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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Fünftwärmster Januar der Messgeschichte: Klima-Phänomen paradox aber erklärbar
Während Deutschland friert, zeigen Messdaten ein anderes Bild. Warum ein kalter Januar nichts über den weltweiten Klimatrend aussagt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Der Januar 2026 zählt nach internationalen Klimadatensätzen zu den fünf wärmsten Januarmonaten seit Beginn systematischer Messungen. Diese Einordnung basiert auf global gemittelten Temperaturdaten, die Land- und Ozeanflächen einschließen. Entscheidend ist dabei der Unterschied zwischen Wetter und Klima: Wetter beschreibt kurzfristige Zustände in einzelnen Regionen, Klima hingegen langfristige statistische Mittel über Jahrzehnte.
Ein kalter Monat in Mitteleuropa ist daher kein Gegenbeweis, sondern eine regionale Abweichung innerhalb eines globalen Systems. Tatsächlich können sich einzelne Regionen zeitweise stärker abkühlen, während der globale Mittelwert weiter steigt. Der langfristige Erwärmungstrend bleibt dabei eindeutig und wird durch unabhängige Messreihen bestätigt.
Warum kalte Winter in einer wärmeren Welt möglich sind
Ein wärmeres Klimasystem bedeutet nicht das Verschwinden von Kälte, sondern eine veränderte Dynamik. Veränderungen im Jetstream, eine geschwächte Temperaturdifferenz zwischen Arktis und mittleren Breiten sowie Schwankungen des Polarwirbels können kalte Luftmassen weiter nach Süden vordringen lassen.
Paradoxerweise kann die Arktiserwärmung solche Kälteepisoden sogar begünstigen. Diese Prozesse sind gut dokumentiert und Gegenstand intensiver Forschung. Wer einzelne kalte Phasen als „Widerlegung“ des Klimawandels interpretiert, ignoriert bewusst oder unbewusst den physikalischen Zusammenhang zwischen globaler Energieaufnahme und regionaler Variabilität.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Eine nüchterne Antwort lautet: Klimawandel zeigt sich nicht im eigenen Thermometer, sondern in globalen Trends. Einzelne Monate oder Länder sind statistisch irrelevant für die Bewertung eines langfristigen, weltweiten Phänomens. Sinnvoll ist der Hinweis, dass nahezu alle relevanten Indikatoren – globale Temperatur, Ozeanwärmegehalt, Gletscherschwund und Meeresspiegelanstieg – konsistent in dieselbe Richtung weisen.
Wissenschaft lebt von Daten, nicht von Bauchgefühl. Wer lacht, weil es vor der Haustür kalt ist, verwechselt persönliche Erfahrung mit wissenschaftlicher Evidenz. Genau diese Unterscheidung ist der Kern einer sachlichen Klimadebatte.