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Unter Wasser wird Handwerker Herbert Meyrl (61) zum Abenteurer mit Kamera – sowohl in der Alz als auch in Island. Selbst dunkle Riesenhöhlen und ein 1,80 Meter langer Waller konnten ihn und seine Tochter nicht schrecken.
Burgkirchen – Eigentlich ist Herbert Meyrl (61) aus Burgkirchen Handwerker – doch unter Wasser verwandelt er sich in einen passionierten Fotografen. Schon als Kind liebte er es, mit der Taucherbrille die Alz abzusuchen, später im Urlaub wurde geschnorchelt, wo es nur ging. Als Meyrl vor etwa 35 Jahren seinen ersten Tauchkurs in Burghausen machte, ging es aber erst so richtig los: Viele Jahre nahm der Hobbyfotograf schwerfällige Fotoausrüstung mit unter Wasser und sie wurde nicht leichter, als er schließlich das Höhlentauchen für sich entdeckte. Allen Ängsten seiner Frau zum Trotz wagte er sich in dunkle wassergefüllte Kammern und Gänge in den Alpen und brachte Fotos mit zurück ins Tageslicht. Zu seinen schönsten Erinnerungen gehören Cenoten-Tauchgänge in Mexiko und ein Fotoshooting mit seiner damals elfjährigen Tochter Carolin und einem 1,80 Meter langen Waller.
Aufwendige Technik, magische Bilder – der lange Weg zum perfekten Foto
Seine ersten Höhlenerfahrungen machte Meyrl in der Kesselhöhle bei Hallstatt. „Sie ist relativ leicht zugänglich und deswegen ein Ort, an dem viele ihre ersten Höhlenerfahrungen gemacht haben“, erinnert er sich. Dort begann er auch mit der Unterwasserfotografie – inzwischen ist das über 20 Jahre her. „Damals war alles aufwändig. In den stockdunklen Höhlen mussten wir Verlängerungskabel verlegen und jede Lichtquelle mitbringen. Alles war damals noch sperrig und technisch sehr kompliziert“, erinnert sich der Hobbyfotograf. Doch die Mühen zahlten sich aus und einige seiner Bilder landeten sogar auf Titelbildern und wurden ausgezeichnet.
Tauchgang mit Wallern und Walen: Burgkirchner Handwerker macht einzigartige Unterwasserfotos
Nach einem intensiven Höhlentauchtraining in Florida war Meyrl fit für mehr. Der besondere Reiz am Höhlentauchen für ihn? „Es ist faszinierend das Unbekannte zu erforschen und man sucht immer wieder neue Reize und Herausforderungen. Zuerst waren es einfach Höhlen, dann wurden sie immer enger, tiefer und dunkler.“ Für manche unvorstellbar – für Meyrl das höchste der Gefühle. Selbst inzwischen ausgebildeter Tauchlehrer kennt er jedoch alle Risiken – jedes seiner Tauchabenteuer ist sorgfältig geplant, denn ein Notaufstieg ist der Höhle einfach nicht möglich. „Es dauert manchmal eine Stunde, bis man wieder zurück beim Ausgang ist“, sagt Meyrl.
Die Tochter als Modell – und das Familienprojekt unter Wasser
Dabei hat er immer mit dabei: seine Kamera. Früher analog, heute digital – aber noch immer aufwendig. Oftmals müssen drei bis fünf Blitze, die gleichzeitig über Sensoren ausgelöst werden, um Licht ins Dunkel zu bringen. „Da kommt schon einiges an Ausrüstung zusammen“, sagt Meyrl. „Von der Tauchausrüstung samt Flaschen bis hin zur ganzen Fotoausrüstung und manchmal einem Scooter: Da sieht es schon manchmal ein bisschen aus wie ein Christbaum.“ Die Aufnahmen entstehen mit Präzision. Die richtige Position der Taucher, Licht und Schatten – das alles unter Wasser über Handzeichen abzustimmen, ist durchaus eine Herausforderung. „An Land wartet man schon manchmal eine Stunde auf das perfekte Licht – unter Wasser sind 20 Minuten für ein einziges Foto aber schon richtig lang.“
Die Liste seiner Reiseziele ist zwar beneidenswert, doch trotz der farbenfrohen Tauchgänge im Roten Meer zieht es Meyrl auch immer wieder in heimische Gewässer. „Ich habe viel im Süßwasser fotografiert – das ist ein Schwerpunkt von mir. Auch bei uns gibt es unglaublich schöne Plätze“, betont er. Manchmal ist auch Meyrls Tochter mit dabei – als Fotomodell und Tauchbegleiterin. „Sie ist auch ganz schön leidensfähig“, lobt er. Ein Fotoshooting im eiskalten Wildbach – für sie kein Problem. „Ich schlug ihr vor, den Neoprenanzug zu nehmen, doch sie fand, die Fotos seien mit Bikini schöner“, erzählt der Familienvater. Ein großes Erlebnis, das die beiden aktuell planen, ist eine Island-Reise im August: Dort wollen sie die Silfra-Spalte betauchen – ein magischer Tauchspot, an dem die Kontinentalplatten auseinanderdriften.
Eine faszinierende Begegnung: Der Waller in der Alz
Gerade erst war er wieder in Italien, tauchte in Quellen und Tümpeln in einem Naturschutzgebiet – natürlich mit Sondergenehmigung. Doch Mexiko gehört mit zu Meyrls prägendsten Stationen. „Wer das einmal gesehen hat – das ist der Wahnsinn – die Höhlen sind einfach unbeschreiblich.“ Dort hat Meyrl seine aufwendigsten Bilder gemacht. Immer wieder hat er bei Wettbewerben eingereicht, Artikel für Fachzeitschriften geschrieben. Auch mal Fotos an eine Agentur verkauft – „aber das lohnt sich heute kaum noch, denn es fließen nur noch Centbeträge.“ Meyrl geht es vielmehr um die Erinnerung. Um die Faszination. Um das Erzählen seiner Geschichten – denn davon gibt es viele.
Wie die mit den Wallern in der Alz. „Meine Tochter war damals vielleicht elf Jahre alt und damals gab es richtig viele Waller in der Alz“, erinnert sich Meyrl. „Also haben wir immer wieder geschnorchelt und die Waller gesucht, bis wir einen gefunden haben.“ Das Exemplar hatte noch dazu eine stattliche Größe: Mit seinen 1,80 Metern Länge erschrak sich das Mädchen doch ein wenig als sie das Tier neben sich sah. „Doch der Waller war ziemlich gechillt – er kennt ja keine Fressfeinde – und so hat er sie wirklich nah an sich herangelassen. Das war schon ganz schön mutig von ihr, muss ich sagen.“ Heute sind solche Begegnungen leider eine Seltenheit. Meyrl sagt, dass es statt der Waller jede Menge eingeschleppte amerikanische Krebse in der Alz gebe.
Von magischen Momenten wie diesem erzählt Meyrl gerne bei seinen Vorträgen – zuletzt im Burgkirchner Bürgerzentrum und am 14. November in Neuhofen bei Passau. Dabei stellt er natürlich auch viele seiner Fotos aus der faszinierenden Unterwasserwelt vor.