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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Pakistan erlebt Hitzewelle mit bis zu 50 Grad – sind solche Werte auch in Deutschland möglich?
Während in Sindh die Thermometer auf 50 Grad klettern, fragen sich viele: Drohen solche Werte eines Tages auch bei uns? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Die brutalen Werte aus Jacobabad oder Mohenjo-Daro sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer perfekten Heizmaschinerie. Diese Hotspots liegen rund 15 Breitengrade südlicher als Mainz, eingebettet in ausgedörrten Becken zwischen Thar-Wüste und den Gebirgszügen des Suleiman.
Im April und Mai bekommen sie die Sonne nahezu ungefiltert ab. Dazu kommen Föhneffekte aus dem Hindukusch, die die absinkende Luft zusätzlich aufheizen. Bei uns sieht die Sache komplett anders aus. Selbst wenn eine Saharaluft-Zunge bis nach Mitteleuropa pumpt, hat sie auf dem Weg über Mittelmeer, Alpen und feuchte Atlantikströmungen schon ordentlich Energie verloren. Der deutsche Allzeitrekord steht bei 41,2 Grad, gemessen 2019 in Tönisvorst und Duisburg-Baerl. Da ist Luft nach oben – aber eben keine neun Grad.
Die Wetter-Modelle verschieben die Schmerzgrenze
Wer in die Langfristprojektionen von Copernicus C3S oder die jüngsten Reanalysen aus NASA GEOS-5 schaut, sieht ein klares Bild: Die obere Flanke der Temperaturverteilung wandert konsequent nach oben. Im Oberrheingraben, in der Magdeburger Börde und im Donautal sind 43 bis 44 Grad bis Mitte des Jahrhunderts kein utopisches Szenario mehr, sondern ein zunehmend wahrscheinliches Tail-Event.
Die Zutatenliste ist dabei immer dieselbe: ein blockierendes Hoch, das wochenlang nicht weicht, knochentrockene Böden bereits ab Mai, dazu eine Saharaluft-Plume, die genau richtig sitzt. Kommt dann noch ein föhniger Westwind aus den Vogesen oder ein Lee-Effekt am Schwarzwald dazu, geht das Thermometer durch die Decke.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Ehrlich gesagt: Wer Ihnen heute erzählt, in fünf Jahren stehen 45 Grad zwischen Karlsruhe und Mannheim an, der übertreibt. Wer behauptet, das sei bis 2100 völlig ausgeschlossen, der unterschätzt die Geschwindigkeit, mit der wir die Spielregeln ändern.
ECMWF-Ensembles zeigen, dass jeder einzelne Hitzesommer die Verteilung weiterverschiebt – nur merken wir es kaum, weil wir uns gewöhnen. Die wirkliche Schlagzeile ist nicht der spektakuläre 45-Grad-Tag im Rheintal. Sie lautet: 38 bis 40 Grad werden irgendwann zur ganz normalen Sommerausstattung. Und das wird uns früher treffen, als uns lieb ist. Dabei erwärmt sich Europa schneller als jeder andere Kontinent.