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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Kältezunge trifft Anbauregionen: In wenigen Wochen könnte Obst zum Luxusgut werden
Minus 7 Grad am Boden, Blütenfrost quer durch Deutschland: Winzern und Obstbauern drohen Millionenschäden – Preise könnten spürbar anziehen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Genau dort, wo Deutschland sein Obst und seinen Wein erntet, glüht die Karte im tiefen Blau. Der aktuelle GFS-Lauf zeigt für die Nacht zum Donnerstag und auch die Nacht zum 1. Mai eine kalte Zunge, die wie nach Plan über die wichtigsten Anbauregionen läuft: Bodensee, Bergstraße, Main-Franken, die Weinlagen an Saale-Unstrut, selbst das Erzgebirge und der bayerische Alpenrand sind dabei.
In zwei Metern Höhe werden dort minus fünf bis minus sieben Grad berechnet – am Erdboden, wo die empfindlichen Blüten und Triebe sitzen, stürzen die Werte locker auf minus neun oder minus zehn Grad ab. Eine Hausnummer, bei der ich mich zweimal setzen musste.
Kältezunge trifft Anbauregionen: Das kommt spätestens im Juni an der Obsttheke an
Für uns Verbraucher würde das spätestens ab Juni im Supermarkt ankommen. Schon der letzte Spätfrost 2024 hat deutsche Obstbauern und Winzer rund 286 Millionen Euro gekostet, der Jahrhundertfrost 2017 europaweit sogar 3,3 Milliarden Euro. In beiden Fällen zogen die Endverbraucherpreise deutlich an: Erdbeeren und Süßkirschen wurden im Sommer darauf spürbar teurer.
Deutsche Ware war zeitweise kaum im Regal zu finden. Und selbst der heimische Apfel musste bei den Discountern durch italienische oder polnische Importe ersetzt werden. Trifft uns jetzt ein vergleichbares Ereignis, drohen in den kältesten Regionen Ertragsverluste zwischen 30 und 100 Prozent – dann kostet die Schale Erdbeeren im Juni richtig Geld.
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Für die deutschen Winzer wäre ein solcher Frost ein wirtschaftlicher Super-GAU. 2017 wurden allein in Baden-Württemberg 7000 Hektar Rebfläche schwer geschädigt – ein Viertel der gesamten Rebfläche des Landes. Die Folgen spürt man bis heute: kleinere Jahrgänge, höhere Flaschenpreise, viele kleine Familienbetriebe an der Existenzgrenze. Wiederholt sich das, wird der Riesling-Jahrgang 2026 ein kurzer Spaß.
Ob es wirklich so schlimm kommt, entscheidet sich in den nächsten 48 bis 72 Stunden: Ein bisschen Wind oder eine dünne Wolkendecke kann den Frost um entscheidende zwei bis drei Grad abmildern. Ich beobachte jeden neuen Lauf – und halte Sie auf dem Laufenden.