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Der süßen Versuchung erlegen

Kriminell gute Kuchen: Einbrecherin in Mühldorfer Café fällt über Tortenbüffet her

„Unsere Kuchen sind einfach kriminell gut!“ Angelika Reichgruber nimmt den Einbruch mit Humor. Es ist nichts kaputt gegangen. Es wurden lediglich Torten angeknabbert. Der Schaden: 65 Euro.
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„Unsere Kuchen sind einfach kriminell gut!“ Angelika Reichgruber nimmt den Einbruch mit Humor. Es ist nichts kaputtgegangen. Es wurden lediglich Torten angeknabbert. Der Schaden: 65 Euro.

Die Taschen blieben leer, aber der Blutzuckerspiegel dürfte in die Höhe gegangen sein: Nachdem eine 27-jährige Einbrecherin in einem Mühldorfer Café kein Bargeld gefunden hat, erstickte sie ihren Frust am Kuchenbüffet. Es war nicht der erste Einbruch in dem Café. Zuletzt ging es weniger glimpflich aus.

Mühldorf – „Unsere Kuchen sind einfach kriminell gut!“ Angelika Reichgruber nimmt es mit einem Stück Humor, dass in ihrem Lokal erneut eingebrochen worden ist. „Denn glücklicherweise ist nichts gestohlen und auch kein Schaden hinterlassen worden“, erklärt sie. „Tja, bis auf die Kuchen eben!“

Kirschtorte und Nusscreme statt Geldscheine

Was war passiert? In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch (14. und 15. Oktober) war eine 27-jährige Frau aus Waldkraiburg in das Gebäude an der Nordtangente eingedrungen, hatte sämtliche Schubläden durchsucht und lediglich ein altes Apple-Smartphone ergattert. Quasi im Vorbeigehen hat sie dann noch die Torten schnabuliert, die sie in der Vitrine fand und damit doch noch „abgesahnt“.

„Es handelte sich um eine Pfirsich-Maracuja-Sahne, eine Holländer Kirschtorte und eine Nusscreme“, zählt Geli Reichgruber auf. Die 27-jährige Konditoren-Kriminelle hat dabei offenbar sämtliche Manieren unter den Tisch fallen lassen. „Mit der Hand hat sie sich mundgerechte Stücke rausgeschaufelt!“, wundert sich die Café-Betreiberin nach Begutachtung der zerstörten Torten. „Dabei lagen die Kuchengabeln direkt daneben!“

Es war nicht der erste Einbruch in dem Café

Sie nimmt es mit Humor. Was man auch an den sonstigen Beiträgen auf ihrer Facebook- und Instagram-Seite sieht. Doch eigentlich sollte Geli Reichgruber gerade nicht zum Lachen zumute sein. Denn es ist nicht das erste Mal, dass sich fremde Personen unerlaubterweise Zugang zu ihrem Café im InnCarrée in Mühldorf verschafft hatten.

Erst vor wenigen Wochen, Anfang August, waren Einbrecher in ihr Lokal eingedrungen und haben dabei viel Bargeld erbeutet. „13.000 Euro, die sie mitgenommen haben“, ärgert sich Geli Reichgruber heute noch darüber, dass sie so leichtsinnig gewesen sei. Vom Täter fehlt bislang immer noch jede Spur.

Doch sie hat aus ihrem Fehler gelernt und entsprechend aufgerüstet: Kameras im Innen- und Außenbereich, dazu Bewegungsmelder. Knapp 1500 Euro hat Geli Reichgruber investiert, damit sich ein solcher Einbruch nicht wiederholt beziehungsweise im Falle des Einbruchs der Täter auch wirklich geschnappt wird.

Die Investition hat sich ausgezahlt, wie sie im Gespräch mit den OVB Heimatzeitungen erklärt. Gegen 1 Uhr, mitten in der Nacht zum Mittwoch, habe der Bewegungsmelder angeschlagen. Über ihr Smartphone sei sie alarmiert worden. Geli Reichgruber hat sogleich die Überwachungskameras gecheckt und tatsächlich eine Person entdeckt, die erst ums Inncarrée schlich und sich dann Zugang zum Café verschafft hat.

Investition in die Sicherheit hat sich gelohnt

Schnell haben sich Geli Reichgruber und ihr Lebensgefährte von Mühldorfs Süden auf den Weg zum Café in den Norden der Innstadt gemacht, gleichzeitig über Telefon die Polizei über den vermeintlichen Einbruch am Inncarrée informiert. „Das war um 1.19 Uhr. Um 1.34 Uhr standen wir dann schon vor dem Café“, berichtet Geli weiter. Sie, ihr Lebensgefährte und acht Streifenwagen. „Das war schon ein mulmiges Gefühl. Wir wussten schließlich nicht, mit wie viele Personen wir es zu tun hatten!“

Über die Videoüberwachung hatte Geli Reichgruber beobachtet, wie die später als Waldkraiburgerin identifizierte junge Frau über ein Fenster der Behindertentoilette in das Café einstieg und dort begann, die Schubläden zu durchstöbern. Geld fand sie keines. Dafür aber zwei Uralt-Smartphones. „Ein iPhone 11 und ein iPhone SE. Das ältere, billigere der beiden hat sie dann eingesteckt“, erzählt sie verwundert. Erst danach hat die Naschkatze die Torten entdeckt und in Ermangelung von Bargeld zumindest den Blutzuckerspiegel aufgefüllt.

Einbrecherin konnte sich nicht verkrümeln

Als die Polizei das Gebäude betrat, hat sich die junge Kuchen-Kleptomanin dann vom Acker gemacht. Doch verkrümeln konnte sie sich nicht wirklich. Sie hatte sich in der Behindertentoilette versteckt, dort stellte sie dann die Polizeibeamten.

Heute kann Geli darüber lachen. Nicht nur, weil kein offensichtlicher Schaden zu beklagen ist – die 65 Euro für die Torten mal abgesehen. Sie ist auch froh darüber, dass es offenbar keine kriminelle Bande war, die sich da Zutritt in ihre Gastronomie verschafft hatte, sondern nur eine Einzeltäterin.

Polizei war blitzschnell am Einsatzort

Froh ist sie auch, dass sie unmittelbar nach dem Einbruch vor fast acht Wochen Geld in die Hand genommen hat, um ihr Café entsprechend aufzurüsten, damit ihr nichts mehr entgeht. „Das hat sich rentiert. Ich empfehle es jeden, es genauso zu machen!“ Die Polizei sei blitzschnell am Café gewesen. Das habe sie beeindruckt.

Was kann man sonst noch tun, um gegen Einbrecher gewappnet zu sein? Gar nicht erst zusperren, selbst vor Ort sein bis spät in die Nacht und Partys feiern. Denn davon lässt sich die Gastronomin nicht abhalten. Und wenn am 31. Oktober Halloween gefeiert wird, „dann gibt es diesmal auch Torten! Aber diesmal wollen wir sie verkaufen!“

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