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Psychische Gesundheit

Selbstdiagnose per Social Media: Warum dieser Trend gefährlich werden kann

Eine Frau legt ihren Kopf in die Hände
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Nutzer teilen auf Social Media immer häufiger ihre persönlichen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen. Entsprechende Videos verleiten zu Selbstdiagnosen ohne medizinische Grundlage.

TikTok, Instagram & Co. rücken psychische Erkrankungen ins Rampenlicht - und fördern damit das allgemeine Bewusstsein dafür. Doch der damit einhergehende Trend zur Selbstdiagnose birgt Gefahren. Warum Experten zur Vorsicht raten und professionelle Hilfe unerlässlich bleibt, lest Ihr hier.

Soziale Medien sind längst mehr als nur Orte für Unterhaltung. Nutzer teilen dort ihre persönlichen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen wie ADHS, Depressionen oder Angststörungen. Videos mit Aussagen wie „Du verlierst schnell das Interesse an Hobbys?“ oder „Du vergisst, wo du deine Kopfhörer hingelegt hast?“ verleiten zu Selbstdiagnosen ohne medizinische Grundlage. Eine Studie der University of British Columbia ergab, dass etwa über die Hälfte der TikTok-Videos zu ADHS Fehlinformationen enthalten.

Chancen: Enttabuisierung und Sensibilisierung

Die öffentliche Diskussion über psychische Gesundheit in sozialen Medien wie TikTok und Instagram hat positive Aspekte. Sie trägt zur Entstigmatisierung bei und ermutigt Betroffene, sich mit ihren Symptomen auseinanderzusetzen. Psychotherapeut Umut Özdemir betont laut Apotheken-Umschau, dass solche Inhalte das Bewusstsein für psychische Erkrankungen schärfen können.

Risiken: Fehldiagnosen und Selbstbehandlung

Trotz der positiven Effekte warnen Experten vor den Gefahren von Selbstdiagnosen. Medienpsychologe Joachim Schmidt bezeichnet diese als „zweifelhaft bis gefährlich“, da sie oft auf unzureichendem Wissen basieren und zu Fehldiagnosen führen können. 

Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie weist darauf hin, dass jährlich etwa ein Viertel der Erwachsenen in Deutschland von psychischen Erkrankungen betroffen ist, jedoch nur ein Bruchteil professionelle Hilfe in Anspruch nimmt.

Influencer als Laien-Therapeuten: Der Boom von Psycho-Content

Ein besonderer Aspekt des Trends ist die Rolle von Influencern, die sich in sozialen Medien als mentale Coaches oder selbst ernannte Experten präsentieren. Sie geben Ratschläge, interpretieren Symptome oder verkaufen Online-Kurse zur Selbsthilfe. Zwar mag dies manchen Nutzern kurzfristige Erleichterung bringen, doch Experten wie Prof. Dr. Jörg Fegert, Kinder- und Jugendpsychiater an der Uniklinik Ulm, warnen vor gefährlichem Halbwissen: „Es besteht das Risiko, dass Betroffene sich von falschen Versprechungen leiten lassen und wichtige therapeutische Schritte unterlassen“, sagte er gegenüber dem zdf.

Außerdem kritisieren Fachleute, dass psychische Störungen teils als „Trends“ dargestellt werden. Hashtags wie #ADHSGirl oder #DepressionTok erzeugen eine Art Gruppenzugehörigkeit, die Betroffenen helfen kann – aber auch dazu führen kann, sich mit einer Diagnose zu identifizieren, die nicht zutrifft. Das Problem: Wer sich über Videos eine Diagnose stellt, läuft Gefahr, andere Krankheitsbilder zu übersehen – oder gar eine echte Diagnose zu ignorieren.

Algorithmische Verstärkung und soziale Ansteckung

Plattformen wie TikTok zeigen Nutzern vermehrt Inhalte, die ihrem bisherigen Verhalten entsprechen. Dies kann dazu führen, dass Nutzer in eine Art Krankheitsspirale geraten. Kinder- und Jugendtherapeutin Katrin Scholta warnt im wdr vor der sozialen Ansteckung durch solche Inhalte.

So erkennt Ihr seriöse Inhalte zur psychischen Gesundheit auf Social Media

  • Quellen prüfen: Achtet darauf, ob Beiträge von Psychologen, Ärzten oder anerkannten Organisationen stammen. Seriöse Accounts weisen oft auf ihre Qualifikationen hin.
  • Keine Schnell-Diagnosen: Videos oder Posts, die mit wenigen Symptomen eine psychische Erkrankung „diagnostizieren“, sind mit Vorsicht zu genießen. Eine valide Diagnose kann nur im Gespräch mit Fachpersonal gestellt werden.
  • Vorsicht bei Werbung: Seid skeptisch, wenn Influencer ihre eigene Therapie, einen Kurs oder bestimmte Produkte verkaufen. Finanzielle Interessen können Inhalte verzerren.
  • Individualität beachten: Psychische Erkrankungen äußern sich unterschiedlich. Was bei einer Person zutrifft, muss nicht auf andere übertragbar sein.
  • Professionelle Hilfe suchen: Wenn Ihr Euch psychisch belastet fühlt, wendet Euch an Hausärzte, psychologische Beratungsstellen oder Therapeuten. Erste Anlaufstellen bieten auch Krankenkassen und die Telefonseelsorge (kostenlos, anonym, 24/7, Tel. 0800 1110111 oder 0800 1110222,  www.telefonseelsorge.de)

Empfehlungen: Kritischer Umgang mit Online-Informationen

Experten raten dazu, Informationen aus sozialen Medien kritisch zu hinterfragen und nicht als Ersatz für professionelle Diagnosen zu betrachten. Symptom-Checker und Online-Tests können erste Hinweise geben, sollten jedoch nicht als alleinige Grundlage für eine Diagnose dienen. Bei Verdacht auf eine psychische Erkrankung ist es wichtig, sich an Fachärzte oder Therapeuten zu wenden. Die Deutsche Depressionshilfe bietet beispielsweise einen kurzen Online-Test an, der erste Hinweise liefern kann. (as)

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