Neues „Straßentiergesetz“ in der Türkei
„Furchtbar, was dort passiert“: Tierschützerin aus Haag kämpft für Straßenhunde – Gnadenhof gesucht
Mehtap Schmucker aus Haag ist immer noch fassungslos: Im Juli 2024 hat die türkische Regierung ein umstrittenes Gesetz erlassen, das die Tötung von Straßenhunden erlaubt. Um den Streunern zu helfen, gründet die 49-Jährige nun einen Tierschutzverein – und sucht dringend einen Gnadenhof für die misshandelten Tiere. So können Sie helfen.
Haag – Mehtap Schmucker aus Haag ist entsetzt: Trotz heftiger landesweiter und internationaler Proteste hat die türkische Regierung im Juli das umstrittene „Straßentiergesetz“ verabschiedet. Es schreibt vor, dass alle Straßenhunde eingefangen und in Tierheimen untergebracht werden müssen. Aggressive, kranke und Hunde „gefährlicher“ Rassen sollen getötet werden. Laut Veto, einer Vereinigung europäischer Tierschutzorganisationen, seien Tierschützer im ganzen Land seit dem Gesetzesbeschluss damit beschäftigt, die Hunde selbst einzufangen und in notdürftigen Auffangstationen unterzubringen, um sie vor dem Tod zu bewahren.
Neuer Tierschutzverein „Hope for Street Animals“ gegründet
Auch Schmucker setzt sich für diese Hunde ein. Die Haagerin hat den Verein „Hope for Street Animals“ gegründet, um Streuner aus der Türkei zu retten. „Mich haben Bilder von dort erreicht, die lassen mich nicht mehr los. Das nimmt mich richtig mit“, zeigt sich die 49-Jährige betroffen. „Viele der Tiere werden absichtlich gequält, überfahren und aufs Grausamste misshandelt. Die mutigen Proteste und Aufstände durch engagierte Tierschützer in der Türkei werden durch die Regierung ignoriert“, kritisiert sie heftig.
Sie selbst könne nicht „Augen und Ohren“ vor diesem Thema verschließen. Schon immer sei sie „sehr tierlieb“ gewesen, habe selbst zwei Hunde bei sich zu Hause. Außerdem habe sie in der Türkei eine Patenschaft für zwei Tiere übernommen. Schmucker arbeitet Vollzeit in einem Personalbüro, die restliche Zeit würde „komplett für die neue Organisation“ draufgehen, sagt sie. „Ich mache keinen Urlaub, bin im Sommer nicht ein einziges Mal an den See gefahren, weil mich die neue Gesetzgebung in der Türkei – und die Folgen – nicht in Ruhe lassen. Es ist einfach nur furchtbar, was dort passiert“, schimpft sie.
Reaktionen verhalten
Als Vereinsvorsitzende habe sie weltweit die Medien über das Massaker informiert und sogar den Vatikan um Unterstützung gebeten. Dennoch bleibe die internationale Reaktion bisher verhalten. „Aber wir geben nicht auf: Unsere Mission ist es, zumindest einige dieser Tiere zu beschützen“, sagt sie. Die ersten Rettungstouren dafür seien bereits geplant. „Viele Hunde sind aufgrund der Misshandlungen behindert, haben bereits Operationen hinter sich und benötigen Rollstühle, die wir finanzieren müssen. Diese Tiere, Welpen und besonders traumatisierte Hunde werden vorrangig nach Deutschland geholt und finden dort unter unserer Obhut wieder ein geschütztes Leben“, berichtet die Haagerin.
Außerdem suche der Verein dringend einen Gnadenhof zur Anmietung, „idealerweise in Alleinlage, damit Anwohner nicht durch Hundegebell gestört werden. Zudem benötigen wir vorübergehende Pflegestellen, die den Tieren ein Zuhause bieten, bis sie vermittelt sind, sowie Menschen, die bereit sind, einem geretteten Hund ein dauerhaftes Zuhause zu geben. Auch über Futterspenden sowie gebrauchte Leinen, Geschirr, Hundebetten und Decken sind wir sehr dankbar“, so Schmucker. Zudem sei die Organisation auf der Suche nach Helfern, die bereit seien, Sachspenden entgegenzunehmen.
Wer helfen will, kann sich per E-Mail melden an verein@hopeforstreetanimals.com. Mehr Informationen gibt es auch unter hopeforstreetanimals.com.
Demonstrationen in München
Am Montag (25. November) hat Mehtap Schmucker, Vorsitzende von „Hope for Street Animals“, zwei öffentliche Demonstrationen organisiert, um auf das Leid der Tiere in der Türkei aufmerksam zu machen, sowie klare Konsequenzen von der EU zu fordern – darunter die Einstellung von Finanzhilfen für Länder, die den Tierschutz nicht einhalten würden. Die erste Demonstration findet von 10 bis 13 Uhr am Karl-Stützel-Platz in München statt, die zweite Demonstration von 15 bis 17 Uhr, bei der Medienallee an der Ecke Gutenbergstraße in Unterföhring, teilt Schmucker mit.


