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Familienbetrieb in der vierten Generation

Tradition Pur im Gasthaus Weißbräu in Graming – doch wie lange noch?

Riesige Bäume laden die Gäste im Gasthof Weißbräu in Graming zum Verweilen im Schatten ein.
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Riesige Bäume laden die Gäste im Gasthof Weißbräu in Graming zum Verweilen im Schatten ein.

Das Gasthaus Weißbräu in Graming steht für gelebte Tradition. Hier trifft bayerische Gemütlichkeit auf regionale Küche, die zum Verweilen einlädt. Doch wie lange noch?

Altötting - Der Gasthof Weißbräu ist einzigartig. Dies alleine zeigt schon der Blick auf die Geschichte des altbayerischen Wirtshauses. Denn schon im Jahre 1900 kam die Idee auf, in Graming Tische aufzustellen und die wartenden Landwirte mit Bier und Brotzeit zu versorgen. 20 Jahre später erwarb dann Braumeister Josef Krähschutz das Anwesen, das sich am südlichen Ortsrand von Altötting – knapp zwei Kilometer vom Kapellplatz entfernt – befindet

Gelebte Tradition im Gasthaus Weißbräu

„Seitdem ist das Wirtshaus im Familienbesitz, wobei wir inzwischen schon die vierte Generation sind“, erklärt Gastronomie-Fachfrau Iris Detter, eine von drei Schwestern, im Gespräch mit innsalzach24.de. „Das ist wirklich besonders und macht uns alle sehr stolz.“ Dabei wird im Weissbräu nach wie vor großer Wert auf die gelebte bayerische Tradition gelegt: „Auf der Speisekarte haben wir absolute Klassiker wie Schweinsbraten oder auch Cordon-Bleu. Die dürfen einfach nicht fehlen“.

Aber auch ausgefallene Gerichte finden in Graming Einzug: „Wir bieten beispielsweise als veganes Gericht Falafel mit urbayerischem Reis an, welches sehr gerne bestellt wird“, so Detter. „Wir merken aktuell, dass sich der Trend wieder mehr zu Fleischgerichten bewegt, weswegen wir auch hier ein breit gefächertes Angebot in unserer Tages- und Speisekarte haben.

Regionalität in der Küche

Regionalität wird in der Küche groß geschrieben: „Wir halten nichts von Convenience-Produkten, sondern kochen regional und saisonal. Dabei beziehen wir unsere frischen Produkte ausschließlich aus der heimischen Landwirtschaft. Wie etwa Fleisch aus Altötting oder Eis aus Emmerting.“ Dies habe natürlich auch seinen Preis, weshalb eine Preiserhöhung unabdingbar sei: „Die letzte Erhöhung war vor einem Jahr, aber wir werden definitiv nachjustieren müssen. Qualität hat seinen Preis, aber unsere Gäste sind auch bereit, diesen zu zahlen.“

So zahlt man für das vegane Gericht aktuell 16.90 Euro, der gleiche Preis gilt auch für das Cordon-Bleu. Das wahre Highlight sind allerdings die Biere: „Wir beziehen diese natürlich aus unserer eigenen Brauerei“, lacht Detter. „Unsere verschiedenen Sorten vom Weißbier bis hin zum Schwarzfahrer werden nach altem handwerklichen Verfahren gebraut und sind dabei ungefiltert. Wir brauen mit Zeit und viel Liebe zum Detail.“ Und dies zahle sich aus, konnte die Brauerei doch bereits vier Gold- und eine Bronzemedaille beim European Star Award einheimsen.

„Waren kurz davor, das Handtuch zu schmeißen“

Doch wie ist die Lage im Service? „So schlimm wie in diesem Jahr war es noch nie. Wir haben keine einzige Vollzeitkraft, sondern nur Aushilfen, zum Großteil Schüler und Studenten, die aber bald wieder weg sind. Auch deswegen haben wir wenig bis keine Planungssicherheit und müssen von Woche zu Woche schauen“, seufzt Detter und fügt an. „Wir waren schon kurz davor, das Handtuch zu schmeißen, weil die Personallage im Service unfassbar ist. Keiner will mehr am Abend oder Wochenende arbeiten. Ob wir in einem Jahr noch so geöffnet haben, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.“

Auch aufgrund der personellen Lage ist der Weißbräu am Montag, Dienstag ab 16 Uhr, Freitag und am Wochenende (durchgehend warme Küche) ab 11 Uhr geöffnet. Mittwoch und Donnerstag bleiben die Tore geschlossen. Der große Gastgarten sei aber immer gut gefüllt: „Trotzdem merken wir aktuell schon das schlechte Wetter. Wenn es schön ist, kommen auch oftmals Radfahrer vorbei, um eine Pause einzulegen und ihr E-Bike zu laden. Dies ist nun leider nicht der Fall.“

Dringender Appell an die Gesellschaft

Auch die Anzahl der Stammtische ist deutlich zurückgegangen: „Früher hatten wir 60 Stammtische, jetzt sind es nur noch um die 20. Aber sich darüber aufzuregen bringt nichts. Die Zeiten ändern sich“, weis Detter. Politische Termine, wie die Nominierungsveranstaltung des Landratskandidaten der SPD, finden immer wieder in Graming Einzug. Ansonsten ist- bis auf absolute Pflichtveranstaltungen wie dem traditionellen Maibaum-Aufstellen - eher „weniger“ geboten: „Wir haben die Erfahrungen gemacht, dass sich musikalische Veranstaltungen nicht wirklich lohnen, da Bands oftmals viel Geld kosten und die Musikrichtung nicht immer jedem gefällt. Da bleiben wir lieber zurückhaltend.“

Zum Schluss richtet Detter noch einen klaren Appell an die Gesellschaft: „Geht wieder raus zum Essen. Trefft euch in einem Biergarten oder Wirtshaus und nehmt euch bewusst wieder die Zeit für die schönen Dinge.“ Ein Gasthaus, das nicht nur mit regionaler Küche und charmantem Service, sondern auch toller Lage lockt, wäre eben das Graminger Weißbräu: „Vorbeikommen lohnt sich.“ (gz)

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