Gedenken an Widerstand gegen das NS-Regime
Burghauser Widerstand: Bemühungen um Gedenkstele im Botanischen Garten mit Erfolg gekrönt
Die Bemühungen um eine Gedenkstele für Burghauser Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime waren erfolgreich: Nach vielen Diskussionen und Uneinigkeit bezüglich des Standorts kündigte Bürgermeister Florian Schneider (SPD) nun an, dass die Gedenktafeln im Botanischen Garten erweitert werden sollen.
Burghausen – Die Bemühungen um eine Gedenkstele für den Burghauser Widerstand gegen das NS-Regime wurden endlich mit Erfolg gekrönt: Nach zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen kündigte Bürgermeister Florian Schneider (SPD) nun an, dass dem Widerstand eine weitere Gedenktafel gewidmet werden soll: „Wir werden die Gedenktafeln zur Freiheitsaktion Bayern im Botanischen Garten erweitern. So werden wir dort den verschiedenen Formen des Widerstands auch namentlich gedenken.“ Ein Termin für die Aufstellung einer weiteren Tafel ist bislang noch unbekannt.
Altbürgermeister „absolut zufrieden“
Für Altbürgermeister Hans Steindl (SPD) und Buchautor Max Brym ist dies eine besonders erfreuliche Nachricht. Steindl, von dem die Idee für eine Gedenkstele im Botanischen Garten stammte, sagt: „Ich bin absolut zufrieden mit dieser Lösung.“ Nach Meinung des Altbürgermeisters bietet sich der Garten als idealer Standort an – gerade weil sich dort bereits die Gedenktafel für drei Mitarbeiter des Wacker-Werks befindet. Jakob Scheipel, Ludwig Schön und Josef Stegmair waren kurz vor Kriegsende im Wacker-Werk von der SS erschossen worden. Außerdem befand sich hier einst die Villa Galitzenstein. Inzwischen erinnern nur noch „Stolpersteine“, die an die Familie Galitzenstein erinnern, welche wegen ihrer jüdischen Wurzeln antisemitischen Angriffen ausgesetzt war. Auch die Nachbarschaft zum Wilhelm-Högner-Platz empfindet der Altbürgermeister als sehr passend und war von Anfang an überzeugt: „Wenn, dann muss die Gedenkstele in Botanischen Garten kommen.“
Initiative bemühte sich um Gedenken für den Widerstand
Auch die „Initiative für ein würdevolles Gedenken an die Antifaschisten in Burghausen“ zeigt sich erfreut über die Nachricht. Buchautor Max Brym, der die Initiative zusammen mit dem Burghauser Regisseur Jonas Volgger gründete, betont nachdrücklich die Notwendigkeit, dem Widerstand namentlich zu gedenken. Zusammen mit Volgger hatte er im März 2023 einen offenen Brief an Bürgermeister Schneider geschrieben und darin gefordert, eine Burghauser Straße nach Alois Haxpointner zu benennen. Haxpointner war einer der führenden Köpfe des Burghauser Widerstands, wurde deswegen auch inhaftiert und schließlich ins KZ Dachau verbracht, von wo er später fliehen konnte. Weil Schneiders Reaktion auf die Forderung verhalten blieb, hatte Altbürgermeister Steindl im Rahmen einer Demo vorgeschlagen, nicht nur Haxpointner, sondern mehreren Widerstandskämpfern aus Burghausen eine Gedenkstele zu widmen.
Den Botanischen Garten sieht auch Max Brym als geeigneten Standort an. In einem seiner Bücher berichtet der Autor davon, wie gegenüber des heutigen Gartens – vor dem Hotel Glöcklhofer – eine Gruppe Nazis von Widerständlern wortwörtlich in die Flucht „geschlagen“ wurde. „Sicher würde sich hier der Botanische Garten gut eignen“, ist auch Stadtrat Peter Áldozó (Grüne) überzeugt. „Es sollte auf alle Fälle ein Ort sein, der nicht abseits und eher versteckt liegt“, meint er und hebt die Wichtigkeit des Gedenkens an den Widerstand hervor: „Wir müssen eine Erinnerungskultur mit Namen und Personenbezug schaffen, sonst droht insbesondere die regionale Historie in der Anonymität nach und nach in Vergessenheit zu geraten.“
Napoleonshöhe als Standort unpassend
Bürgermeister Schneider zeigte sich zwar von Anfang an offen für die Ideed, dem Widerstand zu gedenken - doch er hatte zuvor einen anderen Standort im Visir: die Napoleonshöhe. Mit dem Ort, an dem heute den Opfern von Krieg und Nationalsozialismus gedacht wird waren Altbürgermeister Steindl und Max Brym jedoch nicht einverstanden. Ihrer Meinung nach ist es unpassend, den Widerstandskämpfern an dem Ort zu gedenken, wo ihren Gegnern – den Soldaten und Mitgliedern der SA und SS – Mahnmale errichtet sind. „Selbstverständlich bin ich für ein würdevolles Gedenken in Burghausen“, betonte Schneider dann in seiner jüngsten Ankündigung. Einer weiteren Diskussion um den Standort kam er damit zuvor.
Angesichts der Europawahl-Ergebnisse scheinen die aktuellen Bemühungen um ein Gedenken an den Widerstand wichtiger denn je: „Gerade heute ist es unbedingt nötig, aus der Geschichte zu lernen“, ist Max Brym überzeugt. Der Buchautor beont zudem, wie viele Jugendliche aus Burghausen sich an der Initiative für das Gedenken beteiligt aben. Umso mehr freut er sich, dass deren Einsatz nun mit Erfolg gekrönt werden kann.
