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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
El-Niño-Ereignis könnte kurz bevorstehen – Wetter-Phänomen könnte diesmal viel eher beginnen
Die Weltwetter-Organisation WMO schlägt Alarm: schon ab Mai könnte El Niño wieder zuschlagen. Was das für uns bedeutet. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Im tropischen Pazifik tut sich gerade Entscheidendes: Die Meerestemperaturen steigen rasant an, und unter der Wasseroberfläche sammelt sich ein riesiges Reservoir warmen Wassers wie in einem Heizkessel. Für uns Meteorologen ist das ein eindeutiges Warnsignal.
Nach der kurzen La-Niña-Phase im Winter und einer neutralen Atempause seit Jahresbeginn steuert das Klimasystem laut Weltorganisation für Meteorologie (WMO) jetzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein neues El-Niño-Ereignis zu – möglicherweise bereits im Zeitraum Mai bis Juli.
Die Wettermodelle sind sich einig – ein starkes Ereignis ist drin
Wilfran Moufouma Okia, Chef der Klimavorhersage bei der WMO, spricht von einer hohen Übereinstimmung der Modelle und hält sogar ein kräftiges Ereignis für denkbar. Aber Vorsicht: Die sogenannte Frühjahrs-Vorhersagebarriere macht Wetter-Prognosen zu dieser Jahreszeit noch wackelig, richtig scharf wird das Bild erst ab Mai.
Den oft gelesenen Begriff „Super-El-Niño“ verwendet die WMO übrigens nicht – dafür gibt es schlicht keine offizielle Klassifikation, auch wenn manche Medien ihn gerne nutzen.
Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten
Warum uns das alle angeht? Weil El Niño einer der mächtigsten Klima-Schalter unseres Planeten ist. Wenn er zündet, heizt er im Prinzip die gesamte globale Atmosphäre mit auf. Das Rekordjahr 2024, das heißeste, das je gemessen wurde, war genau das Ergebnis dieser Kombination aus El Niño und dem menschengemachten Klimawandel. Für den Zeitraum Mai bis Juli prognostiziert die WMO bereits jetzt überdurchschnittliche Landtemperaturen „fast überall“, besonders ausgeprägt über Südeuropa, Nordafrika, Mittelamerika und dem Süden der USA.
Was das konkret für uns bedeutet
Für Deutschland ist der direkte Einfluss geringer als etwa für Südamerika oder Australien, aber spürbar ist er trotzdem – vor allem in Form allgemein wärmerer Luftmassen und einer höheren Energiemenge im Klimasystem. Während über Indonesien und dem Osten Australiens Dürre droht, rechnen Fachleute in Teilen Südamerikas, am Horn von Afrika und im Süden der USA mit deutlich mehr Regen, bis hin zu Überschwemmungen.
In der Atlantik-Hurrikansaison wirkt El Niño übrigens eher dämpfend – immerhin ein kleiner Lichtblick für die Karibik, während im Pazifik die Hurrikanaktivität eher anzieht. Die nächste detaillierte WMO-Einschätzung folgt Ende Mai, dann wird klarer, wie kräftig das Ereignis wirklich ausfällt.