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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Gleich mehrere Faktoren greifen ineinander: Hier blitzt es bei Gewitter besonders oft
Im Süden kracht es besonders oft. Eine Region wird regelmäßig vom Himmel unter Strom gesetzt – und die Gründe dahinter sind alles andere als Zufall. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Wer im Alpenvorland lebt, kennt das Gefühl: Es wird drückend warm, die Luft steht – und plötzlich türmen sich dunkle Wolken auf. Kurze Zeit später flackert der Himmel im Sekundentakt. Genau hier liegt die deutsche Blitz-Hochburg: Kaufbeuren.
Die Stadt im Allgäu wurde 2025 zur Blitzhauptstadt Deutschlands gekürt – nirgendwo sonst gab es so viele Blitze pro Quadratkilometer. Und das hat vor allem mit der Lage zu tun. Feuchtwarme Luft strömt aus dem Süden nach Deutschland und trifft dort auf die Alpen. Diese wirken wie eine riesige Wand. Die Luft wird nach oben gedrückt – und genau dabei entstehen Gewitter.
Warum es oft nicht bei einem Gewitter bleibt
Was viele nicht wissen: In Regionen wie rund um Kaufbeuren bleibt es selten bei einem einzelnen Gewitter. Sobald sich eine Zelle gebildet hat, verändert sie die Atmosphäre. Kalte Luft sinkt ab, warme Luft wird verdrängt – und neue Gewitter entstehen oft direkt hinterher.
Das wirkt wie eine Kettenreaktion. Kaum ist ein Gewitter durchgezogen, baut sich das nächste auf. Für Beobachter entsteht der Eindruck, dass es stundenlang ununterbrochen blitzt. Genau das sorgt dafür, dass die Blitzdichte hier so extrem hoch ist.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Dazu kommt die typische Sommerhitze im Süden. Wenn es mehrere Tage warm und schwül ist, sammelt sich enorm viel Energie in der Luft. Man merkt das daran, wie schwer und stickig sich alles anfühlt. Sobald diese Energie freigesetzt wird, geht es schnell: Die Luft steigt auf, riesige Wolken wachsen in den Himmel – und in ihnen bauen sich elektrische Spannungen auf. Die Folge: Blitze, oft in kurzer Folge und mit großer Intensität. Genau diese Bedingungen treten im Allgäu besonders häufig auf.
Kein Zufall, sondern ein Zusammenspiel
Dass ausgerechnet Kaufbeuren zur Blitzhauptstadt wurde, ist also kein Zufall. Hier greifen mehrere Faktoren ineinander: die Alpen als Auslöser, feuchtwarme Luft als Treibstoff und lokale Winde als Verstärker. Am Ende entsteht eine Region, in der Gewitter nicht nur entstehen – sondern sich regelrecht stapeln. Für Wetterfans ein spektakuläres Schauspiel. Für die Menschen vor Ort dagegen oft einfach nur eins: verdammt laut. Ein beeindruckendes Schauspiel zeichnet sich aktuell ebenfalls ab: erneut wird mit der Ankunft von Saharastaub gerechnet.