Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Sommer 2026 wird kein Sommer wie jeder andere: Wetter-Modelle prognostizieren ein hochriskantes Szenario
Mehr als 80 Prozent Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Sommer, Hitzephasen deutlich über 30 Grad und ausgeprägte Starkregen-Lagen. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Die aktuellen Auswertungen der NOAA und des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) lassen wenig Interpretationsspielraum. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Sommer 2026 in Mitteleuropa überdurchschnittlich warm ausfällt, liegt bei über 80 Prozent. Die NASA-Klimareihe rechnet mit einer Temperaturabweichung von +1,0 bis +2,0 Grad Celsius gegenüber dem Klimamittel der Referenzperiode 1961 bis 1990.
Für die Praxis heißt das: Die 30-Grad-Marke wird mehrfach überschritten, regional sind deutlich höhere Werte zu erwarten, und Tropennächte mit Tiefstwerten über 20 Grad gehören in den Ballungsräumen zum erwartbaren Bild. Einen Extremsommer mit Werten jenseits der 40 Grad, wie wir ihn 2018 und 2022 erlebt haben, halte ich hingegen für weniger wahrscheinlich. Die Modelle beziffern diese Variante auf fünf bis zehn Prozent. Westeuropa bleibt dennoch das europäische Risikogebiet für ausgeprägte Hitzewellen, und Deutschland liegt mittendrin.
Kein klassischer Hochdrucksommer, sondern ein Zickzack-Muster
Was den Sommer 2026 von den trockenen Hitzejahren unterscheidet, ist das zu erwartende Zirkulationsmuster. Statt eines stabilen Blockadehochs deutet sich ein wechselhafter Verlauf an: wenige Tage mit brütender Hitze, gefolgt von abrupten Umbrüchen mit kräftigen Gewittern und regional unwetterartigem Starkregen. Quasistationäre Störimpulse können sich in die Hochdruckzone eindrehen und dort über mehrere Tage verharren, bevor die nächste Hitzephase einsetzt.
Für die Niederschlagsbilanz bedeutet das vor allem Unsicherheit in der räumlichen Verteilung: 43 Prozent Wahrscheinlichkeit für eine normale Niederschlagssumme, 33 Prozent für eine zu trockene, 24 Prozent für eine zu nasse Entwicklung. Die Verteilung dürfte alles andere als gleichmäßig ausfallen, mit langen Trockenphasen in dem einen und konzentrierten Starkregenereignissen in dem anderen Teil Deutschlands.
Kein klassischer Hochdrucksommer, sondern ein Zickzack-Muster
Warum die Modelle für 2026 dieses Bild zeichnen, hat mehrere Ursachen, die sich gegenseitig verstärken. Der Jetstream, die polare Höhenströmung, ist spürbar abgeschwächt und mäandert stärker als im langjährigen Mittel. Dadurch verharren Wetterlagen länger an einem Ort, was bereits im aktuellen Frühjahr deutlich zu beobachten ist. Hinzu kommt die überdurchschnittliche Erwärmung der Arktis, die die großräumige Zirkulation über Europa nachhaltig verändert.
Ergänzend liefern ungewöhnlich warme Meeresoberflächen im Nordatlantik und im Mittelmeer zusätzliche Energie für konvektive Systeme und Starkregen-Ereignisse. Dass Langfristprognosen mit einer methodischen Unsicherheit behaftet sind, gehört zum Handwerk und muss transparent kommuniziert werden. Die aktuelle Signalkonsistenz ist jedoch so hoch, dass ein ruhiger, gemäßigter Sommer 2026 die unwahrscheinlichste aller Varianten bleibt. Wer Urlaubsplanungen vornimmt oder landwirtschaftlich arbeitet, sollte sich auf beides einstellen: Hitzewellen und Unwetter.
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