Studie sorgt für Aufsehen
Giftstoffe in Tampons gefunden – wie gefährlich ist die Verwendung der Menstruationsprodukte?
Ein Team aus Forschern hat in einer Studie Schwermetalle in Tampons nachgewiesen. Kann man die Menstruationsprodukte weiterhin verwenden? Wir klären auf.
Tampons sind das beliebteste Menstruationsprodukt hierzulande. Laut einer repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2019 verwenden 76 Prozent der 15- bis 49-Jährigen in Deutschland Tampons – bei einer regelmäßigen Nutzung kommt eine Frau in ihrem Leben auf über 7000 Tampons. Umso erschreckender ist für viele die Meldung, die vor einigen Tagen die Runde machte: Ein Team aus Forschenden rund um die Columbia Universität (New York) hat 30 Tampons von 14 Marken aus den USA und Europa auf insgesamt 16 verschiedene Schwermetalle getestet, unter anderem auf die toxischen Schwermetalle Arsen, Cadmium, und Blei. Auch auf Chrom und Quecksilber wurde überprüft. Das Ergebnis: In jedem Tampon wurden sie fündig. Sollte man Tampons jetzt nicht mehr länger verwenden? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Besteht die Gefahr, sich durch die Verwendung von Tampons zu vergiften?
Das Risiko, sich durch die Verwendung von Tampons mit Schwermetallen zu vergiften, schätzen Experten als gering ein. Die Studie selbst zeigt lediglich, dass solche Stoffe in den Tampons auffindbar sind – ob und wie diese Stoffe über die Vagina in den Körper gelangen, ist bislang noch nicht klar, denn das war nicht Teil der Untersuchung.
Die Mengen, die in den Tampons gefunden wurden, waren zudem allesamt unter den von der EU festgelegten Grenzwerten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellt daher klar, dass selbst dann, wenn der Körper tatsächlich alle Metallpartikel aufnähme, die Belastung vernachlässigbar wäre. „Die Studienergebnisse sind kein Grund, auf Tampons zu verzichten“, sagt auch die Toxikologin Andrea Hartwig vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) der Nachrichtenagentur dpa. Schwermetalle können mittlerweile in fast allen Gegenständen und Lebensmitteln nachgewiesen werden. Die in den Tampons vorhandene Menge sei geringer als das, was täglich über die Nahrung aufgenommen werde.
Die einzige Ausnahme: Blei. Blei ist in jeder noch so geringen Konzentration für den Körper schädlich, denn es lagert sich in den Knochen ein und kann zu neurologischen und kardiovaskulären Beschwerden führen. Der Kontakt mit Blei sollte also so weit wie möglich vermieden werden. Blei wurde in jedem getesteten Tampon aufgefunden.
Wieso sind die Tampons überhaupt mit Schwermetallen belastet?
Laut den Forschenden gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie die Schwermetalle in die Menstruationsprodukte gelangen. Zum einen könne die verwendete Baumwolle Schuld sein – der Boden sowie das zur Bewässerung der Pflanzen verwendete Wasser könne belastet sein. Eine andere Option sei die Fabrikproduktion, wobei die Stoffe in die Tampons gelangen. Einzelne Stoffe wie Kalzium und Zink werden zudem oft aktiv zugesetzt – aufgrund ihrer antimikrobiellen Wirkung helfen sie bei der Geruchskontrolle oder dienen als Gleitmittel.
Welche Schlüsse ziehen die Forschenden aus den Studienergebnissen?
Die Forscher kritisieren, dass Tampons zu wenigen Qualitätskontrollen unterliegen, und vor allem nicht standardmäßig auf Schwermetalle getestet werden. Außerdem stellen sie klar, dass es weitere Forschung benötigt, um zu untersuchen, inwiefern die Schwermetalle über die Vagina aufgenommen werden. Auch die Toxikologin Hartwig unterstützt die Forderung nach standardmäßigen Testungen auf Schwermetalle. Generell solle von den Herstellern zudem angestrebt werden, die Schwermetallkonzentration weiter zu verringern – insbesondere die von Blei.
Ich fühle mich nicht mehr wohl, Tampons zu verwenden – welche Alternativen gibt es?
Wer keine Tampons mehr verwenden will, kann auf andere Menstruationsprodukte zurückgreifen. Diese haben zum Teil den Vorteil, dass sie nachhaltiger sind – kommen aber auch mit eigenen Nachteilen.
- Binden: Moderne Binden sind saugfähig und trotzdem diskret, und gewähren einen angenehmen Tragekomfort. Sport treiben oder Schwimmen gehen kann man mit Binden allerdings nicht, außerdem wird durch Binden viel Müll produziert.
- Periodenunterwäsche: Periodenunterwäsche sind saugstarke Slips, die das Blut aufnehmen und trotzdem an der Oberfläche für ein angenehmes Tragegefühl trocken bleiben. Je nach Modell kann eine Unterhose bis zu vier Tampons ersetzen. Mittlerweile gibt es auch Periodenunterwäsche, die zum Schwimmen verwendet werden kann. Der Vorteil dieses Produktes liegt in seiner Nachhaltigkeit: Die Unterwäsche wird einfach bei 60 Grad gewaschen und kann dann wiederverwendet werden.
- Menstruationstassen: Menstruationstassen wurden in den vergangenen Jahren immer beliebter. Die Cups aus Silikon oder Latex werden in die Scheide eingeführt, wo sie das Blut auffangen. Je nach Stärke der Blutung und Größe der Tasse müssen sie bis zu acht Stunden lang nicht entleert werden. Nach der Reinigung mit klarem Wasser können sie wiederverwendet werden – nur am Ende der Periode sollte man sie einmal gründlich auskochen. Menschen mit einer Silikon- oder Latexallergie sollten allerdings keine Menstruationstassen verwenden.
Ich möchte auch weiterhin Tampons verwenden - sollte ich irgendetwas dabei beachten?
Dazu gibt die Studie keine klaren Auskünfte. Es gibt wohl Unterschiede zwischen Bio-Tampons und herkömmlichen Tampons – diese Unterschiede sprechen aber nicht per se für die Bio-Alternativen. Hersteller von Bio-Tampons werben damit, dass diese frei von Chemikalien und Pestiziden seien – das trifft aber mittlerweile auch auf herkömmliche Tampons zu. Bio-Tampons werden in der Regel zu 100 Prozent aus Baumwolle hergestellt. Das führt aber wiederum zu einer höheren Arsenkonzentration, wie die Studie festgestellt hat. Eine Hypothese: natürliche Düngemittel, die auf den Baumwollfeldern eingesetzt werden, erhöhen den pH-Wert und damit das Arsen.
Grundsätzlich gilt, dass Tampons bei der Verwendung regelmäßig gewechselt werden sollten – allerspätestens nach sieben bis acht Stunden. Bleibt ein Tampon zu lange im Körper, erhöht sich das Risiko, am toxischen Schocksyndrom (TSS) zu erkranken – eine Infektionserkrankung, die abrupt schwerwiegende Symptome wie hohes Fieber, Schwindel und ein plötzliches Abfallen des Blutdrucks auslöst. (fso)