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Körperliche Belastung
Bald wieder Zeitumstellung: Ein „Mini-Jetlag“ mit gesundheitlichen Auswirkungen – Tipps vom Experten
Zweimal im Jahr stellt Deutschland die Uhren um. Doch was bedeutet das für unseren Biorhythmus und wie können wir uns dagegen wappnen?
Die Meinungen der Deutschen sind selten so einheitlich wie bei der Frage der Zeitumstellung. Zweimal jährlich wird in Deutschland die Zeit angepasst. Ende Oktober, mit Beginn der Winterzeit, wird eine Stunde gewonnen. Mit dem Übergang von der Winter- zur Sommerzeit am letzten Sonntag im März geht allerdings Zeit „verloren“. Beides kann den Biorhythmus vieler Menschen durcheinanderbringen. Was das für die Gesundheit bedeutet und welcher einfache Tipp hilft, weiß Chronobiologe Dr. Achim Kramer.
Wie wirkt sich die Zeitumstellung auf den Körper aus?
In der Regel kann es circa acht Tage dauern, bis der menschliche Organismus sich an die Zeitumstellung gewöhnt hat, heißt es vonseiten der Krankenkasse Pronova BKK.
Die Zeitumstellung wirbelt unsere sogenannte „innere Uhr“ gehörig durcheinander und ist „immer ein Mini-Jetlag, der unser fundamentales biologisches Programm beeinflusst, das dafür sorgt, dass unsere ganze Physiologie, unser ganzer Stoffwechsel tageszeitlich rhythmisch ist und optimal auf die Umweltbedingungen mit Licht und Dunkel eingestellt ist“, so der Chronobiologe Dr. Achim Kramer gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Die Sommerzeit wurde in Deutschland bereits 1916 unter Kaiser Wilhelm II. eingeführt, bevor sie in der Weimarer Republik wieder abgeschafft wurde. Bis in die 1930er Jahre lebten die Menschen in Deutschland das ganze Jahr über nach der mitteleuropäischen Zeit (MEZ) – der Winterzeit, die eigentlich die „normale“ Zeit ist. Mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs „tickte“ Deutschland jedoch wieder anders, da man glaubte, dass eine zusätzliche Stunde Tageslicht mehr Arbeitszeit ermöglichen könnte.
Ab 1945 wurde die Zeitumstellung immer wieder abgeschafft und neu eingeführt, bis sie in Deutschland 1980 endgültig beschlossen wurde, als Reaktion auf die Ölkrise der 1970er Jahre. Das damalige Argument: Durch die Zeitverschiebung sollte eine zusätzliche Stunde Tageslicht für Unternehmen und Haushalte gewonnen werden.
Chronobiologen am Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) haben in einer Studie untersucht, warum der Körper durch die Zeitumstellung belastet wird. Sie fanden heraus, dass das zunehmende Licht aufgrund der gewonnenen Stunde die Ausschüttung von Melatonin – dem Hormon, das uns müde macht und beim Einschlafen hilft – hemmt. Stattdessen produziert der Körper das anregende Cortisol oder Hydrocortison, welches neben Adrenalin das bekannteste Stresshormon ist.
Die Folge der Zeitumstellung: der Körper ist gestresst und die „innere Uhr“ gerät durch den neuen Rhythmus aus dem Gleichgewicht. Diese Störung des gewohnten Lebensrhythmus verursacht bei vielen Menschen gesundheitliche Probleme, die auch in einer Umfrage der gesetzlichen Krankenkasse DAK Gesundheit aus dem Jahr 2019 bestätigt wurden.
Zeitumstellung: welche gesundheitlichen Folgen Menschen erleben
Zeitverschiebungen können vor allem den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinanderbringen. In der Folge werden Konzentrationsfähigkeit, Denkleistung und Verdauung gestört. Diese Art Jetlag zehrt an Kraft und Ausdauer und beeinträchtigt die Koordinationsfähigkeit. Die „innere Uhr“ des Menschen wird durch Hirnfunktionen und den Hormonhaushalt gesteuert. Bis sich der Körper an einen neuen Tag-Nacht-Rhythmus gewöhnt hat, können zwei bis fünf Tage vergehen, wie es aus dem Ärzteblatt hervorgeht. Bestimmte Atem-Techniken können helfen, den Stress abzubauen.
In der Forsa-Umfrage gaben 29 Prozent der rund 1.000 befragten Personen an, nach der Umstellung der Uhrzeit folgende Symptome erfahren zu haben:
Babys und Kinder können ihre „innere Uhr“ im Vergleich zu Erwachsenen deutlich schlechter anpassen, sie brauchen einen regelmäßigen Rhythmus. In der Forsa-Umfrage berichtete jede zweite Familie mit Kindern unter zwölf Jahren, die Auswirkungen der Zeitumstellung an ihren Kindern zu bemerken. Die Kinder schlafen schlechter und sind tagsüber unausgeglichener sowie gereizter.
Mental Load, Stress, Schlafmangel, Einsamkeit: Dinge, die sich Eltern mit Kind anders vorgestellt haben
Zeitumstellung: Was hilft dem Körper, sich besser daran zu gewöhnen?
Dr. Kramer empfiehlt: „Licht ist wichtig, das heißt Licht zum richtigen Zeitpunkt. Wenn Sie jetzt eine Stunde früher aufstehen müssen, dann ist es gut, wenn man nach dem Aufstehen helles, eher blauhaltiges Licht macht, denn das stimuliert die Rezeptoren, die unsere innere Uhr umstellen, Blaulichtrezeptoren. Gefühlt ist das dann eher grelles, kaltes Licht. Also machen Sie es schön hell, wenn Sie aufstehen, möglicherweise gehen Sie sogar schon raus und eine Runde Joggen, das hilft.“
Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unserer Redaktion nicht beantwortet werden.