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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Spektakuläre Wärmeblase über Deutschland – doch plötzlich kippt das Wetter komplett
Deutschland erlebt eine außergewöhnliche Novemberwärme. Doch schon bald folgt ein Temperatursturz in den nächsten Tagen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Am Mittwoch (5. November) strömt eine markante Wärmeblase nach Deutschland. Solche Luftmassen hätten uns im Sommer problemlos Temperaturen von über 30 Grad gebracht. Jetzt steht allerdings November im Kalender. Die Sonne steht tief, die Einstrahlung ist schwach und die Atmosphäre wird weniger durchmischt.
Die warmen Höhenluftmassen können am Boden daher nicht annähernd so stark aufgeheizt werden wie im Hochsommer. Die Höchstwerte liegen deshalb nur um 20 bis 21 Grad. Das ist für die Jahreszeit außergewöhnlich, aber meteorologisch weit entfernt von echter Hitze. Ein Hitzetag gilt erst ab 30 Grad. Die gelegentlich verwendeten Begriffe „Herbst-Hitze“ oder gar „Novemberhitze“ passen also nicht zur tatsächlichen Lage.
Wärmeblase über Deuschland: Präzise Sprache und Fachwissen sind entscheidend
In Zeiten der globalen Erwärmung braucht es genaue Begrifflichkeiten, damit Vertrauen bestehen bleibt. Wird jede milde Wetterphase sofort als Hitzeereignis bezeichnet, entsteht langfristig Misstrauen gegenüber seriöser Klimaforschung. Ein weiterer Grund für falsche Begriffe: Der Begriff Meteorologe ist nicht geschützt. Praktisch jeder kann sich online als Wetterexperte oder Meteorologe bezeichnen.
Dadurch kursieren nicht selten unfachliche und unseriöse Aussagen. Korrekt ist: Wir haben es mit einer für November ungewöhnlich warmen Wetterlage zu tun, nicht mit einem Hitzereignis. Präzision stärkt die Glaubwürdigkeit und hilft, wissenschaftliche Einordnung von Übertreibung zu unterscheiden.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Der Mittwoch und teils der Donnerstag (6. November) bringen noch einmal viel Sonne und milde Temperaturen. Danach stellt sich die Lage um. Die Luft wird feuchter, die Inversion stärker, Dunst und Hochnebel breiten sich aus. In vielen Regionen bleibt die Sonne dann hinter einer grauen Wolkendecke gefangen.
Am Wochenende (8. und 9. November) sind vor allem entlang von Flusstälern zähe Nebelfelder zu erwarten, die teilweise ganztägig bestehen bleiben. Die Temperaturhöchstwerte sinken dann häufig auf 7 bis 8 Grad. Die derzeit freundliche Spätherbstphase wird also rasch von typischem Novembergrau abgelöst. Wer die milde Sonne noch einmal genießen möchte, sollte den Mittwoch nutzen, bevor sich die Wetterlage endgültig eintrübt.