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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Tornado-Saison 2026: Wetter-Daten zeigen, wie groß die Gefahr in Deutschland ist – drei Regionen im Fokus

Deutschland ist kein Tornado-Land? Falsch. 2026 wird uns das erneut beweisen – und diesmal sollte niemand unvorbereitet sein. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Ich höre es immer wieder: Tornados sind doch ein amerikanisches Problem. Dieser Irrtum hält sich hartnäckig – und er ist gefährlich. Der Deutsche Wetterdienst hat in einer aktuellen Auswertung bestätigt, was viele Meteorologen schon lange wissen: Rund 50 Tornados pro Jahr treten allein in Deutschland auf. Frühere Schätzungen lagen bei 10 bis 20. Die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Ereignisse in dünn besiedelten Gebieten stattfinden und nie gemeldet werden.

Werden oft unterschätzt: Tornados in Deutschland.

Im langjährigen Mittel werden etwa fünf dieser Tornados als stark eingestuft – mit Windgeschwindigkeiten, die Dächer abreißen, Bäume entwurzeln und Autos verschieben. Der Tornado in Hagen 2024, der ein komplettes Kirchturmdach abriss und eine Schadensspur von über sieben Kilometern hinterließ, war kein Ausreißer. Er war ein Normalfall, der nur zufällig in einer Stadt stattfand.

Frühling und Sommer 2026 – was konkret auf uns zukommt

Die Tornadosaison in Deutschland verteilt sich nicht gleichmäßig. Im Frühjahr, wenn feuchtwarme Mittelmeerluft auf noch kalte Kontinentalluft trifft, entstehen die ersten gefährlichen Superzellen – oft schnell, oft nachts. Im Sommer verschärft sich die Lage: Hitze, hohe Luftfeuchte und starke Windscherung schaffen von Juni bis August die Bedingungen für die intensivsten Ereignisse des Jahres.

Besonders gefährdet sind die Norddeutsche Tiefebene, Nordrhein-Westfalen und Bayern. 2026 kommt ein weiterer Faktor hinzu: Geradlinige Sturmböen und Starkregen werden in diesem Jahr eine mindestens ebenso große Bedrohung darstellen wie Tornados selbst. Ich sage das nicht, um zu beruhigen – sondern weil diese Ereignisse auf deutlich größerer Fläche wirken und regelmäßig unterschätzt werden. Wer nur auf den klassischen Trichter wartet, hat die halbe Gefahr schon übersehen.

Was Sie jetzt tun müssen – bevor die Saison richtig beginnt

Vorbereitung ist das einzige Mittel, das wirklich funktioniert. Laden Sie die Warn-App des Deutschen Wetterdienstes auf Ihr Smartphone und aktivieren Sie Push-Benachrichtigungen für Unwetter. Identifizieren Sie jetzt, in ruhigen Minuten, den sichersten Raum in Ihrem Zuhause: ein innenliegender Keller oder ein Erdgeschossraum ohne Fenster. Wer sich im Freien befindet, legt sich flach in eine Mulde und schützt den Kopf – Brücken und Unterführungen sind keine Schutzräume, sondern lebensgefährlich. Besonders wichtig in diesem Jahr: Viele schwere Gewitter treffen Deutschland nachts, wenn Warnsirenen überhört werden. Das Smartphone mit aktivierter Warnfunktion auf dem Nachttisch ist in diesem Frühling und Sommer kein Luxus – es ist eine Vorsichtsmaßnahme, die Leben retten kann.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Panama Pictures

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