Selbstständigkeit: Fluch oder Segen?
„Mit dem Kopf ständig bei der Arbeit“: Corinna Götz aus Emmerting gewährt tiefe Einblicke
Vor knapp einem Jahr hat Corinna Götz (25) aus Emmerting den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt: ein eigenes Kosmetikstüberl im Elternhaus. Doch der Traum vom eigenen Business bringt auch Herausforderungen mit sich.
Emmerting – Für viele Menschen in einer Festanstellung sieht der Alltag immer gleich aus: Aufstehen, schnell fertig machen, frühstücken und dann ab ins Büro. Nach acht Stunden Arbeit bleibt noch Zeit für Hobbys und Familie. Doch nicht jeder fühlt sich in dieser Routine wohl. Corinna Götz aus Emmerting wollte mehr – und hat deswegen vor knapp einem Jahr den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt.
Corinna Götz und ihr eigenes Kosmetikstüberl
„Ich habe schon länger im Büro gearbeitet und gemerkt, dass ich damit auf Dauer nicht glücklich werde. Die Vorstellung, das für einen längeren Zeitraum machen zu müssen, hat mir einfach nicht so gefallen“, verrät die 25-Jährige im Gespräch gegenüber innsalzach24.de. „Deswegen habe ich auch schon während meines normalen Angestelltenlebens nebenbei eine Ausbildung zur Fußpflegerin gemacht, da mich die Kosmetik-Branche schon seit Jugendzeiten enorm interessiert hat.“
Gestartet habe dieses Interesse mit 14 Jahren: „Damals habe ich meine Mama gefragt, ob ich mir ein Starterset zum Nägel machen bestellen darf. Weil meine immer so kurz und brüchig waren. Das hat mich einfach genervt“, schmunzelt Götz und fügt weiter an. „Da man mit diesem Alter aber noch zu jung für das Nagelstudio ist, habe ich es mir mehr oder weniger selbst beigebracht. Das war dann der Startschuss.“
Sechs Tage die Woche Arbeit
Seitdem habe sie immer wieder mit dem Gedanken gespielt, in der Kosmetikbranche tätig zu werden: „Das waren schon sehr anstrengende Wochen und Monate, da ich - wie jeder andere Berufstätige - fünf Tage die Woche gearbeitet habe und mich zusätzlich auch noch am Samstag weitergebildet habe. Ich hatte aber immer ein festes Ziel vor Augen und dafür habe ich Gas gegeben. Auch wenn es nicht immer einfach für mich war. Aufgrund von Corona fielen beispielsweise alle Prüfungen zusammen und ich musste praktisch für zwei Berufe lernen.“
Doch es hat sich gelohnt: „Ich habe Gott sei dank alles bestanden und mich im Jahr 2022 dazu entschieden, Fußpflege anzubieten. Deswegen bin ich in meinem Bürojob auf Teilzeit umgestiegen und hatte dementsprechend am Nachmittag immer Zeit für meine Kunden.“ So sei schließlich auch der Stein ins Rollen gekommen: „Ich habe mit den Freundinnen meiner Mutter gestartet, die mich dann weiterempfohlen haben und es wurden relativ schnell immer mehr“, freut sich Götz.
Schritt in die Selbstständigkeit: „Möchte ihn wagen“
Es sei sogar so gut gelaufen, dass sie fortan mehr als nur Fußpflege anbot: „Irgendwann wurde ich gefragt, ob ich denn auch Nägel machen könnte. Für mich war das überhaupt kein Problem. Trotzdem wurde es immer mehr Arbeit und ich hatte kaum bis gar keine Freizeit mehr.“ Deswegen fasste die Emmertingerin vor etwas mehr als einem Jahr einen Entschluss: „Ich möchte den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, mein eigener Chef sein und mir meine Termine so legen, wie sie auch für mich am besten passen.“
Somit war die Idee des Kosmetikstüberls geboren: „Ich habe mich stetig weiterentwickelt und auch Kosmetik in mein Angebot mit aufgenommen. Bei meinen Eltern zu Hause haben wir mein früheres Jugendzimmer komplett renoviert und in mein jetziges Studio umgewandelt. Ich bin unendlich dankbar, dass mir meine Eltern so geholfen haben und mir jederzeit den Rücken stärken. Das ist alles andere als selbstverständlich.“
Positiver Blick in die Zukunft
Seit Oktober 2024 ist Götz nun offiziell selbstständig: „Auf der einen Seite ist es natürlich sehr schön, weil ich meine Leidenschaft ausleben darf, tolle Kunden habe und mir meine Zeit so einteilen kann, wie es mir guttut. Auf der anderen Seite ist es aber auch eine Belastung, weil du natürlich stetig darauf angewiesen bist, dass das Geschäft gut läuft. Ich hänge praktisch mit meinem Kopf ständig bei der Arbeit und kann selten wirklich abschalten. Außerdem gibt es sehr viele bürokratische Dinge zu erledigen. Es ist wahrlich nicht ohne.“
Trotzdem ist die 25-Jährige sehr froh über den Schritt: „Ich habe schon sehr viele Dinge erreicht und bin auch stolz, dass mein Laden so gut angenommen wird. In Zukunft möchte ich weiter wachsen und irgendwann ein eigenes Stüberl betreiben, das nicht mehr in meinem Elternhaus ist. Schließlich möchte ich ihnen so bald wie möglich ihre Privatsphäre wieder zurückgeben. Ich bin aber sehr guter Dinge und freue mich auf die Zukunft.“ (gz)