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Prozess vor dem Amtsgericht Mühldorf

„Letzte Chance“, „danach hilft nur noch einsperren!“: Ex-Feuerwehrler beklaut Mößlinger Wehr

FFW Feuerwehr Mößling
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Die Freiwillige Feuerwehr Mößling wurde im März 2025 bestohlen. Jetzt kam es zum Prozess vor dem Amtsgericht Mühldorf.

Ein 20-Jähriger verschaffte sich Zugang bei der Feuerwehr Mößling, klaute Sprit, Getränke und eine Tiefkühlpizza. Welches Detail im Prozess vor dem Amtsgericht Mühldorf die Zuhörer zum Staunen brachte.

Mühldorf – Mit einem Handschlag vor dem Gerichtsgebäude entschuldigte sich ein junger Mann bei den beiden Kommandanten der Mößlinger Feuerwehr. Michael Jäkel und Sebastian Dyrda nahmen die Entschuldigung ihres ehemaligen Kameraden an. Diese Geste setzte für beide Seiten einen Schlussstrich unter einen Vorfall von Anfang des Jahres.

Benzin, Spezi und Pizza geklaut

In aller Früh am 4. März 2025 „bediente“ sich der 20-jährige Mühldorfer ausgerechnet im Gebäude der Freiwilligen Feuerwehr Mößling. Von dort ließ er 40 Liter Benzin sowie sechs Flaschen Spezi und eine Tiefkühlpizza mitgehen, in einem Gesamtwert von rund 80 Euro.

Der junge Mann wurde für diese Tat wegen Diebstahls angeklagt. Auf einer Anklagebank des Amtsgerichts und speziell vor Richter Dr. Christoph Warga nahm er nicht zum ersten Mal Platz, wie sich im Lauf der Verwandlung herausstellte.

Der Dieb war selbst Mitglied der Mößlinger Feuerwehr

Zur Sache äußerte sich seine Verteidigerin, Julia Siegfried. „Es ist zutreffend, dass mein Mandant in dieser Nacht Benzin, Spezi und Pizza an sich genommen hat“, erklärte sie. „Mein Mandant war mit dem Auto unterwegs und blieb mit leerem Tank liegen. Da er längere Zeit aktives Mitglied der Feuerwehr Mößling war, wusste er, dass eine Tür zum Feuerwehrgebäude nicht richtig schloss und leicht aufzudrücken war.“

Am 18. Februar 2025, nur zwei Wochen vor dem Diebstahl in Mößling, waren ihm wegen mehrfachen Diebstahls und Sachbeschädigung vom Mühldorfer Amtsgericht 80 Sozialstunden auferlegt worden, die er erst verspätet antrat. Als Folge musste er im August einen vierwöchigen Dauerarrest in der Jugendarrestanstalt Landshut absitzen. „Da habe ich gelernt, dass Scheiße bauen, Scheiße ist“, erklärte der 20-Jährige vor Gericht. „So kann man’s auch sagen“, kommentierte Warga. Die Verteidigerin betonte, dass wegen guter Führung die Entlassung aus dem Arrest vier Tage früher als geplant erfolgen konnte.

Als Zeuge wurde der stellvertretende Kommandant der Mößlinger Wehr, Sebastian Dyrda befragt, wie der Diebstahl bemerkt wurde. „Schon seit einigen Wochen fehlte immer wieder Benzin, bei einem Einsatzgeländewagen war der Tank fast leer“, berichtete er. „Die Tanks unserer Fahrzeuge müssen für den Einsatzfall immer gefüllt bereitstehen.“ Weil ein leerer Tank im Ernstfall Leben kosten kann, wurde wegen Gefahr in Verzug kurz vor dem 4. März im Feuerwehrhaus eine Kameraüberwachung installiert.

In der Tatnacht schlug Dyrdas Handy, das mit der Kamera gekoppelt ist, Alarm: „Ich konnte sehen, dass eine Person das Gebäude betritt, aber niemanden erkennen.“ Er habe beobachtet, wie diese Person erst einen 20-Liter-Kanister nach draußen getragen und die Tür verkeilt habe und nach kurzer Zeit einen zweiten Kanister geholt hat.

Tür nur mit Chip zu öffnen

Auf Nachfrage des Richters erklärte der Feuerwehrmann, dass die Tür in dieser Nacht verschlossen war und sie sich automatisch verriegelt, wenn sie ins Schloss fällt. Sie sei nur mit einem Chip zu öffnen, über den man auch nachverfolgen kann, wer sie wann geöffnet hat. Zur Tatzeit war keine solche Öffnung auszulesen, der Angeklagte besaß keinen Schlüssel. Vor Ort habe die Polizei keine Einbruchsspuren an der Tür feststellen können, die Tür zog automatisch zu und auch die Öffnung mit dem Chip habe geklappt.

BMW für teure „Spritztour“ geklaut

Richter Warga verlas eine lange Liste von Einträgen in das Erziehungsregister und Straftaten des 20-Jährigen. Versuchte Nötigung, Diebstähle und Sachbeschädigungen. Im September 2023 entwendete er bei einer Firma in Mühldorf einen Winkelschleifer, mit dem er in Begleitung eines Mittäters wenig später bei einem Autoverleih in Mühldorf ein Fenster aufflexte. Dort klauten die beiden 20 Euro aus einem unverschlossenen Tresor, ein Handy und den Schlüssel für einen BMW X6 im Wert von 80.000 Euro. Mit diesem 300 PS-starken SUV bretterten sie rund 500 Kilometer durchs Gelände und richteten an dem Auto einen Schaden von über 28.000 Euro an.

Der Vertreter der Jugendgerichtshilfe schilderte dem Gericht das Heranwachsen des 20-Jährigen unter schwierigen familiären Verhältnissen. Nach erfolgreichem Quali sei sein weiterer Ausbildungsweg ein erfolgloses Auf und Ab gewesen. Er habe unter anderem mit seinen Taten, Handyverträgen und unbezahlten Rechnungen für Online-Einkäufe rund 50.000 Euro Schulden angehäuft. Seit 2017 sei er bei der Feuerwehr Mößling engagiert gewesen, habe aber immer mehr Drogen aller Art konsumiert und deshalb von sich aus nicht mehr an Einsätzen teilgenommen. Bei dem 20-Jährigen sei eine Reifeverzögerung gegeben.

Acht Monate Jugendstrafe für verwerflichen Sprit-Diebstahl

Staatsanwalt Dr. Simon Fink forderte, den Angeklagten wegen Diebstahls schuldig zu sprechen. Der bei der Feuerwehr angerichtete Schaden sei zwar gering, aber er habe zahlreiche einschlägige Vorahndungen angesammelt, eine massive Rückfallgeschwindigkeit an den Tag gelegt und ausgerechnet der Feuerwehr Benzin geklaut. „Dieses Benzin sollte der Allgemeinheit dienen, das hätten Sie als Feuerwehrler erkennen müssen.“

Eine Jugendstrafe von acht Monaten sei angemessen. Sie könne zu einer Bewährung von drei Jahren ausgesetzt werden. „Der Angeklagte hat in der Verhandlung einen guten Eindruck gemacht“, so Fink. „Diese Bewährung ist aber wirklich die allerletzte Chance für Sie!

„Ich will mein Leben ändern“

Die Verteidigerin wies auf die Versuche ihres Mandanten hin, sein Leben etwa mit Schuldnerberatung und der Suche nach einer Lehrstelle wieder in den Griff zu bekommen. Er lebe zudem in einer stabilen Beziehung. Eine Jugendstrafe lehnte sie ab, forderte stattdessen weitere Sozialstunden. Er selbst sagte abschließend: „Es war Scheiße von mir. Ich will mein Leben ändern und ein geregeltes Leben.“

Das Schöffengericht sprach den 20-Jährigen des Diebstahls schuldig und verhängte unter Einbeziehung des Urteils von Februar 2025 eine Jugendstrafe von acht Monaten, zur Bewährung mit einem Bewährungshelfer ausgesetzt. In den nächsten zwei Jahren darf er sich nichts zuschulden kommen lassen. „Diese eine Chance soll es geben“, betonte Richter Warga. Insgesamt 100 Sozialstunden sollen helfen, in eine geregelte Tagesstruktur zu finden.

Der 20-Jährige nahm das Urteil noch im Gerichtssaal mit einem „Jaja“ und Kopfnicken an. Noch einmal appellierte der Richter: „Das jetzt ist die vorletzte Stufe, danach hilft nur noch einsperren!“

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