Tüßlinger Kultursommer 2025
Italo-Glamour im Schlossgarten: Ein Abend mit Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys
Weiße Anzüge, fliegende Seidentücher und brennende Klaviere: Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys bringen Italo-Schlager und Lebensfreude ins Schloss Tüßling. Über einen besonderen Abend im Schlossgarten.
Von Judit Honervogt
Tüßling – Wer am Sonntagabend (28. Juli) durch Tüßling flanierte, rieb sich verwundert die Augen: Männer in weißen Anzügen zogen Richtung Schloss, begleitet von wippenden Schnurrbärten – echten wie falschen – im Takt der Musik. Zwischen Palmenprints, Leopardenmustern, Seidentüchern und wehenden Italien-Fahnen zeigte sich eine Mode-Revue der Extraklasse.
Mediterrane Nostalgie im Schlossgarten
Ein Abend voller stilvoller Exzentrik kündigte sich an – aus gutem Grund: Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, selbsternannte Könige des Italo-Schlagers, brachten mediterrane Nostalgie in den Schlossgarten von Tüßling. „Wir spielen Musik für besondere Orte“, verkündete Frontmann Roy Bianco, bürgerlich Tobias Jilg, beim Betreten der Bühne. Und tatsächlich – kaum ein Ort könnte dafür passender sein als ein Schloss.
Bevor die Hauptshow begann, sorgte der Wiener Musiker Nikotin für erste musikalische Höhepunkte. Mit einer Mischung aus Indie-Rock und Austro-Pop brachte er das Publikum in Stimmung. Seine Lieder handeln vom Leben, der Liebe, dem Moment – und natürlich vom Rauchen.
Schlagerstrudel statt Moshpit
Dann das erste Gänsehautmoment: Die Eurovisionshymne „Te Deum“ erklingt, und Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys betreten in makellosen weißen Anzügen, Sonnenbrillen und voller Glamour die Bühne. Der Funke springt sofort über – aus dem gepflegten Schlosspark wird eine brodelnde Party-Zone. Der Italo-Schlager lebt – in Gesang, Tanz und den berüchtigten „Schlagerstrudeln“, einer Art Moshpit mit Stil.
Zwei Stunden lang liefern die Musiker eine durchinszenierte Show mit Songs ihrer Erfolgsalben „Greatest Hits“, „Mille Grazie“ und dem 2024 erschienenen Werk „Kult“. Laut ihrer charmant erfundenen Bandbiografie 1982 in Italien gegründet, feiern sie heute ihr großes Comeback. In Wahrheit stammen die Mitglieder aus München und Augsburg – 2018 erschien mit „Ponte di Rialto“ ihre erste Single, eine musikalische Liebeserklärung an Venedig.
Ihr Auftritt: pompös, leidenschaftlich, selbstironisch – ein Gesamtkunstwerk. Ob beim Trompetensolo von Blechkofler (bürgerlich Constantin Wilsch) unter einem glitzernden Sternenregen oder beim intimen Akustik-Teil unter dem Lichterbogen: Die Band zelebriert die große Geste. Immer wieder verlassen sie die Bühne – nur um mit noch mehr Glanz zurückzukehren. Höhepunkte: „Freude schöner Götterfunken“ und „Capri 82“ am brennenden Klavier.
Für Toleranz und gegen Diskriminierung
Doch bei aller Ironie und Extravaganz verliert die Band nie ihre Haltung: Roy Bianco betont, dass ihre Konzerte Räume der Vielfalt und Toleranz seien. Für Sexismus, Rassismus oder Diskriminierung gebe es hier keinen Platz – der Italo-Schlager stehe für Liebe, Zusammenhalt und Lebensfreude.
So feierten 7500 Menschen im Tüßlinger Schlossgarten – friedlich, ausgelassen und vereint in der Musik. Mit den Worten: „Alles hat ein Ende, auch das Gute. Es bricht mir das Herz.“ verabschieden sich die Musiker. Ein emotionaler Schlusspunkt für einen Kultursommer voller Glanz, Glamour – und italienischer Lebensfreude.


