Stellenabbau bei Wacker Chemie
Advent, Advent – die Wirtschaft brennt: Sparkurs und Stellenabbau im Chemiedreieck
Im Chemiedreieck verschärft sich die Krise: Wacker kündigte einen massiven Stellenabbau an, und auch Unternehmen wie OMV und Siltronic müssen sparen. „Lauter können die Alarmsignale nicht sein“, heißt es von der IHK. Ob die Gewerkschaft mit ihren Bemühungen, Arbeitsplätze zu sichern, Erfolg haben wird? Ein Überblick.
Burghausen – Angsteinflößender könnten die Mitteilungen aus der Chemieindustrie kurz vor Weihnachten nicht sein: Erst gestern teilte die Wacker Chemie AG mit, dass 300 Millionen Euro jährlich – und die Hälfte davon durch einen Personalabbau – eingespart werden sollen. Dieser soll hauptsächlich an deutschen Standorten erfolgen und bis Ende 2027 abgeschlossen sein. Bereits im Oktober waren Gerüchte über die Einsparmaßnahmen durchgesickert. Das Unternehmen betonte jedoch, dass ein Stellenabbau nicht mit Entlassungen gleichzusetzen sei. Doch nicht nur für „Wackerianer“, wie die Mitarbeiter am Standort Burghausen bezeichnet werden, bricht eine Zeit der Unsicherheit an. Auch bei Unternehmen wie OMV und Siltronic laufen Sparprogramme.
BIHK warnt eindringlich: „Die Zeit läuft uns davon“
Kurz nach der Wacker-Ankündigung meldete sich auch die Bayerische Industrie- und Handelskammer (BIHK) mit deutlicher Kritik an der bundespolitischen Lage zu Wort. „Monatlich verliert die deutsche Industrie rund 10.000 Beschäftigte, rund 2.000 davon bei uns in Bayern“, so BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Lauter könnten die Alarmsignale nicht sein, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit verliert.“ Man habe keine Zeit mehr, über eine dringend nötige Wirtschaftswende zu diskutieren – ganz im Gegenteil: „Die Zeit läuft uns davon“, so Gößl.
„Die Betriebe stehen bereits mit dem Rücken zur Wand. Die hohe Zahl der Insolvenzen zeigt dies Tag für Tag.“ Weder die Ampel- noch die aktuelle Bundesregierung habe die nötigen Strukturreformen angepackt und für spürbare Entlastungen in der Energiepolitik noch bei der Bürokratie gesorgt. Auch bei der sozialen Sicherung gehe der Schuss in die falsche Richtung – mit rasant steigenden Steuerzuschüssen und Lohnnebenkosten. „Der Bundeskanzler fordert Geduld. Wir fordern Taten“, unterstreicht Gößl.
Gewerkschaft fordert Kurswechsel: „Beschäftigungssicherung ist das oberste Gebot“
Die Industriegewerkschaft für Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) äußerte dagegen massive Bedenken zu den geplanten Einschnitten bei Wacker. Bezirksleiter Günter Zellner betonte zwar, dass die chemische Industrie in Deutschland schon seit Längerem vor erheblichen Herausforderungen stehe, doch ob diese allein durch Stellenabbau zu bewältigen seien, sei mehr als fraglich. „Vor einer Reduzierung von Beschäftigten müssen alle anderen Möglichkeiten geprüft und genutzt werden“, so Zellner und verweist dabei auf die Tarifverträge der IGBCE, die vielfältige Ansätze böten – „von Arbeitszeitmodellen bis hin zu Qualifizierungsmaßnahmen.“
Zellner unterstrich auch, dass die IGBCE fest an der Seite des Betriebsrats der Wacker Chemie stehe und dessen Bemühungen, Standorte und Arbeitsplätze zu sichern, unterstütze. „Beschäftigungssicherung ist das oberste Gebot“, so Zellner. „In Erweiterung des Wacker-Slogans ‚REALLY for our Safety‘ gilt es für uns: Arbeitsplatzsicherheit schaffen! Nicht nur Cash zählt, sondern auch die Sicherheit für die Menschen und ihre Arbeitsplätze.“
Sparmaßnahmen auch bei OMV und Siltronic
Auch andere Chemie-Unternehmen befinden sich in schwierigem Umfeld. So teilte die OMV Deutschland bereits im September mit, dass aufgrund geschäftlicher, wirtschaftlicher und geopolitischer Rahmenbedingungen konzernweite „Effizienzmaßnahmen“ durchgeführt werden müssten, die zu einer Einsparung von 400 Millionen Euro führen sollen. Weltweit werden dafür bis zu 2000 Stellen abgebaut – am Standort Burghausen sei ein Personalabbau aktuell aber nicht im Gespräch, so ein Unternehmenssprecher.
Erst im August 2025 wurde bei der Siltronic in Burghausen die Produktion kleiner Wafer-Durchmesser beendet. Der Übergang sei sozialverträglich erfolgt, so eine Unternehmenssprecherin. „Es musste kein Mitarbeiter entlassen werden, lediglich befristete Verträge wurden nicht verlängert.“ Für die Zukunft setze Siltronic klar auf Wachstumsmärkte und fokussiere sich auf größere Wafer-Durchmesser. Gleichzeitig laufen aber auch bei diesem Unternehmen Kostensparmaßnahmen, die sich weiterhin in Umsetzung befänden. „Dazu gehört auch eine Anpassung unserer Mitarbeiterzahl an die Auslastung“, so die Sprecherin.