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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Starkregen, Hitzewellen, Jahrhundertfluten: Die Wetter-Wahrheit für Deutschland ist unangenehm

Unwetter werden verharmlost oder zur Hysterie aufgebauscht. Höchste Zeit für Klartext – mit Fakten und ohne politische Rücksichten. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Ich arbeite seit über zwei Jahrzehnten mit Wetterdaten. Ich habe Hurrikane ausgewertet, Dürreperioden analysiert und Hochwassermodelle berechnet. Und ich sage Ihnen mit vollster fachlicher Überzeugung: Die Häufung extremer Wetterereignisse, die wir in Mitteleuropa gerade erleben, ist kein statistisches Rauschen. Sie ist ein klares Signal.

Jährlich nehmen die Extremwetterlagen und deren Auswirkungen zu. Auch in Deutschland.

Die Physik dahinter ist simpel und unwiderlegbar: Pro Grad Celsius Erwärmung speichert die Atmosphäre rund sieben Prozent mehr Wasserdampf. Das bedeutet intensivere Niederschläge, heftigere Gewitter und schwerere Überflutungen. Die globale Mitteltemperatur liegt heute bereits rund 1,2 Grad über dem vorindustriellen Niveau. Die Folgen sehe ich in den Messdaten – und ich sehe sie in zerstörten Kellern, überschwemmten Straßen und ausgedörrten Feldern.

Wetter-Wahrheit will nicht jeder hören: Aber der wissenschaftliche Konsens ist eindeutig

Ich weiß, dass manche Menschen das nicht hören wollen. Aber es ist meine Pflicht als Wissenschaftler, den Befund klar auszusprechen: Unter Klimaforschern weltweit gibt es keinen ernsthaften Dissens über die Grundursache. Menschengemachte Treibhausgase erhitzen die Atmosphäre, und diese Erhitzung verschärft Wetterextreme nachweislich.

Attributionsstudien – wissenschaftliche Analysen, die den Fingerabdruck des Klimawandels in einzelnen Extremereignissen berechnen – belegen das mit harten Zahlen. Das Ahrtal-Hochwasser 2021 wurde durch den Klimawandel laut einer solchen Studie mindestens doppelt so wahrscheinlich. Das ist keine Panikmache. Das sind Wahrscheinlichkeitsrechnung und Thermodynamik – zwei Disziplinen, mit denen ich täglich arbeite.

Warum seriöse Einordnung jetzt zählt – der Anspruch meiner Wetter-Kolumne

Die Öffentlichkeit verdient keine vereinfachten Botschaften, die Aufmerksamkeit erzeugen, aber nichts erklären. Sie verdient Wissenschaftler, die unbequeme Wahrheiten aussprechen, Unsicherheiten klar benennen und trotzdem verständlich bleiben. Genau das ist der Anspruch dieser Kolumne. Ich werde hier regelmäßig aktuelle Wetterereignisse einordnen, Klimadaten erklären und dort widersprechen, wo Fakten verdreht werden – egal in welche Richtung. Denn weder Verharmlosung noch Übertreibung helfen uns weiter. Was zählt, sind Messdaten, Physik und eine klare Sprache. Die Atmosphäre macht keine Kompromisse. Diese Kolumne auch nicht.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Harald Dostal

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