt dazu Musemoaster Eibelsgruber. Die Tuba sei schon lange keine Männerdomäne mehr. Und er kann einen Vorteil darin erkennen, dass zunehmend Damen die Tuba spielen: „Ihnen fehlt zwar etwas die Kraft, um das Instrument länger zu halten. Aber Frauen sind grundsätzlich zielstrebiger als die Burschen“, weiß der Musemoaster.

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