Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nach langer Sommernacht

Laut statt gmiadlich: Mega-Party reißt Neumarkter aus dem Schlaf – so reagiert das Rathaus

Es ging heiß her bei der „Summernight“ von G‘miadlichkeit. Die Anwohner wundern sich allerdings, warum die Veranstaltung bis 2.30 Uhr erlaubt war. Einige ältere Neumarkter wurden durch die laute Musik um ihren Schlaf gebracht.
+
Es ging heiß her bei der „Summernight“ von „G‘miadlichkeit“. Die Anwohner wundern sich allerdings, warum die Veranstaltung bis 2.30 Uhr erlaubt war. Einige ältere Neumarkter wurden durch die laute Musik um ihren Schlaf gebracht.

Wenn aus einer lauen Sommernacht eine laute Sommernacht wird: Die „Neumarkter G‘miadlichkeit“ hatte zur „Summernight“ geladen, viele kamen und feierten bis spät in die Nacht. So laut, dass Anwohner um ihren Schlaf gebracht wurden. So reagieren Rathaus und Veranstalter auf die Beschwerden.

Neumarkt-St. Veit – Es war die Party des Jahres in Neumarkt-St. Veit. „Summernight meets G‘miadlichkeit 2025“ – so hatte der junge Verein in Neumarkt-St. Veit seine Sommerfete Anfang August beworben. Eine mächtige Konzertbühne hatten viele fleißige Hände aufgebaut, ein Event auf die Beine gestellt, wie man es selten in Neumarkt-St. Veit erlebt. Und Hunderte Besucher waren gekommen, weil der Verein „G‘miadlichkeit“ keine geringeren als das bekannte DJ-Duo „2 Engel und Charlie“ an die Plattenteller holen konnte.

Veranstaltungsende war so genehmigt

Alles in allem also ein gelungenes Fest. Doch Tage später herrscht plötzlich Katerstimmung. Denn wenige Tage nach dem Mega-Ereignis auf dem Gelände der Fahrschule Wöss in Neumarkt-St. Veit meldet sich ein Anwohner aus Neumarkt-St. Veit. Schon über 80 Jahre alt, freundlich am Telefon, niemand, der sich etwa lauthals beschwert. Aber ungewöhnlich findet er es schon, dass die Musik so laut gewesen sei. Und das bis spät in die Nacht.

Bass-Wummern bis weit nach Mitternacht

„Es war für die Teilnehmer sicher ein gelungenes Fest. Wenn aber eine als G‘miadlichkeit angekündigte Veranstaltung zu einer lautstarken Disko ausartet, ist das für die umliegenden Einwohner nicht mehr tragbar“, meint der betagte Neumarkter, der in der sogenannten Dichtersiedlung entlang der Elsenbacher Straße wohnt. „Besonders wenn das Bass-Wummern bis weit nach Mitternacht, circa 2.30 Uhr andauert.“

Nur mit Ohropax einschlafen können

Er habe bei der Berichterstattung zum Fest vermisst, dass die Anwohner nicht berücksichtigt worden seien. Jedenfalls habe er nur mit geschlossenem Fenster und Ohropax, und dann auch erst spät einschlafen können.

Haben die Veranstalter über die Stränge geschlagen? Über das erlaubte Maß hinaus, ihre Bässe durch Neumarkt-St. Veit geschickt? Keinesfalls, bestätigt die Stadt Neumarkt-St. Veit auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen. Tatsächlich seien Musik und Ausschank bis 2.30 Uhr genehmigt gewesen, wie Lea Mösl aus dem Ordnungsamt bestätigt.

Konkreter wird Bürgermeister Erwin Baumgartner (UWG). Das Veranstaltungsende sei mit 3 Uhr im Genehmigungsbescheid festgehalten worden. Zu den Beschwerden sagt Baumgartner, dass es keine zehn gewesen seien, die sich im Rathaus gemeldet hätten.

DJs, die man kennt: „2 Engel und Charlie“ sorgten für eine stimmungsvolle Sommernacht in Neumarkt-St. Veit.

Es gelten unterschiedliche Immissionswerte

Im Rahmen der Auflagen, erklärt Baumgartner, sei genau festgelegt, wie laut die Musik sein durfte, um für Anwohner nicht störend zu wirken. Die Grenze der Belastbarkeit sei tagsüber bei 70 Dezibel, zwischen 23 und 6 Uhr lediglich 40 Dezibel, in Mischgebieten 45 Dezibel (siehe Kasten unten).

Stadt hat Stellungnahme angefordert

Ob die Musik diese Schallmauer überschritten haben könnte, gelte es nun zu klären, so Baumgartner weiter. Die Verwaltung habe bereits Kontakt mit den Veranstaltern aufgenommen und diese um eine Stellungnahme gebeten.

„Sobald diese vorliegt, werden wir diese beraten“, sagt Baumgartner, der den Stadtrat einbinden möchte. Dies soll dazu beitragen, zukünftig solche Veranstaltungen mit Augenmaß zu behandeln.

Baumgartner selbst sieht die Beschwerden gelassen. Schließlich habe er nichts dagegen, wenn die jungen Leute feiern. Gerne auch bis spät in die Nacht. Aber Auflagen sollten eingehalten, Belästigungen vermieden werden. „Möglicherweise hätte man die Bühne beziehungsweise die Boxen Richtung Norden ausrichten sollen. So aber ist die Beschallung Richtung Siedlung erfolgt“, so Baumgartner.

Dass die Stadt das Ende der Veranstaltung so großzügig terminiert hatte, bedauert er nicht. „Jeder Antrag auf Gaststättengestattung geht vor unserer Genehmigung auch an Landratsamt und Polizei. Hier ist keine gegenteilige Meinung zurückgekommen.“ Der formelle Weg der Vorabbeteiligung sei eingehalten worden. Aber klar sei auch: Man werde aus den Erfahrungen seine Lehren ziehen und Auflagen gegebenenfalls anpassen müssen.

Bedauern für vereinzelte Ruhestörung

„Sollten sich vereinzelt Anwohner in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt haben, bedauern wir dies sehr“, teilt der Vorsitzende von „G‘miadlichkeit“, Johannes Heimerl, auf Nachfrage der OVB Heimatzeitungen mit. Laut Genehmigungsbescheid der Stadt Neumarkt-St. Veit sei es erlaubt gewesen, musikalische Darbietungen bis 2.30 Uhr durchzuführen. „Diese Vorgabe hielten wir strikt ein!“ Der gebuchte Sicherheitsdienst habe das Gelände bis 3 Uhr geräumt.

Heimerl betont: „Die Einhaltung der vorgegebenen Auflagen ist uns ein großes Anliegen, welches wir stets verfolgen, um den Besucher sowie den Anwohnern einen unbeschwerten Abend zu bereiten.“ Eine entsprechende Stellungnahme an die Stadt Neumarkt-St. Veit soll zu gegebener Zeit erfolgen, aktuell befindet sich Heimerl im Urlaub.

So steht es in den Auflagen zur Gestattung eines vorübergehenden Gaststättenbetriebes

Die Immissionen dürfen die zulässigen Richtwerte in Höhe von maximal 70 Dezibel (dB) tagsüber (6 bis 20 Uhr) nicht überschreiten. 65 dB sind zu den Ruhezeiten von 20 bis 22 Uhr beziehungsweise 55 dB zu den Ruhezeiten von 22 bis 23 Uhr einzuhalten. In Misch- und Dorfgebieten dürfen ab 23 Uhr (bis 6 Uhr morgens) nur noch maximal 45 dB Lärm erzeugt werden, in Wohngebieten sogar nur noch bis zu 40 dB. Im Gesetz ist geregelt, dass „kurzfristige Geräuschspitzen“ die Immissionsrichtwerte tagsüber (6 bis 22 Uhr) um nicht mehr als 20 DB und nachts um nicht mehr als 10 dB überschreiten dürfen. 

Soweit Beschallungsanlagen Verwendung finden, seien die einzelnen Lautsprecher so anzubringen, dass die Abstrahlrichtung möglichst immer von der Wohnbebauung abgewandt ist. Weiter heißt es in den Auflagen: „Eine möglichst hohe Anzahl von Lautsprechern mit niedriger Ausgangsleistung ist der Verwendung weniger Geräte mit hoher Leistung vorzuziehen.“

Sind Belästigungen für die Nachbarschaft zu erwarten, muss dies der Veranstalter vor Aufnahme des Gaststättenbetriebes durch eine Fachfirma überprüfen lassen. „Soweit dies anderweitig nicht gewährleistet werden kann, ist die Ausgangslautstärke von Lautsprechern durch den Einbau von Lautstärkebegrenzern zu reduzieren“.

Sicherheit der beiden Künstler berücksichtigt

Zur Frage nach der Ausrichtung der Bühne erklärt die Vorstandschaft: „Um einen sicheren Aufenthalt unserer gebuchten Künstler zu gewährleisten, war es geboten, die Bühne in südliche Richtung auszurichten.“

70 Mitglieder haben fleißig mit angepackt

Bereits im vergangenen Jahr habe ein Planungsstab seine Arbeit zur Vorbereitung der „Summernight“ aufgenommen. Circa 70 Mitglieder sowie ortsansässige Unternehmen hätten ihren Beitrag geleistet, das Event erfolgreich zu organisieren und durchzuführen. „Erfolgreich durchgeführte Events sollten ehrenamtliche Vereine aller Art dazu motivieren, erneut Veranstaltungen zu planen, um das kulturelle Leben einer Gemeinde zu bereichern“, findet Heimerl.

Die „Neumarkter G‘miadlichkeit“ werde nicht müde werden, den Einwohnern Neumarkts Abwechslungen zum Alltag anzubieten. In welcher Form und Größenordnung so etwas künftig stattfinden wird, könne aktuell nicht beantwortet werden. Die Anstrengungen des Vereins konzentrieren sich jetzt auf die Christbaumversteigerung Ende des Jahres.

Verein schreibt 364 Tage im Jahr „G‘miadlichkeit“ groß

Dass es Beschwerden geben könnte, damit hatten die Veranstalter offensichtlich schon nach dem Fest gerechnet. In ihrem Facebook-Post bedankte sich die Führungsspitze von „G‘miadlichkeit“ bei allen Unterstützern, vergaß dabei aber auch die Anwohner nicht: „P.S. an alle, welche sich in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt haben: Keine Angst, wir schreiben „G‘miadlichkeit“ die anderen 364 Tage weiterhin groß, sind aber dennoch der Meinung, dass es einmal im Jahr etwas lauter werden darf. Gerne dürft ihr uns künftig selbst ansprechen, bevor ihr euch bei Gemeinde und Polizei beschwert.“

Kommentare