50 Jahre Fußballgeschichte
Früher „richtige Rivalen“: Wie aus den Sportvereinen Reichertsheim und Ramsau Freunde wurden
Die Sportvereine SV Reichertsheim und SG Ramsau feiern ihr 50-jähriges Bestehen. Doch Freunde waren die beiden nicht immer: die Gründungsmitglieder blicken auf eine bewegte Vereinsgeschichte zurück, in der Rivalen zu Freunden wurden.
Reichertsheim/Ramsau – Eines der ganz großen Sommermärchen gab es im Jahr 1974, als die deutsche Nationalmannschaft den Fußballweltmeistertitel holte. Im gleichen Jahr war auch die Geburtsstunde des SV Reichertsheim und der SG Ramsau. Den Grundstein für den Reichertsheimer SV legten damals die Stockschützen, die seither eine beispielhafte sportliche Karriere hinlegten. Nach den Stockschützen kam die Abteilung Fußball dazu. Bei ihrer Gründung waren es 62 Mitglieder im Verein.
Im Laufe der Jahrzehnte kamen in Reichertsheim noch die Abteilungen Garde, Pilates, BMX und Yoga dazu, sodass sie heute 520 Mitglieder zählen. Davon sind 70 aktive Fußballer im Herrenbereich der SGRRG. Ramsau hatte bei seiner Gründung 83 Mitglieder und wuchs ebenfalls mit weiteren Abteilungen wie Gymnastik und Fitness, Stockschützen, Tennis, Ski, Laufen und Walken sowie Einrad fahren. Heute zählt die SG Ramsau etwa 700 Mitglieder. Somit ist das Sportangebot innerhalb der Gemeinde Reichertsheim / Ramsau breit gefächert und sehr groß.
Seit 50 Jahren wird hier nicht nur Sport getrieben, sondern vor allem auch tolle Vereins- und Fußballgeschichte geschrieben. Davon wissen auch die Gründungsmitglieder eine ganze Menge zu erzählen. Beginnend beim ersten Fußballspiel bis heute, wo aktuell die Vorbereitungen für das große Fest zu ihrem 50-jährigen Jubiläum laufen. Dieses startet am 18. Juli und dauert bis 22. Juli 2024. Ein schönes Event, auf das sich auch Karl-Heinz Rampl (74) aus Reichertsheim und Blasius Maier (72) aus Ramsau schon sehr freuen. Die beiden zählen zu den Gründungsmitgliedern der jeweiligen Vereine und waren dort viele Jahre sehr aktiv. Rampl war von 1974 bis 1984 Jugendleiter, von 1984 bis 1996 und von 1996 bis 2014 erster Vorsitzender beim SV Reichertsheim.
Maier war von 1974 bis 1982 Abteilungsleiter Fußball und von 1982 bis 1999 erster Vorsitzender bei der SG Ramsau. Auch Peter Späth (73) ist ein Mann der ersten Stunde und spielte von 1974 bis 2004 aktiv Fußball bei der SG Ramsau. „Jeder Verein wollte nur für sich alleine sein. Es gab ein starkes Konkurrenzdenken und man könnte fast schon sagen, dass eine richtige Rivalität herrschte“, erinnern sich die flotten Senioren zurück. Auch Peter Peckmann (68) aus Ramsau, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist und selbst viele Jahre Jugendleiter beim SG Ramsau war, erinnert sich noch gut an die Schwierigkeiten, die es früher gab. Beide Vereine hatten ihre eigenen Fußballplätze, feierten Erfolge und mussten Niederlagen einstecken. „1996 gab es mal einen kleinen Kick. Da meldeten wir bei der SG Ramsau zum ersten Mal eine F-Jugend im Spielbetrieb an. Daraufhin hatten wir einen enormen Zulauf von Kindern. Im nächsten Jahr spielten wir schon mit einer G-, F-, E-, D-, C- und A-Jugend.
Zuvor wurde in Ramsau der Spielbetrieb der Herren eingestellt“, erzählt Peckmann. Weil es in Ramsau keine Herrenmannschaft mehr gab, spielten sie von nun an in Reichertsheim. 1998 wurde schließlich die AH-Spielgemeinschaft Ramsau-Reichertsheim gegründet. Während die beiden Vereine in den Anfangsjahren ihrer Gründung fast schon Feinde waren, entwickelte sich mit den Jahren zusehends mehr eine tolle Freundschaft. Sport verbindet und das wurde auch beim SV Reichertsheim und der SG Ramsau deutlich. Den großen Wendepunkt gab es schließlich 2006.
Da kam es zum Zusammenschluss der Fußballabteilungen des SV Reichertsheim und der DJK-SG Ramsau. Seit der Saison 2006/2007 treten sie als eine Abteilung auf. Gründe für die damalige Fusion waren unter anderem: In den jüngeren Bereichen (C-, D-, E-, F-, G-Junioren) stieg der Anteil an Spielern, die aus Ramsau stammten, immer weiter an. Deshalb musste vor fast jeder Saison im Juniorenbereich eine Spielgemeinschaft gegründet werden, um personellen Problemen oder gar dem Verzicht auf eine Altersklasse aus dem Weg zu gehen. Dazu kam, dass vor jeder Spielzeit die Spielerpässe neu umgeschrieben werden mussten, was zum einen kostenpflichtig war und zum anderen einen hohen Verwaltungsaufwand mit sich zog. Ein weiterer wichtiger Grund war die finanzielle Erleichterung.
Aufstieg in die Bezirksliga
Kosten für die Umschreibung von Spielerpässen fielen dadurch weg. Die Kosten für Verbandsabgaben, Trainer, Gebühren und vieles mehr wurden auf beide Vereine gleichermaßen aufgeteilt, was sich positiv auf die Finanzen auswirkte. Seit der Saison 2006/2007 treten die Fußballabteilungen des SV Reichertsheim und der DJK-SG Ramsau als eine Abteilung auf. 2018 kam der TSV Gars als neuer Partner hinzu. Eine gute Entscheidung, wie man auch an ihren Erfolgen sieht. So stiegen sie unter anderem 2010 in die Kreisliga auf und 2017 in die Bezirksliga, wo die erste Mannschaft noch heute erfolgreich spielt. Blicken die Fußball-Senioren auf ihre Anfänge zurück, müssen sie lachen.
„Vor 50 Jahren hatten wir keine Tore. Da borgte man sich sechs Balken vom Bauern, stellte sie irgendwo auf und spannte einfach Schneefangnetze drüber. Mit dem Schubkarren fuhren wir die Sägespäne, die wir vom Schreiner bekommen haben, auf den Platz und streuten Linien drauf. Damals gab es ja noch keine Kreide, um die Spielfelder einzuzeichnen“, erinnern sich die Senioren. „Trikots hatten wir natürlich keine. Die einen hatten ein weißes Unterhemd an, die anderen ein dunkles, damit man sie auseinanderhalten konnte. Unser Fußball saugte sich bei Regen mit Wasser voll. Da war er ruckzuck um einiges schwerer“, setzen sie amüsiert fort. Die Freude auf ihr bevorstehendes Jubiläumsfest ist bei Jung und Alt riesig. Dabei ist sicher: Auch mit ihrem 50-jährigen Jubiläum schreiben sie garantiert wieder ein neues, schönes Kapitel Vereinsgeschichte.




