Das Geschäft mit dem Wind
Sind Windräder im Landkreis Mühldorf sinnvoll? Ein Pionier spricht über 25 Jahre Erfahrung
Martin Brunnmeier ist so etwas wie ein Pionier in der Region. 1997 war er einer der ersten Energiewirte, die ein Windrad errichtet haben. Über 25 Jahre lang hat er drei Windkraftanlagen rund um Gangkofen betrieben und den Strom verkauft. Hat es sich rentiert? Ein Fazit.
Neumarkt-St. Veit/Gangkofen – Bei besonders guter Sicht kann man die Rotorblätter von der Ludwigshöhe bei Neumarkt-St. Veit aus sehen. Die Rede ist von den Windanlagen, die der Gangkofener Martin Brunnmeier an der nördlichen Landkreisgrenze von Mühldorf errichtet hat. 1997 hat der Windkraft-Pionier sein erstes Windrad in Spitzgrub bei Gangkofen gebaut, zwei weitere folgten. Über 25 Jahre laufen die drei Windräder rund um Gangkofen bereits, ursprünglich betrieben von zwei Gesellschaften mit 154 Gesellschaftern. 2020 wurde der Verkauf der Anlagen beschlossen. Seitdem sind die Windkraftanlagen in rumänischer Hand.
1994 ist er neugierig geworden
Die Neugier auf die Windenergie war bei dem Gangkofener bereits drei Jahre früher geweckt worden, wie er heute erzählt. Ende 1994 sei er durch einen Zeitungsartikel auf eine Windkraftanlage aufmerksam geworden, die damals noch mit einem Rotordurchmesser von 24 Metern in Bayern errichtet worden sei. Über den Bund Naturschutz in Gangkofen sei man dann ins Gespräch gekommen, sofort hätten sich Mitstreiter gefunden, um ein Projekt in der Region um Gangkofen in die Tat umzusetzen.
Windmessungen und entsprechende Gutachten hätten dann ergeben, dass in Spitzgrub ein rentabler Betrieb eines Windrades möglich sei. Danach sei alles ganz schnell gegangen. Nachdem Marktgemeinde, Landratsamt, der regionale Planungsverband und auch die Regierung von Niederbayern grünes Licht gegeben hatte, lag bereits im Januar 1997 die Baugenehmigung vor.
Nicht nur die Behörden waren schnell: Die Planer hatten zahlreiche Veranstaltungen organisiert, um über ihr Projekt zu informieren. Schließlich seien es 49 Gesellschafter gewesen, die sich am Projekt beteiligt haben. Der Rest, eine knappe halbe Million Euro, habe die Volksbank finanziert, berichtet Brunnmeier.
1997 stand die erste Anlage
Am 10. Oktober 1997 ging diese erste Anlage in Betrieb: Mit 44 Metern Rotordurchmesser, 65 Metern Nabenhöhe, 87 Metern Gesamthöhe und 500 Kilowatt Leistung. „Und sie erzeugt immer noch fleißig Strom“, weiß Brunnmeier. Wieviel genau, darüber gibt der Energie-Atlas Bayern Aufschluss. Demnach sind 2023 knapp 380.733 Kilowattstunden Strom erzeugt worden, 761 Voll-Laststunden wurden im Jahr 2023 dokumentiert.
Parallel zum Standort in Spitzgrub hat Brunnmeiers Firma, die Regenerative Energien Gangkofen GmbH (R.E.G.) bereits den Standort in Saxenmacherlhöh entwickelt. Der liegt bei Dirnaich hinter der Landkreisgrenze zu Landshut, diese Windräder sieht man auch von Neumarkt-St. Veit aus. Zwei Anlagen befinden sich in diesem Energiepark, der seit Dezember 1998 Strom produziert und den 105 Gesellschafter mitfinanziert hatten. Rund 662.000 Kilowattstunden Strom hat der Park im Jahr 2022 erzeugt. Im Jahr darauf waren es sogar 713.000 Kilowattstunden.
Anfangs noch fürstlich vergütet
Anfangs sei dies noch fürstlich vergütet worden. Ähnlich wie Photovoltaikstrom mit 22 Cent pro Kilowattstunde. Man habe sogar den Bau weiterer Anlagen geplant. Doch mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz von 2002 seien diese Pläne wieder in den Schubladen gelandet. „Denn dieses Gesetz sah für alle Anlagen, also auch bestehende, noch nur eine Vergütung von 9,1 Cent pro Kilowattstunde vor. Und das für die Dauer von 20 Jahren!“
Die Anlagen seien gut gelaufen, hätten bis dahin zuverlässig sauberen Strom erzeugt. „Und wir hätten die Anlagen auch weiter betreiben könne, wenn die Regierung Merkel rechtzeitig für eine Anschlussvergütung nach den 20 Jahren gekümmert hatten. Dies aber sei ausgeblieben, die Vergütung wäre auf 4 Cent gefallen, so Brunnmeier. „Der Weiterbetrieb wäre unrentabel geworden. 2020 sei dann der Verkauf der Anlagen an eine rumänische Firma beschlossen worden.
Der Plan sah vor, die Anlagen nach Rumänien zu versetzen. Doch kaum waren die Kaufverträge geschlossen, da brach in der Ukraine der Krieg aus. „Die Energiepreise stiegen rasant an. So stark, dass sich plötzlich ein Weiterbetrieb wieder rechnete.“ Und so liefern die Anlagen auch heute noch Strom an die Stadtwerke Vilsbiburg, „nur leider für die neuen Besitzer aus Rumänien!“ 2023 sei dann das Ende der R.E.G. besiegelt worden.
Mit den Werten von damals wären wir binnen kürzester Zeit bankrott gewesen!
Würde er heute nochmal ein solches Risiko eingehen, Windräder bauen, in der Hoffnung auf gute Renditen? „Ich denke, mir wäre das Risiko zu groß bei einer Investitionssumme von mittlerweile acht Millionen Euro“, sagt Brunnmeier dazu. Ein Grund sei, dass der Wind zu schwach sei. Er belegt das an den Stromerträgen der vergangenen Jahre. „Die windschwächsten Jahre waren die letzten fünf“, erklärt der Gangkofener. „Wenn wir mit diesen Werten damals begonnen hätten, wären wir binnen kürzester Zeit Konkurs gegangen!“
30 windstarke Tage produzieren die Hälfte des Jahresstroms
Er nennt den Klimawandel als Hauptschuldigen. Dieser schwäche den Jetstream in acht bis zwölf Kilometern Höhe und damit auch die Windgeschwindigkeiten in tieferen Lagen. Früher hätten 30 windstarke Tage pro Jahr gereicht, um die Hälfte des Jahresertrags zu bringen. „Doch heute sind die Herbststürme völlig vorbei. Stattdessen gebe es in der Zeit zwischen Dezember und April Winterstürme. Juli und August würden hingegen kaum Erträge bringen.
Wenigstens ist die 10-H-Regel gekippt worden
Darüber hinaus seien es die überbordende Bürokratie und die Auflagen, die den Betrieb von Windanlagen hemmen würden. Dass die 10-H-Regel in Bayern mittlerweile gekippt worden sei, bezeichnet er als richtig, aber dafür seien anderen Hürden hinzugekommen. Bei der „Abschaltung bei Fledermausflug“ handelt es sich um einen Schutzmechanismus für Fledermäuse, bei dem Windenergieanlagen gestoppt oder verlangsamt werden, um Kollisionen zu verhindern. Diese Abschaltungen erfolgen meist nachts und werden durch Forschungsergebnisse und Monitoring-Daten gesteuert.
Es gibt eine „Schattenwurfabschaltung“, ein automatisches System für Windenergieanlagen, das die Anlage stoppt, wenn deren Schattenwurf schutzbedürftige Orten wie Wohnhäuser beeinträchtigt. Eine bedarfsgerechte Nachtbefeuerung kann gleich mal 30.000 Euro kosten, weiß Brunnmeier. Sie soll Flugzeuge oder Rettungshubschrauber warnen.
Digitale Angriffe auf Anlagen nicht ausgeschlossen
Aktuell beschäftigt die Energiewirte die Cybersicherheit. Da die Anlagen zunehmend vernetzt sind, können diese auch Ziele für Cyberangriffe darstellen, die wiederum die Energieversorgung und den Geschäftsbetrieb gefährden können. „Das ist die neueste Drangsalierung!“, findet Brunnmeier, der nicht glaubt, dass die Energiewende funktionieren kann, wenn man sich alleine auf Photovoltaik und Wind stütze. „Die angestrebte Klimaneutralität im Jahr 2040 kann zwar zum großen Teil von Solar und Wind abgedeckt werden. Doch ich weiß nicht, woher die verbleibenden 30 Prozent kommen sollen.“

