Die Geschichte eines Flüchtlings
Bomben, Krieg und ständige Angst – Aimal Fazilis unfassbarer Weg nach Emmerting
Allein, zu Fuß und über tausende Kilometer: So floh Aimal Fazili aus Afghanistan. Heute hat der 21-Jährige in Emmerting das gefunden, was er sich am meisten wünschte – ein Zuhause.
Emmerting – „Ich bin mit Krieg und Bombenhagel aufgewachsen und hatte ständig Angst um mein Leben“, erzählt Aimal Fazili im Gespräch mit innsalzach24.de. „Meine Heimat ist Afghanistan, die von einem Taliban-Regime geführt wird. Die Menschen dort haben keine einfache Zeit, weil sie nie frei sein können und immer auf der Hut sein müssen.“ Auch deswegen entschied sich der heute 21-Jährige im Jahr 2021 mit 17 zur Flucht.
Aimal Fazili und seine unfassbare Geschichte
„Das ist mir natürlich unfassbar schwergefallen, weil ich alles zurücklassen musste. Vor allem der Abschied von meiner Mutter war sehr traurig, aber sie hatte mir dazu geraten, weil sie wollte, dass ich ein glückliches Leben führe“, verrät Fazili, der komplett auf sich alleine gestellt war. „Ich war knapp ein Jahr unterwegs und bin über Länder wie Pakistan, Türkei, Serbien, Bosnien und Italien nach Deutschland gekommen.“
Dabei sei die Angst sein ständiger Begleiter gewesen: „Ich habe nahezu die komplette Strecke zu Fuß zurückgelegt und immer Bedenken, dass ich von den Behörden geschnappt werde. Schließlich hätte ich dann jederzeit zurück nach Afghanistan geschickt werden können. Und das wollte ich auf keinen Fall. Während meiner Flucht habe ich einige schlimme Dinge gesehen. Ich bin einfach froh, dass ich gesund hierhergekommen bin.“
Sein Weg führte in den Landkreis Altötting
Sein Weg führte relativ schnell nach Oberbayern: „Ich war zuerst in Frankfurt, bin dann aber nach Altötting und schließlich nach Emmerting gekommen. Am Anfang war hier alles sehr schwer für mich, weil ich die Sprache nicht konnte“, so Fazili, der sich trotzdem der Freiwilligen Feuerwehr angeschlossen hat. „Auch wenn ich nichts verstanden habe, konnte ich sehen, was die anderen gemacht haben und dies dann ebenfalls durchführen.“
Der perfekte Schritt für den 21-Jährigen: „Ich möchte Menschen einfach helfen und Verantwortung übernehmen. Zudem gefällt mir das ganze Drumherum auch sehr gut. Nach den Übungen sitzen wir oftmals noch zusammen und reden über Gott und die Welt. Außerdem lerne ich jeden Tag deutsch und es wird immer einfacher, auch wenn ich zu Beginn große Probleme damit hatte, die Leute hier zu verstehen.“
Bayerisch und Deutsch: Ein großer Unterschied
Mit einem Lachen erinnert sich Fazili an seine Anfänge in Emmerting: „Als ich die Menschen das erste Mal sprechen gehört habe, habe ich mich gefragt, was das für eine Sprache ist. Bis mir ein Kollege erklärt hat, dass es sich dabei um bayerisch handelt. Inzwischen verstehe ich aber einen Großteil und kann selbst ein paar Wörter. Zum Beispiel Habedere (Anm. d. Red: Bayerisch für Hallo).“
Die bayerische Kultur hat es ihm ebenfalls angetan: „Ich finde Tracht wirklich schön und möchte mir bald selbst eine Lederhose kaufen. Außerdem trinke ich inzwischen Bier. Aber nicht zu viel“, schmunzelt Fazili, der sich seit knapp zehn Monaten auch eine Arbeit hat. „Ich arbeite bei einer Gerüstbau-Firma in Kastl und habe dort einen unbefristeten Vertrag. Die Arbeit auf der Baustelle bereitet mit sehr viel Spaß und meine Kollegen sind alle sehr nett.“
„Emmerting ist meine Heimat“
In Emmerting hat Fazili das gefunden, was er sich auf seiner Flucht sehnlichst gewünscht hat: „Für mich ist Emmerting meine Heimat, mein Zuhause und ich möchte hier nie wieder weg. Es gibt nichts, was ich an Deutschland nicht mag“, erklärt er, wobei ihm nach kurzem Überlegen doch noch etwas einfällt: „Im Winter ist es hier schon sehr kalt, aber daran gewöhnt man sich relativ schnell.“ (gz)