Immer mehr Unfälle mit E-Fahrzeugen
Wie löscht man ein E-Auto? So meistern Mühldorfs Feuerwehren diese brenzlige Aufgabe
Die Anzahl der vollelektrischen Fahrzeuge auf den Straßen steigt auch im Landkreis Mühldorf von Monat zu Monat und damit auch die Zahl der Unfälle mit E-Autos. Steckerziehen allein reicht da nicht. Das stellt die Einsatzkräfte vor neue Herausforderungen.
Mühldorf - Das große Unbekannte ist es, das den Feuerwehrleuten im Umgang mit Unfällen von E-Autos oftmals auch Angst macht. Wie muss ich mich beim Brand eines E-Autos verhalten, welche Gefahren kommen auf mich zu, wo kann ich ansetzen, damit ich die Situation schnell und vor allem ohne Gefährdung für mich selbst in den Griff bekomme?
Fragen über Fragen, die – glaubt man den Instruktoren Daniel Rothmaier und Christian Kern von Q4Flo – in den herkömmlichen Unfallverhütungsvorschriften nicht ausreichend geklärt werden. „Die Einsatzkräfte brauchen dazu, bildlich gesprochen, das passende Handwerkszeug. Mit Steckerziehen alleine ist es hier nicht getan“, sagt Daniel Rothmaier. Die beiden Ingenieure haben ein Konzept entwickelt, mit dem sie Feuerwehrkräfte für derartige Einsätze qualifizieren und ihnen damit auch ein Stück weit die Angst vor diesen Einsätzen nehmen. Sie bieten Schulungen sowohl in der Theorie als auch in der Praxis an. Feuerwehrspezifisch und praxisnah, so wie am Wochenende auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf.
Kommandanten mit Begeisterung dabei
Die Initiative für die Übung ging von Mößlings Kommandant Michael Jäkel aus, der auf diese in Deutschland bisher einzigartige Schulungsmethode durch einen Beitrag im Bayrischen Fernsehen aufmerksam wurde. Seine Kollegen von der Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf, Martin Strasser, und von der Freiwilligen Feuerwehr Altmühldorf, Thomas Mertl, waren sofort bereit, hier mitzumachen.
Dazu erklärt Michael Jäkel: „In Zukunft wird uns diese Aufgabe mit zunehmender Anzahl der E-Autos immer häufiger fordern. Mit dieser Qualifizierung wird unserer Einsatztruppe die Angst vor einer unbekannten Gefahr durch die Hochvolt-Technik genommen“. Und, so ergänzt Martin Strasser: „Das Thema Akku in Flammen tangiert uns ja auch bei anderen Einsätzen, wie zum Beispiel bei Stromspeichern von Photovoltaikanlagen oder den immer mehr installierten Balkonkraftwerken.“
Reales Übungsszenario kommt gut an
Um hier realitätsnah üben zu können, haben Kern und Rothmaier ein Fahrzeug entwickelt, mit dem sie jedes Szenario darstellen können, ohne dass dabei tatsächliche Gefahr für die Einsatzkräfte entsteht. Rauch, Geruch, Temperatur und Geräusche sind wirklichkeitsgetreu, wie bei einem tatsächlichen Fahrzeugbrand eines E-Autos. Eine Entwicklung, die mittlerweile auch patentiert wurde. Deutschlandweit wurden mit den drei vorhandenen Fahrzeugen bis dato über 8000 Einsatzkräfte geschult. Die Resonanz auf Seiten der Aktiven ist durchwegs positiv.
E-Fahrzeug an Ladestation im Vollbrand
„E-Fahrzeug an Ladestation im Vollbrand“ - so lautete die Einsatzbeschreibung, die am Vormittag und Nachmittag in drei Gruppen abgearbeitet wurde. Dabei galt es das Feuer entsprechend zu löschen, die Temperatur der Batterie zu senken und zu kontrollieren und die Stromzufuhr aus der Ladestation zu unterbinden.
Eine Übung, die im Anschluss bei einer Nachbesprechung mit den Instruktoren detailliert analysiert wurde und die bei allen Einsatzkräften mit großem Engagement abgearbeitet wurde. Schließlich wird es immer häufiger zu solch einem Ernstfall kommen und dann heißt es, richtig zu handeln und sein eigenes und das Leben anderer zu schützen.

