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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Hundertjähriger Kalender scheint tatsächlich ins Schwarze zu treffen – Wetter-Prognose lässt aufhorchen
Ausgerechnet 2026 stimmen Bauernweisheit und moderne Wettermodelle verblüffend überein: ab dem 8. Mai soll es in Deutschland richtig heiß werden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Der Hundertjährige Kalender ist eigentlich gar kein Kalender, sondern die Lebensarbeit des fränkischen Abtes Mauritius Knauer, der im 17. Jahrhundert in seinem Kloster sieben Jahre lang das Wetter protokollierte und daraus einen Sieben-Jahres-Zyklus ableitete – jedes Jahr einem Planeten zugeordnet.
2026 ist ein Merkurjahr, und für den Mai heißt es darin wörtlich: vom 8. bis 18. Mai eine „schön warme und trockene Zeit“, teils so heiß, dass das Pflanzenwachstum stockt. Danach ein kurzer Kälteeinbruch – und ab dem 24. Mai erneut sonnig und trocken bis zum Monatsende.
Und das sagen die Wettermodelle
Jetzt kommt der interessante Teil – und ich schreibe das wirklich ungern: Sowohl das europäische ECMWF-Modell als auch die amerikanische NOAA berechnen den Mai 2026 gegenwärtig zu warm, im Süden und in der Mitte Deutschlands stellenweise bis zu zwei Grad über dem langjährigen Mittel.
Anfang Mai deutet sich zudem ein Omegahoch zwischen England und Skandinavien an, das ruhiges, sonniges Wetter mit Werten bis 24, lokal auch 27 Grad liefern kann. Die Kontrollläufe zeigen für den Zeitraum um Pfingsten noch Spielraum, tendieren aber mehrheitlich in dieselbe Richtung. Kurz gesagt: Knauers „warme, trockene Zeit ab dem 8. Mai“ und unsere heutigen Rechenmodelle landen auf derselben Kalenderseite.
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Kalender erzielt in diesem Jahr einen Zufallstreffer
Bevor jetzt jemand den Abt heiligsprechen will: Der Sieben-Jahres-Zyklus hat mit dem Wettergeschehen nichts zu tun, die Planeten haben auf unsere Troposphäre exakt null messbaren Einfluss, und das wissen wir seit Galilei. Dass der Kalender trotzdem manchmal richtig liegt, hat einen simplen Grund: Er sagt für den Mai meistens warmes, trockenes Wetter voraus – und das trifft in Mitteleuropa statistisch häufig zu. Durch den Klimawandel sogar noch häufiger: Die letzten vier Mai-Monate waren allesamt zu mild, der Trend ist eindeutig.
Planen Sie also Ihre Grillabende getrost für die zweite Maiwoche, Sonnencreme und Regenjacke gehören aber – Merkurjahr hin oder her – beide in den Rucksack. Die erste Maihälfte ist und bleibt meteorologisch Glückssache, und die Eisheiligen hat der Abt jedenfalls nicht wegprophezeit.