Phase Eins der Kommunalen Wärmeplanung beendet
Flusswärmepumpe und Industrie-Abwärme? Potenzialanalyse zur Wärmeplanung in Burghausen
Die Kommunale Wärmeplanung zeigt: Burghausen steht in den kommenden Jahren nicht nur finanziell vor großen Herausforderungen. Ein erster Blick auf den energetischen Bedarf und das Potenzial der Salzachstadt.
Burghausen – Bei der Stadtratssitzung am 19. März in Burghausen wurden die ersten Ergebnisse der Kommunalen Wärmeplanung präsentiert. Dipl.-Ing. (FH) Martin Veh vom Ingenieurbüro Steinbacher Consult stellte die Bestandsaufnahme sowie die Potenzialanalyse für die Stadt vor. Die Untersuchung zeigt, dass Burghausen aktuell zu etwa 90 Prozent auf fossile Energieträger angewiesen ist. Dabei stellt die Altstadt mit ihren vielen denkmalgeschützten Gebäuden eine besondere Herausforderung dar, weil alternative Heizsysteme schwer umsetzbar sind.
Die gesetzlichen Vorgaben
Laut Bürgermeister Florian Schneider (SPD) handelt es sich bei der Kommunalen Wärmeplanung um eine langfristige Strategie, die „keine unmittelbaren Verpflichtungen für Gebäudeeigentümer“ mit sich bringt. Allerdings müsse sich Burghausen den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) beugen: „Nach dem 1. Juli 2028 muss jede neu eingebaute Heizung zu mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien betrieben werden“, so Martin Veh. Komme eine Heizvorrichtung nach diesem Zeitpunkt irreparabel zu Schaden, dann müsse sie mit einer neuen Heizung ersetzt werden, die den gesetzlichen Vorgaben entspricht.
Insbesondere Altstadtbewohner könnte dies vor große Herausforderungen stellen, befürchtete Zweiter Bürgermeister Norbert Stranzinger (CSU). Doch eine Härtefallregelung sieht vor, dass Gebäudeeigentümer in besonderen finanziellen oder technischen Ausnahmefällen von den gesetzlichen Vorgaben zum Heizungstausch befreit oder mit längeren Übergangsfristen versehen werden können. Das bedeutet, dass, wenn eine Umstellung auf erneuerbare Energien wirtschaftlich unzumutbar oder technisch nicht realisierbar ist, es individuelle Ausnahmeregelungen geben kann. Die genauen Bedingungen werden im Gebäudeenergiegesetz (GEG) geregelt und beinhalten oft auch Fördermöglichkeiten, um die finanzielle Belastung abzumildern.
Sanierung, industrielle Abwärme und Flusswärmepumpe
Die Bestandsanalyse im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung ergab nun, dass Burghausen erhebliches Potenzial zur Reduktion von CO₂-Emissionen besitzt. Während die Stadt im Vergleich zu anderen Kommunen bereits einen unterdurchschnittlichen Energieverbrauch aufweist, beträgt der Anteil erneuerbarer Energien an der Wärmeversorgung nur rund elf Prozent. Besonders hohe Einsparpotenziale wurden in Gebäuden aus den Jahren 1949 bis 1978 identifiziert, die durch energetische Sanierung der Häuser ausgeschöpft werden könnte.
Für die künftige Wärmeversorgung wurden verschiedene Optionen untersucht. So könnte die industrielle Abwärme laut Martin Veh eine bedeutende Rolle spielen und kontinuierlich bis zu zehn Megawatt zur Verfügung stellen. Stadtrat Peter Áldozó (Grüne) wies jedoch darauf hin, dass die Abwärme langfristig nicht in dem Maße zur Verfügung stehen könnte, wie angenommen: „Die Wacker Chemie will klimaneutral werden, was bedeuten könnte, dass dieser Energieträger sukzessive wegfällt“, erinnerte der Stadtrat.
Ebenfalls im Fokus der Kommunalen Wärmeplanung stand die Nutzung einer Flusswasserwärmepumpe, die jedoch durch wasserrechtliche Vorgaben stark eingeschränkt wäre. So erlaubt das Wasserwirtschaftsamt lediglich eine Entnahme von drei Prozent der Wassermenge der Salzach, was die tatsächliche Leistung deutlich reduzieren würde.
Wird die Altstadt energetisch „abgehängt“?
In Burghausen bleibt in den nächsten Jahren jedoch weiterhin der Ausbau der Fernwärme ein zentrales Thema. So werden in den kommenden Jahren immer mehr Straßenzüge an das Wärmenetz aus Halsbach angeschlossen. Bürgermeister Schneider betonte jedoch, dass auch Fernwärme nur dann funktioniert, wenn sie sich wirtschaftlich darstellen lässt. Er sieht zwar durchaus die Möglichkeit, dass in Zukunft Teile der Altstadt in das Netz integriert werden könnten, doch viele Gebäude hätten bis dato keine Zentralheizungen und die engen Straßen erschweren das Verlegen der Leitungen. Stadtrat Peter Schacherbauer (UWB) sah diesbezüglich die Gefahr, dass die Altstadt im Zuge des Wandels hin zur Klimaneutralität regelrecht „abgehängt“ werden könnte. „Wenn wir hier nicht eingreifen, könnte die Altstadt irgendwann verfallen, weil sich die Sanierung keiner mehr leisten kann.“
Wie es weitergeht:
Angesichts der Haushaltslage spielt natürlich auch die finanzielle Frage eine große Rolle. Zwar erhalten die Kommunen Förderquoten von 90 Prozent für die Planung, doch was dann? Eine Flusswasserwärmepumpe könnte nur von einem Unternehmen erbaut und betrieben werden. Und gerade dann, wenn die Wärme am dringendsten gebraucht wird – im Winter – ist die Ausbeute einer Flusswärmepumpe am geringsten. Zudem dürften Umweltthemen Hindernisse darstellen.
Bei der Kommunalen Wärmeplanng steht nun erstmal der nächste Schritt bevor. Nach der Bestands- und Potenzialanalyse werden dann mögliche Szenarien der Wärmeversorgung durchgespielt und berechnet, wobei die Jahre 2030 und 2035 Zwischenziele auf dem Weg zu einer treibhausneutralen Wärmeversorgung im Jahr 2040 darstellen sollen. In der vierten und letzten Phase der Planung sollen dann Handlungsstrategien und -maßnahmen erstellt werden, wobei man sich auf zwei bis drei Fokusgebiete konzentrieren wird. Der Umsetzungszeitraum für diese soll fünf bis sieben Jahre betragen.
„Wir werden nach den Sommerferien den zweiten Teil der Wärmeplanung vorstellen“, kündigte Bürgemeister Schneider zum Ende der Präsentation an. Dann soll auch klarer werden, welche Optionen für die Altstadt praktikabel sind. Gebäudeigentümer haben zudem immer die Möglichkeit, sich individuell beraten zu lassen. „Bei uns im Stadtbauamt kann sich jeder informieren, was in seinem Fall möglich ist“, betont der Bürgermeister.




