Patientenströme steuern
„5 Euro beim Hausarzt“ – Peter Wapler will Kontaktgebühr mit Schutz für Schwächere
5 Euro pro Besuch – so könnte laut Hausarzt Peter Wapler die viel diskutierte Kontaktgebühr aussehen, die Patientenströme lenken soll. Damit die Idee nicht unsozial gerät, fordert der Mühldorfer Ausnahmen: Wer wenig verdient oder chronisch krank ist, soll das Geld von der Kasse erstattet bekommen.
Mühldorf — Der Arbeitgeberverband will unnötige Arztbesuche erschweren und damit Kassen entlasten: mit einer Kontaktgebühr, die Ärzte-Hopping eindämmt. Patienten, die wegen desselben Problems unnötigerweise verschiedene Ärzte aufsuchen, würden durch eine Kontaktgebühr ausgebremst werden, sagte kürzlich Steffen Kampeter, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands BDA in einem Podcast.
Sein Vorschlag bekam viel Gegenwind vom Hausärzteverband, der Deutschen Stiftung Patientenschutz, der Gewerkschaft Verdi und aus der CSU. Aber auch Zustimmung - etwa durch den Mühldorfer Hausarzt Peter Wapler.
„Eine Kontaktgebühr brauchen wir unbedingt, sie führt zu einer gewissen Steuerung“, betont Wapler. Es dürfe keine Gebühr sein, die die Hausärzte quartalsweise für die Kassen einsammeln und weiterleiten, wie einst bei der Praxisgebühr. „Das war ein Riesen Chaos und bürokratischer Aufwand“, so Wapler.
Norwegisches Modell
Der 58-Jährige findet, die Gebühr soll sich nur zwischen Hausarzt und Patient abspielen und beispielsweise pro Praxisbesuch 5 Euro betragen und Teil der Einnahme des Hausarztes sein. „So kenne ich das aus Norwegen, wo ich sechs Jahre praktiziert habe.“
Hintergrund von Kampeters (BDA) Anregung sind Finanzprobleme der gesetzlichen Krankenversicherer. „Wir Arbeitgeber wollen, dass die Krankenversicherungsbeiträge endlich stabil werden“, sagte er bei seinem Vorstoß.
Der Druck auf die Kassen resultiert aus steigenden Ausgaben für medizinische Leistungen wie Krankenhausaufenthalte, Medikamente und Pflege, dem demografischen Wandel mit zunehmendem Behandlungsbedarf bei Älteren und chronisch Kranken sowie ineffizienten Systemen. Auch Inflation und Personalkosten spielen eine Rolle.
Im Bericht zur Finanzentwicklung der GKV (Gesetzlichen Krankenversicherung), den das Bundesministerium für Gesundheit im Juni 2025 veröffentlicht hat, wird deutlich, dass die Ausgaben wieder deutlich stärker als die Einnahmen gewachsen sind. „Das erhöht den Druck auf die Zusatzbeiträge mit Blick auf das kommende Jahr und unterstreicht den Handlungsbedarf: Zur Stabilisierung der GKV-Finanzen ist ein Paket aus kurzfristigen Maßnahmen sowie strukturellen Reformen erforderlich“, heißt es aus dem Ministerium.
„Unsoziale Forderung“
Tiefgreifende Reformen brauchen Zeit, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen - wie beispielsweise ein höherer Beitrag oder eine Eigenbeteiligung der Patienten - sind unpopulär. Der Hausärzteverband hält eine Kontaktgebühr, die bei jedem Arztbesuch gezahlt werden muss, für „unsozial“, fürchtet gar, dass sie in bestimmten Fällen zwingend notwendige Arztbesuche verhindern.
Hier hat Peter Wapler, der auch Lehrarzt und Lehrbeauftragter an der TU München ist, Vorschläge: Bei Einführung einer Kontaktgebühr müsste der Beitragssatz zur Krankenversicherung reduziert werden.
„5 Euro als Kontaktgebühr wären ein kleiner Betrag, den man sich leisten kann. Einkommensschwache könnten sich den Betrag von der Kasse erstatten lassen. Oder chronisch Erkrankte - das wäre alles regelbar“, so der Mühldorfer Hausarzt.
Eine Kontaktgebühr steuere seiner Einschätzung nach den Patientenstrom in gewisser Weise. „Menschen, die gerade in der Stadt sind und spontan in die Praxis kommen und sagen: ,Könnten Sie mal auf diesen roten Punkt schauen an meinem Arm?‘, die kommen dann nicht. Sie lassen eher ein paar Sachen zusammenkommen und dann ist das in der Praxis besser steuerbar“, sagt Wapler. Vor dem Hintergrund vieler überlasteter Hausarztpraxen und der Nachwuchsprobleme in dem Bereich, sollte man sich das überlegen.
Wapler sagt, die Gebühren sollte es nur beim Hausarzt geben und der leitet seine Patienten - je nach Diagnose - weiter zu den Fachärzten. „Bei ihm laufen die Fäden zusammen, er hat die Übersicht und steuert die Patienten. Wir brauchen ein Primärarztsystem - wie in Skandinavien“, ist Wapler überzeugt.
Selbstbeteiligungsmodelle sollten kein Tabu sein
Hier ist er auf einer Linie mit dem Hausärzteverband und der KBV. Sich mit dem Thema Patientensteuerung zu beschäftigen sei richtig und notwendig. „Aber in dem Sinne, die Menschen dorthin zu bringen, wo sie richtigerweise mit ihrem gesundheitlichen Anliegen hingehören“, sagte Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) dem Deutschen Ärzteblatt.
Grundlage dafür müsse die medizinische Notwendigkeit sein. Natürlich müsse darüber nachgedacht werden, ob diejenigen, die sich partout nicht steuern lassen wollten und die selber in jedem Fall frei wählen wollten, etwa einen etwas höheren Krankenkassentarif leisten müssten. Generell sollten „Selbstbeteiligungsmodelle kein Tabu sein.“
