Geduldiger Motivjäger
Faszination Eisvogel: Töginger Paul Bogner auf der Jagd nach dem perfekten Bild
Sein Lieblingsplatz ist das Dickicht am Rande der Isen, nur zwei Kilometer von seinem Wohnhaus entfernt. Seit vielen Jahren fotografiert der Töginger Paul Bogner Tiere in freier Natur. Besonders der Eisvogel hat es ihm angetan. Jetzt sind ihm wieder hervorragende Aufnahmen gelungen.
Töging – Stundenlang harrt er im Gebüsch neben der Isen aus. Zugegeben: Das Wetter könnte besser sein. Diesmal nämlich versteckt sich die Sonne hinter den Wolken. Doch Paul Bogner ist geduldig, wartet in seinem Versteck in unmittelbarer Nähe zur Isen bei Engfurt. Wo genau, ist nicht zu erfahren. Da verhält sich Bogner wie ein Schwammerlsucher, der seine besten Plätze nicht preisgibt. Schließlich ist er auf Motivjagd und sein Motiv ist äußerst scheu: ein Eisvogel.
Diesmal ist der Eisvogel nur sieben Meter entfernt
Seit Jahren fotografiert der 77-Jährige leidenschaftlich gerne. Am liebsten an der Isen. In erster Linie Eisvögel. Zahlreiche fantastische Aufnahmen mit dem „Kingfisher“, wie er im Englischen genannt wird, sind ihm bereits gelungen. Und doch schafft Bogner es immer wieder, noch eine Schippe draufzulegen.
Erst in diesen Tagen ist ihm eine Aufnahme gelungen, die den schillernden Vogel bei der Jagd nach kleinen Fischen und bei der Fütterung des Nachwuchses zeigt. „Normalerweise ist der Vogel 20 bis 30 Meter entfernt. „Aber diesmal hab ich ihn in knapp sieben Metern Entfernung vor die Linse bekommen“, freut sich der passionierte Fotograf aus Töging.
Nicht das einzige Motiv, dass der Töginger mit nach Hause nimmt, nachdem er zwei oder drei Stunden auf diese wenigen Augenblicke wartet. Da kann es schon mal vorkommen, dass ein Biber nur wenige Meter von ihm entfernt seine Runden im schmalen Flüsschen dreht. Da eine Mönchsgrasmücke, dort ein Eichelhäher. Es kommt ihm so einiges vor den Fotoapparat. Tiere, von denen man nicht glauben würde, dass sie auch in unseren Gefilden vorkommen.
Perfekte Tarnung des Fotografen
Dass sich die Fauna an der Isen durch die Nähe des 77-Jährigen nicht gestört fühlt, liegt zum einen daran, dass sich Bogner perfekt tarnt, schlichtweg nicht wahrgenommen wird. Und er kann auch noch aus einer gewissen Entfernung agieren. Denn wenn er den Auslöseknopf seiner Canon betätigt, ist es ein 500 Millimeter starkes Objektiv, das er an das Kameragehäuse schraubt.
Mit einem 1,4-fach-Konverter erhöht er diese sagenhafte Brennweite sogar noch, kommt so auf knapp 700 Millimeter, die ihm das Tier optisch gesehen zum Greifen nah bringen. Bei einem Gesamtgewicht von knapp 10 Kilogramm ist da nichts mehr mit ruhiger Hand auszurichten. Natürlich nutzt Bogner ein Stativ, damit er die Tiere gestochen scharf abbilden kann.
Im Laufe der Jahre großes Wissen angeeignet
Bogner ist durch sein Hobby zum Hobby-Ornithologen geworden, verfügt über ein fundiertes Wissen über die heimischen Vogelarten. An den Aufnahmen lässt er dabei hin und wieder auch die Allgemeinheit teilhaben, wie zuletzt bei der Hochschule in Mühldorf, wo er im November 2023 einen viel beachteten Vortrag gehalten hat. „Der war bis auf den letzten Platz besetzt“, freut sich Bogner über so viel Wertschätzung.
Manchmal wird die Motivjagd auch zur Nullnummer
Also macht er weiter. Er ist immer auf der Suche nach dem perfekten Motiv. Doch es ist nicht jeder Tag gleich, verrät Bogner. Es gibt auch Zeiten, da sitzt er stundenlang im Gebüsch und nichts regt sich. Kein Motiv, bei dem es sich lohnen würde, den Auslöser zu betätigen. „Heute habe ich nichts fotografiert, kein einziges Bild gemacht“, sagt er schließlich an jenem Montag, als er nach drei Stunden unverrichteter Dinge wieder nach Hause kommt. Aber das macht dem 77-Jährigen nichts aus: „Dafür haben die Vögel umso schöner gesungen!“




