Hilfe für Kinder mit Behinderung
Mit Herz und Prothesen: Andrea (25) aus Emmerting engagiert sich auf den Philippinen
Andrea Geus aus Emmerting engagiert sich als Freiwillige auf der philippinischen Insel Panay für Kinder mit Behinderungen. Wie es dazu kam – und welche Erfahrungen sie mit nach Hause nehmen wird.
Emmerting – Andrea Geus (25) aus Emmerting studiert Politik und Gesellschaft sowie Anglistik – aktuell absolviert sie jedoch ein Jahr Freiwilligendienst auf der philippinischen Insel Panay. Dort erlebt sie vieles, das sie lange nicht vergessen wird – und tut dabei gleichzeitig etwas Gutes. Seit September 2024 ist sie im Rahmen des entwicklungspolitischen „weltwärts“-Programms tätig. Ihr Einsatzort ist das Rehabilitationszentrum der Walk & Work Foundation in Iloilo City. Die Einrichtung unterstützt Kinder und Erwachsene mit körperlichen Behinderungen – mit Prothesen, Orthesen und gezielter physiotherapeutischer Hilfe. Wie Andrea ihre Zeit auf Panay erlebt hat und mit welchen neuen Erfahrungen sie nach Hause zurückkehrt.
Leben unter einfachsten Bedingungen
Ein Jahr auf einer tropischen Insel – das klingt romantisch. Doch Andrea hat im letzten Jahr auch andere Seiten kennengelernt. Als Teil eines internationalen Teams arbeitet sie in einer orthopädischen Werkstatt, in der Prothesen und Orthesen für Kinder und Erwachsene mit Behinderungen hergestellt werden. „Wir fertigen die Hilfsmittel von der Gipsform bis zur finalen Prothese an. Die Einzelteile dafür kommen aus Deutschland, werden aber vor Ort zusammengesetzt und an die Patienten angepasst“, erklärt die 25-Jährige. Die Hilfsmittel werden Kindern von der Foundation kostenlos zur Verfügung gestellt. Erwachsene Patienten müssen für die Leistung jedoch bezahlen.
„Die Kinder, die die Hilfe des Zentrums benötigen, kommen oftmals aus ärmsten Verhältnissen“, sagt Andrea. Häufig war die Studentin auf Hausbesuchen und erlebte dabei nicht immer nur Schönes. „Besonders traurig war für mich der Besuch bei einem Kind mit einer Fußfehlstellung, dessen Haltung zu offene Wunden führte. Das Kind war schon so gewöhnt daran, dass die Fliegen ständig um die Wunden kreisten – das hat mich schon sehr traurig gemacht, das zu sehen.“ Aber auch schöne Momente erlebte Andrea: „Einmal rannte mir ein Mädchen beim Hausbesuch auf ihrem einen Bein so flink entgegen, dass ich nur noch begeistert war, wie wenig sie sich von der Behinderung einschränken ließ.“
Zwischen Kulturschock und Neuanfang
Auch für Andrea selbst war die Zeit auf der philippinischen Insel nicht immer einfach: Nach der Euphorie in den ersten Monaten folgte ein Kulturschock. „Ich war damals oft krank und da machten sich Heimweh und Einsamkeit in mir breit“, sagt die Studentin im Rückblick. „In der Zeit war ich viel traurig, aber es gehört dazu, wenn man lange von zu Hause weg ist.“ Rückhalt fand die Studentin im Kontakt mit anderen Freiwilligen und beim Thai-Boxen. Auch ein eigener Roller machte für Andrea einen großen Unterschied, denn die Infrastruktur und Erreichbarkeit stellen die Inselbewohner durchaus vor Herausforderungen. „Seither bin ich wieder viel aktiver – und auch in der Arbeit bin ich sehr erfolgreich und bekomme viel Lob“, sagt sie. Nun schleicht sich jedoch langsam das Gefühl des Abschieds ein – denn ihr Aufenthalt auf der Insel endet bereits Ende August.
Engagement zwischen zwei Welten
Auch im Alltag erlebte Andrea große Unterschiede zu Deutschland. Sie selbst lebt auf Panay in einer einfachen Unterkunft – doch viele Inselbewohner leben in schlechteren Behausungen. Die Wände sind dünn, es gibt keine Isolierung – und während der Regenzeit tropft es durch viele Dächer. Hinzu kommen fehlende Abwassersysteme und eine nicht barrierefreie Infrastruktur – eine große Hürde für Menschen mit Behinderung. „Manchmal bringt ein Rollstuhl nichts, weil das Haus damit gar nicht erreichbar ist“, schildert die Studentin. Die Walk and Work Foundation, bei der sie arbeitet, ist das einzige Zentrum dieser Art auf der gesamten Insel – wer Hilfe braucht, muss oft lange Wege auf sich nehmen, und viele können sich die Fahrt schlicht nicht leisten.
„Man erkennt, wie gut es uns in Deutschland geht“, sagt Andrea. Was die Studentin von ihrem Jahr auf der Insel mitnimmt, ist: „Nichts, was wir in Deutschland als selbstverständlich ansehen, ist es tatsächlich.“ Auf der anderen Seite habe sie auch erleben können, dass es auch ohne all die Sicherheiten und Vorzüge funktionieren kann – selbst bei großen Schwierigkeiten. Für die Studentin war das Leben auf der Insel auch ein Stück weit Rückkehr zu ihren Wurzeln, denn ihre Mutter stammt von den Philippinen – wenn auch aus einer anderen Region. 2017 war Andrea zuletzt im Land. „Ich habe mich riesig gefreut, nach sieben Jahren zurückzukommen“, sagt sie – und es wird sicherlich nicht der letzte Aufenthalt dort bleiben.
Ermöglicht wird der Freiwilligendienst vom deutschen gemeinnützigen Verein MARIPHIL, der mit einem eigenen Projekt Straßenkindern auf den Philippinen ein sicheres Zuhause in einem Kinderdorf bietet.

