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Seniorin (82) Opfer von Betrugsversuch

KI-Enkeltrick-Anrufe erreichen Bayern: Ist Schutz dagegen möglich?

Einbe 82-Jährige wurde Opfer eines Enkeltricks mit KI-Stimme.
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Eine 82-Jährige wurde Opfer eines Enkeltricks mit KI-Stimme. (Symbolfotos)

Sparkassenmitarbeiterin Martina Demmerich hat aufmerksam und engagiert eine 86-jährige Waldkraiburgerin vor einem Enkeltrick bewahrt. Glück gehabt. Das hilft nicht immer, denn die Betrüger sind längst weiter und setzen nun auch KI ein.

Mühldorf/Lichtenfels – Es ist so weit: Enkeltrickanrufe mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) haben mutmaßlich Bayern erreicht. In Oberfranken versuchten Betrüger nach Angaben der Polizei jetzt eine 82-Jährige um ihr Geld zu bringen. Der erste Fall in Bayern, wobei völlig offen ist, wie die Betrüger vorgegangen sind, heißt es vom Polizeipräsidium Oberfranken.

Oberbayern bislang verschont

In den heimischen Landkreisen bleiben die Menschen davon bislang verschont, sagt Michael Spessa, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Bislang sind nach seinen Angaben in den Landkreisen Altötting, Mühldorf, Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land keine Fälle bekannt geworden, in denen KI Stimmen von Angehörigen oder Bekannten generiert hat. Spessa sagt aber auch: „Dem Ideenreichtum sind keine Grenzen gesetzt.“ Deshalb kommen Schockanrufe immer wieder vor. Die Betrüger, das macht der Polizist klar, haben aber ständig neue Maschen, um Menschen um ihr Geld zu bringen. Auch ohne KI.

Neben den angeblichen Enkeln, tauchen falsche Polizisten auf oder Handwerker, die völlig überteuerte Dienstleistungen anbieten. Oder sie wollen sich, wie die falschen Polizisten auch, Zugang zur Wohnung verschaffen und dort stehlen. Neu sind nach Angaben Spessas die Anrufe falscher Ärzte. Ihr Trick: Sie berichten über Angehörige oder Verwandte, die angeblich schwer krank sind und schnell eine sehr teure Operation brauchen.

KI imitiert Stimmen von Angehörigen oder Bekannten

Kommt KI ins Spiel und eine möglicherweise nachgemachte Stimme eines Angehörigen, wird es noch schwieriger, wie der Fall in Lichtenfels in Oberfranken zeigt. Weil die 82-Jährige dem Anruf ihrer angeblichen Tochter, deren Stimme sie am Telefon hört, nicht traut und den Sohn um Hilfe bittet, scheitert der Betrugsversuch.

Polizeipräsidiumssprecher Spessa warnt davor, solche Anrufe auf die leichte Schulter zu nehmen, ganz gleich, ob eine Stimme KI-generiert ist oder nicht. „Da wird unglaublicher Druck aufgebaut“, sagt er. Die Opfer seien keine senilen Menschen. „Sie werden in Alltagssituationen kalt erwischt und geraten in einen Tunnel. Die Betrüger machen das unfassbar geschickt.“

Weil das Thema KI-Betrug noch so jung ist, finden sich dazu auf der Hilfsseite der Polizei noch keine speziellen Tipps. „Im Grunde sind das die gleichen, wie bei allen diesen Betrugsversuchen am Telefon oder der Haustür“, sagt Christian Raithel von der Pressestelle der Polizei Oberfranken, die mit dem KI-generierten Anruf konfrontiert war.

Täter arbeiten immer mit mehreren Stimmen und ganz viel Druck

„Die Täter arbeiten immer mit mehreren Stimmen“, sagt der Polizist und schränkt damit die Besonderheit eines KI-Anrufs ein. „Man hört zum Beispiel eine weinende Frau“, da sei es auch ohne KI einfach vorzugaukeln, dass ein Angehöriger anrufe. Außerdem übernehme dann meist jemand anderes, ein Kommissar, ein Arzt, ein Anwalt und erhöhe den Druck. Die erste Stimme spiele dann keine Rolle mehr.

Seniorinnen und Senioren sind bevorzugte Ziele von Trickbetrügern.

Der wichtigste Tipp: misstrauisch bleiben

Für die Polizei sind diese Betrügereien längst zu einem Schwerpunkt geworden, den sie mit „großem Ermittlungsaufwand“ verfolgen. „Wir erwischen immer wieder welche, Gott sei Dank“, sagt Spessa vom Polizeipräsidium Oberbayern Süd. „Aber es sind leider nicht genug.“ Dazu komme, dass die Dunkelziffer sehr hoch sei, weil sich Betroffene oft schämten und nicht zur Polizei gingen oder Angehörigen davon berichteten. Spessa: „Das Leid ist sehr hoch.“

KI kann Stimmen imitieren.

Der wichtigste Tipp laut Oberfranken-Polizist Raithel: misstrauisch bleiben. „Man sollte Zweifel haben, nicht alles glauben.“ Niemals Auskunft über Finanzen oder Konten geben, niemals Geld oder Wertsachen übergeben. Oder, wie im Fall der 82-Jährigen aus Lichtenfels: Auflegen und Kinder oder Verwandte direkt anrufen.

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