Jugendparlament engagieret sich
10.000 Kippen in vier Stunden: Mühldorfer Jugend macht ernst beim Umweltschutz
Mit einer Sammelaktion und Infoständen zeigten Jugendparlament und Plogger, wie Müllvermeidung funktionieren kann – und sammelten Tausende Kippen.
Mühldorf – Wie erreicht man diejenigen, die sich kaum für Umweltschutz interessieren? Das Jugendparlament (JuPa) Mühldorf hat darauf eine klare Antwort gefunden: mit Aktionen, die sichtbar, anfassbar und gemeinschaftlich sind. In diesem Jahr drehte sich alles um das Thema Müllvermeidung – umgesetzt gemeinsam mit den Profis der Plogging-Gruppe Mühldorf.
Informiert und selbst Hand angelegt
Auf dem Stadtplatz informierten die jungen Leute an Ständen über nachhaltiges Leben, verteilten Blumensamen, Taschenaschenbecher und Bio-Äpfel und luden Passanten zum Mitmachen ein. Gleichzeitig griffen sie selbst zu Greifzangen und Eimern, um achtlos weggeworfenen Müll einzusammeln. Unterstützt wurden sie dabei von der stellvertretenden Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag (CSU), den Stadträten und Bürgermeisterkandidaten Stefan Lasner (CSU) und Claudia Hungerhuber (SPD). Ausgestattet mit Warnwesten machten auch sie die ernüchternde Erfahrung: Kippen, Plastik und Verpackungen liegen trotz zahlreicher Mülleimer überall herum.
„Es ist wirklich unverständlich, warum Menschen Abfall einfach fallen lassen, obwohl Entsorgungsmöglichkeiten da sind“, sagte Preisinger-Sontag. Für sie sei Umweltschutz privat wie politisch ein wichtiges Thema. Umso mehr lobte sie das Engagement des JuPa und der Plogging-Gruppe. „Das ist eine richtig tolle Aktion, die uns allen die Augen öffnet.“
Dass Zigarettenstummel mehr als nur ein optisches Ärgernis sind, machte die Plogging-Gruppe deutlich: Die Filter enthalten Schadstoffe, die ins Grundwasser gelangen und Flüsse belasten können. Bußgelder für das Wegwerfen von Kippen sind in manchen Städten bereits Realität – ob auch Mühldorf diesen Schritt geht, ist offen.
Bewusstsein schaffen
Für das Jugendparlament war der Aktionstag mehr als nur ein Aufräumen. „Wir wollen Bewusstsein schaffen und zeigen, was man gemeinsam bewegen kann“, erklärte Vorsitzender Linus Spörl (21). Seit fünf Jahren engagiert er sich im JuPa, seit diesem Jahr als Vorsitzender. Ihm ist wichtig, dass die Jugend sowohl politisch als auch ökologisch Verantwortung übernimmt. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns nicht nur Umweltschutz, sondern auch, junge Menschen politisch einzubinden.“
Spontan mitgemacht
Neben ihm waren Hauptorganisator Maximilian Schuster (21), Jugendrätin Momo Denzer (21), Elias Hentschel (19) und Amelie Keitzl aktiv. Viele Passanten blieben neugierig stehen, informierten sich und manche packten sogar spontan mit an – darunter auch Danny Beuerbach mit seiner fünfjährigen Tochter Coco. „Eigentlich wollten wir frühstücken gehen. Aber dann sahen wir die Aktion und haben sofort mitgemacht“, erzählt er. Für die Familie gehört Müllsammeln zum Alltag: „Wenn wir am Inn oder auf dem Spielplatz unterwegs sind, nehmen wir alles mit, was liegen bleibt.“
Doch nicht alle reagierten positiv. „Der krasseste Kommentar war: ‚Gut, dass es noch Raucher gibt, sonst hättet ihr nichts zu tun‘“, berichtete Robert Müller-Wünsch, der sich mit Ehefrau Birgit und den drei Töchtern bei den Ploggern engagiert. „Manchmal wird man wirklich abfällig behandelt, obwohl man etwas Gutes tut.“ Trotzdem überwiegen für ihn die positiven Erfahrungen. Zahlreiche Passanten bedankten sich, andere halfen spontan.
10.000 Zigarettenkippen
Am Ende stand ein eindrucksvolles Ergebnis: Rund 10.000 Zigarettenkippen und drei Eimer weiterer Müll wurden innerhalb von vier Stunden eingesammelt. Dazu führten JuPa und Plogging-Gruppe eine kleine Umfrage durch – deren Auswertung noch veröffentlicht wird. Das Jugendparlament zieht eine durchweg positive Bilanz. „Es ist schön zu sehen, dass unsere Arbeit ankommt und dass viele Bürgerinnen und Bürger uns unterstützen“, sagt Spörl.
Vermeidung von Wegwerf-Kaffeebechern
Schon jetzt hat das Gremium weitere Projekte in Planung – darunter auch die Idee, einen neuen Anlauf für ein einheitliches Mehrwegsystem wie „Recup“ zur Vermeidung von Wegwerf-Kaffeebechern. Ein erster Versuch war vor drei Jahren noch gescheitert, inzwischen haben sich die gesetzlichen Rahmenbedingungen aber verändert.
Die Botschaft des JuPa ist klar: Umweltschutz geht alle an – und jeder kann sofort damit anfangen. „Wir würden uns freuen, wenn sich noch mehr junge Leute unserem Jugendparlament anschließen. Gemeinsam kann man viel bewegen“, betont Spörl.

