Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

„Ewigkeitschemikalie“ belastet Bauvorhaben

PFOA-Entschädigung: Gespräch mit Chemiekonzernen hakt bei Kostenübernahme für Monodeponie

Ein neuer Leitfaden zum Umgang mit PFOA-Erdaushub sorgt im Landkreis Altötting für Unverständnis.
+
Ein neuer Leitfaden zum Umgang mit PFOA-Erdaushub sorgte im Landkreis Altötting für Unverständnis.

Bauvorhaben im Landkreis Altötting leiden unter massiven Verzögerungen und Schwierigkeiten wegen PFOA-belasteter Erde. Bei einem „PFAS-Workshop“ mit den Bürgermeistern wurde nun die aktuelle Situation erörtert sowie über Kosten und Ansprüche gegenüber den Verursachern gesprochen: Bei den Gesprächen zur Kostenübernahme für die Monodeponie scheint es jedoch bereits zu haken.

Landkreis Altötting – Die PFOA-Belastung im Landkreis Altötting hat eine neue Dimension erreicht: Abgesehen davon, dass die Ewigkeitschemikalie wohl noch über hundert Jahre in Trinkwasser und Boden bleibt, sorgen die per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS) auch für erhebliche Probleme bei Bauvorhaben und führen zu massiven Kosten. Ein neuer Leitfaden für den Umgang mit PFOA-Bodenaushub sorgte erst kürzlich für Aufregung in den Kommunen, weswegen Landrat Erwin Schneider (CSU) einen „PFAS-Workshop“ mit den Bürgermeistern organisierte. Neben der Neuregelung wurde dabei auch die Geltendmachung von Ansprüchen bei den Verursachern der Belastung thematisiert – bei den Gesprächen zur Kostenübernahme für die Monodeponie soll es laut Schneider bereits haken.

Änderung des Leitfadens steht wohl „unmittelbar bevor“

Neben der Dyneon GmbH gilt auch die Hoechst AG als Hauptverursacher für die Boden- und Wasserbelastung durch PFAS. Aufgrund ihrer Umweltstabilität stellen die „Ewigkeitschemikalien“ eine ernstzunehmende Belastung für Mensch und Umwelt dar, weswegen bereits seit Jahren Aktivkohlefilter verwendet werden, um das Trinkwasser im Landkreis zu reinigen. Doch auch der Boden ist mit PFAS belastet und – anders als beim Trinkwasser – steht hier seit Jahren eine Lösung für den Umgang mit verunreinigter Erde aus.

Ein kürzlich vom Bayerischen Landesamt für Umwelt veröffentlichter Leitfaden schreibt nun vor, dass der Erdaushub, selbst bei geringster Menge und PFAS-Belastung, nicht deponiert werden darf. „Das bedeutet für den Landkreis faktisch einen Baustopp“, so Landrat Erwin Schneider bei der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses. Andreas Hüttl, Leiter der Abteilung Bodenschutz im Landratsamt, hob hervor, dass PFAS als „Hintergrundbelastung“ wohl bald weltweit messbar sei. Eine „Nullgrenze“ hält Hüttl somit nicht für praxistauglich und dies habe man dem Landesamt auch mitgeteilt. Nun soll eine Änderung des Leitfadens unmittelbar bevorstehen.

Zwei Drittel des Landkreises belastet

Das PFAS-Belastungsgebiet rund um den Chemiepark Gendorf erstreckt sich auf 300 bis 400 Quadratkilometer. Durch eine Verbesserung des Analyseverfahrens im Jahr 2022 hat sich laut Hüttl das Gebiet noch einmal ausgeweitet. Bei aktuellen Bauvorhaben werde angeraten, den Bodenaushub so gering wie möglich halten. Privaten Bauherren stehe die Möglichkeit offen, ganz auf einen Keller zu verzichten. Hüttl empfiehlt, sich bei Bauprojekten frühzeitig mit dem Thema auseinanderzusetzen, denn je nach Tiefe und Belastung der Bodenschicht, gibt es unterschiedliche Lösungen für den Erdaushub. Eine Beprobung des Erdaushubs, die alle 250 Quadratmeter durchgeführt werden muss, ist jedoch zwingend nötig. Die Kosten dafür liegen bei einigen tausend Euro und müssen vorab von Bauherren übernommen werden. Anschließend können sie dem Verursacher in Rechnung gestellt werden.

Es hakt bei der Kostenübernahme für die Deponie

Auch bei dem „PFAS-Workshop“ spielte das Thema „Kosten“ eine große Rolle: Um mögliche Entschädigungsansprüche gegenüber den Verursachern der PFOA-Belastung zu prüfen, wurde das Gutachten einer Anwaltskanzlei präsentiert. Dieses soll für die Geschädigten – also die Kommunen und Bauherren im Landkreis Altötting – eine Grundlage für die Geltendmachung von Ansprüchen schaffen. In Bezug auf die Kostenübernahme für die Monodeponie in Haiming, wo künftig belasteter Bodenaushub deponiert werden soll, scheinen die Gespräche jedoch zu haken.

„Zwar wurden schon bestimmte Entschädigungszahlen vereinbart, beispielsweise für PFOA-belastete Wildschweine“, so Landrat Schneider. Doch nach einer Vereinbarung zur Kostenübernahme für die Planung der Deponie scheinen die Gespräche ins Stocken zu kommen. „Wir werden jetzt also weitere Geschütze auffahren müssen“, kündigte Schneider an. Eine Milliardensumme wie jene, die der Chemiekonzern „3M“ wegen der PFAS-Belastung des Trinkwassers in den USA zahlen muss, kann in Deutschland wohl nicht erhofft werden. Dass die weltweite Belastung mit den Chemikalien kaum mit Entschädigungssummen abgegolten werden kann, steht auf einem anderen Blatt.

Kommentare