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Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Wetter-Modelle zeigen markante Wahrscheinlichkeit: Deutschland droht im April noch ein echter Wintereinbruch

Der März war fast zu mild, das macht viele nun skeptisch. Wenn die Atmosphäre „nachregelt“, kann es im April wieder unangenehm werden. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Wenn man sich die aktuelle Zirkulation anschaut, fällt vor allem eines auf: Sie ist nicht stabil. Nach der ausgeprägten Hochdruckphase im März ist die Frontalzone wieder aktiver geworden, der Jetstream zeigt deutliche Wellen. Und genau in solchen Lagen entstehen die klassischen April-Situationen. Warme und kalte Luftmassen liegen vergleichsweise nah beieinander, kleine Verschiebungen reichen, und schon kippt das Temperaturniveau spürbar.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit für einen Wintereinbruch im April 2026?

Dass dabei auch nochmal polare Luft bis nach Mitteleuropa durchgereicht wird, ist nichts Ungewöhnliches. Die Wetter-Ensembles zeigen das ganz gut: Ein Teil der Läufe geht klar in Richtung mild, ein anderer lässt eben diese Kaltluftvorstöße zu. Daraus ergibt sich diese Größenordnung von etwa 30 Prozent für einen markanteren Kälterückfall.

30-Prozent-Risiko für Winter-Rückkehr – wie sich das konkret äußern würde

Was man darunter versteht, sollte man sauber einordnen. Es geht nicht um einen „Winter wie im Januar“, sondern um eine temporäre Rückkopplung in Richtung winterlicher Bedingungen. Tageswerte im einstelligen Bereich, in der Höhe entsprechend kälter, dazu konvektive Schauer – und bei ausreichend kalter Luft kann das eben auch bis in tiefe Lagen als Schnee oder Graupel runterkommen.

Entscheidender Punkt ist die Dauer. Solche Lagen sind meist an mobile Tröge gekoppelt und damit von Natur aus instabil. Zwei, vielleicht drei Tage, dann verschiebt sich die Achse wieder, und mildere Luft setzt sich durch. Genau deshalb wirkt das Ganze so sprunghaft.

Wetter-Prognose: Zwölf uralte Bauernregeln, auf die Generationen schwören

Zwei Hände halten einen aufgeschlagenen Bauernkalender.
Bauernregeln sind alte Volkstweisheiten, die meist in Reimform Ratschläge für die Landwirtschaft und Wettervorhersagen enthalten. Sie basieren auf langjährigen Naturbeobachtungen von Landwirten und wurden über Generationen weitergegeben. Wissenschaftlich sind die Regeln jedoch unzuverlässig und gelten eher als kulturelles Erbe denn als exakte Prognose. © Michael Bihlmayer/IMAGO/Symbolbild
Familie mit Kinderwagen und Drachen vor rotem Abendhimmel.
1. „Rote Abendwolken – gutes Wetter morgen folgen sollen.“ Bedeutung: Zieht der Himmel abends rot an, kann man beruhigt schlafen gehen – der nächste Tag wird schön. Hinter der Regel steckt Physik: Rotes Abendlicht entsteht, wenn trockene Luft aus dem Westen naht. © Christian Charisius/dpa/Symbolbild
Strommasten im Abendrot.
Seit Jahrhunderten verlassen sich Seefahrer und Bauern auf diese Regel – und die Meteorologie gibt ihnen in vielen Fällen Recht. Der Deutsche Wetterdienst bestätigt: Viele Bauernregeln „basieren auf langjährigen Wetterbeobachtungen und haben damit oft einen wahren Kern.“ Allerdings gilt die Regel vor allem in Mitteleuropa, wo Wetter meist von West nach Ost zieht – an Küsten oder in Gebirgsregionen kann sie in die Irre führen. © Patrick Seeger/dpa/Symbolbild
Ein Hahn stolziert im Gehege.
2. „Wenn der Hahn kräht auf dem Mist, ändert sich‘s Wetter oder bleibt wie‘s ist.“ Diese Bauernregel ist ein Klassiker – und das mit Absicht. Sie macht sich selbst über den Aberglauben lustig: Egal was passiert, sie stimmt immer. © Harald Tittel/dpa/picture alliance/Symbolbild
Ein Hahn im Gehege kräht eine Hand an, in der sich Futter befindet.
Bauernregeln spiegeln meteorologische Wahrscheinlichkeiten wider – diese hier allerdings ist die Ausnahme: Sie ist bewusst humorvoll gemeint. © Harald Tittel/dpa/picture alliance/Symbolbild
Eine Magnolie blüht in Leipzig, im Hintergrund ziehen Gewitterwolken auf.
3. „April, April, der macht, was er will.“ Kein Monat ist so unberechenbar wie der April – Schnee, Sonne und Regen können innerhalb eines Tages aufeinanderfolgen. © Sebastian Willnow/dpa/picture alliance/Symbolbild
Osterglocken mit Schneekristallen.
Meteorologisch liegt das an der Übergangslage im Frühling: Kalte Polarluft und warme Südluft treffen aufeinander und sorgen für ein Wetter-Wirrwarr. © Wolfgang Kumm/dpa/picture alliance/Symbolbild
Winterwetter in Mecklenburg-Vorpommern: Sonne geht morgens auf und färbt Himmel rot.
4. „Morgenrot – schlechtes Wetter droht.“ Ein roter Morgenhimmel ist zwar ein Augenschmaus, aber ein Warnsignal – er zeigt an, dass feuchte Luft aus dem Osten naht und Regen bringen kann. © Jens Büttner/dpa/picture alliance/Symbolbild
Sonnenaufgang im Nationalpark Unteres Odertal.
Die Regel hat nachweislich einen meteorologischen Kern: Rotes Morgenlicht entsteht, wenn Sonnenstrahlen durch feuchte, staubbeladene Luft brechen – ein Zeichen aufziehender Tiefdruckgebiete. © Patrick Pleul/dpa/picture alliance/Symbolbild
Zugvögel sammeln sich auf Stromleitungen.
5. „Wenn die Schwalben niedrig fliegen, wird‘s Regen geben.“ Die Schwalben folgen nicht dem Wetter – sie folgen dem Essen. Bei sinkendem Luftdruck bleibt das Luftplankton in Bodennähe, die Schwalben jagen ihnen hinterher. © Thomas Warnack/dpa/picture alliance/Symbolbild
Zwei Rauchschwalben (Hirundo rustica), die auch Hausschwalben oder Gabelschwalben genannt werden, sind auf einer Telefonleitung zu sehen.
Der Deutsche Wetterdienst bestätigt den wahren Kern dieser Regel: Bei stabiler Hochdrucklage steigen warme Luftmassen auf – und mit ihnen die Insekten. Schwalben fliegen hoch, das Wetter bleibt schön. Allerdings fliegen Schwalben auch beispielsweise früh morgens tief, wenn es noch keine Thermik gibt – ganz unabhängig vom Wetter. © Patrick Pleul/dpa/picture alliance/Symbolbild
Ein Siebenschläfer läuft im Barbarastollen, 2016.
6. „Regnet‘s an Sieben Schläfer (27. Juni), regnet‘s sieben Wochen.“ Um Ende Juni stabilisiert sich häufig die Großwetterlage, die den weiteren Sommer prägt – daher hat der Siebenschläfertag unter allen Lostagen im Bauernkalender eine besondere Stellung. © Patrick Seeger/dpa/picture alliance/Symbolbild
Wechselhaftes Wetter am Siebenschläfertag in Brandenburg
Der Name geht auf eine christliche Legende zurück: Sieben Märtyrer aus Ephesus sollen rund 200 Jahre in einer Höhle geschlafen haben. Ihr symbolisches Erwachen prägt bis heute diesen besonderen Wettertag. Zu beachten: Durch die gregorianische Kalenderreform fällt der historisch korrekte Termin eigentlich auf den 7. Juli – und die Trefferquote ist in Süddeutschland deutlich höher als im Norden. © Ralf Hirschberger/dpa/picture alliance/Symbolbild
Winterwetter in den USA. Menschen schippen Schnee und gehen auf der Straße.
7. „Viel Schnee im Winter – gutes Jahr für den Bauern.“ Schnee wirkt wie eine schützende Decke: Er hält die Kälte vom Boden fern, schützt Wintergetreide vor Frost und liefert im Frühjahr wertvolles Schmelzwasser. © Sophie Park/AP/dpa/Symbolbild
Schnee liegt hoch auf Autos in einer Straße in New York. Ein heftiger Schneesturm zieht über den Nordosten der USA hinweg, 23. Februar 2026.
Für Generationen von Bauern war ein schneereicher Winter kein Fluch, sondern ein Segen – er versprach Bodenfeuchtigkeit und eine gute Ernte im Frühling. In Zeiten des Klimawandels gerät diese Regel jedoch zunehmend ins Wanken: Schneearme Winter werden häufiger, die Landwirtschaft muss sich neu anpassen. © Christina Horsten/dpa/Symbolbild
Frühjahrsarbeiten in der Landwirtschaft, Traktor fährt über Feld und Staub wird aufgewirbelt.
8. „Märzenstaub bringt Gras und Laub.“ Trockene Märztage galten als Zeichen für einen fruchtbaren Frühling – wer im März Staub aufwirbeln sah, freute sich auf eine gute Saison. © Jens Büttner/dpa/Symbolbild
Ein Landwirt überprüft die trockene Erde auf seinem Feld.
Trockenes Märzwetter bedeutet, dass der Boden auftaut und sich erwärmt – ideale Bedingungen für ein kräftiges Pflanzenwachstum. Diese Beobachtung machten Landwirte über viele Generationen hinweg. Ob daraus jedoch wirklich ein guter Frühling folgt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab – die Regel ist eher ein Hoffnungszeichen als eine verlässliche Prognose. © Armin Weigel/dpa/Symbolbild
Ordensangehoerige beim Tag des gottgeweihten Lebens, Mariae Lichtmess, im Dom Augsburg (Foto vom 02.02.19).
9. „Wie‘s Wetter an Mariä Lichtmess (2. Februar), so bleibt‘s noch sechs Wochen.“ Das Fest Mariä Lichtmess stammt aus dem 6. Jahrhundert und ist dem Andenken an die Erscheinung der Maria im Tempel gewidmet. Lichtmess ist auch einer der ältesten Lostage des Bauernkalenders – am 2. Februar wurden nicht nur Kerzen geweiht, sondern auch das Wetter genau beobachtet. Was dieser Tag brachte, galt als Vorzeichen für den restlichen Winter. © Annette Zoepf/epd/IMAGO/Symbolbild
Ein Mann zieht am 01.02.2003 in Murnau (Bayern) einen zum Teil entnadelten Christbaum durch den Schnee. Traditionell werden in Bayern zu Mariä-Lichtmeß (2. Februar) die Christbäume aus den Häusern entfernt und die Kerzen für das neue Kirchenjahr geweiht. Das Fest stammt aus dem 6. Jahrhundert und ist dem Andenken an die Erscheinung der Maria im Tempel gewidmet.
Traditionell werden in Bayern zu Mariä Lichtmess auch die Christbäume aus den Häusern entfernt. Winterwetterlagen im Februar sind oft stabil und halten tatsächlich noch Wochen an – das ist die Beobachtung, auf der diese jahrhundertealte Regel basiert. Meteorologen weisen jedoch darauf hin, dass stabile Wetterlagen im Februar zwar häufig, aber keineswegs garantiert sind. © Matthias Schrader/dpa/Symbolbild
Kräftiger Regen auf einer Straße, auf der ein Auto fährt.
10. „Donnert‘s im März, gibt‘s Frost im Mai.“ Gewitterdonner im März gilt als Zeichen für eine instabile Wetterlage – und die kann sich bis in den Mai hineinziehen und noch Spätfröste bringen. © Bernd März/IMAGO/Symbolbild
Eine Wetterfront hängt über einem Feld.
Für Obstbauern ist diese Regel von besonderer Bedeutung: Spätfröste im Mai können die gesamte Blüte vernichten – eine Katastrophe für die Ernte. Die Erfahrung vieler Generationen steckt in diesem Spruch. Einen direkten ursächlichen Zusammenhang zwischen Märzgewitter und Maifrost gibt es meteorologisch jedoch nicht – beide Phänomene treten in manchen Jahren schlicht zusammen auf. © Bernd März/IMAGO/Symbolbild
Goldener Oktober, gefärbte Blätter vor einem See.
11. „Ist der Oktober warm und fein, kommt ein strenger Winter drein.“ Ein goldener Oktober weckte bei Bauern früherer Generationen keine Freude, sondern Vorsicht – denn die Erfahrung lehrte: Nach einem milden Herbst folgte oft ein harter Winter. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Symbolbild
Herbst in Köln.
Die Regel spiegelt das bäuerliche Gespür für Ausgleich in der Natur wider – was der Herbst zu viel gab, sollte der Winter zurückfordern. Meteorologisch ist dieser Zusammenhang jedoch nicht belegt: Ein warmer Oktober lässt keine verlässliche Aussage über den kommenden Winter zu. © Rolf Vennenbernd/dpa/Symbolbild
Alter Bauernkalender von 1981.
12. „Wenn‘s an Petri (29. Juni) regnet, regnet‘s 40 Tage.“ Der 29. Juni ist im kirchlichen Kalender das Fest der Heiligen Peter und Paul (auch Petritag genannt). Es ist ein bedeutender Gedenktag zu Ehren der Apostel Petrus und Paulus. Der Petritag gilt auch als einer der wichtigsten Lostage im Bauernkalender – was er bringt, soll den ganzen Hochsommer prägen. Die Zahl 40 steht in der Volksüberlieferung symbolisch für eine lange, unbestimmte Zeit. © Michael Bihlmayer/IMAGO/Symbolbild
Eine Möwe sitzt auf der Statue des Heiligen Petrus auf dem Petersplatz in Rom.
Im Sommer neigen Wetterlagen zur Beständigkeit – ist eine Regenperiode erst einmal eingesetzt, hält sie häufig länger an. Diese Beobachtung liegt der Regel zugrunde. Genau 40 Tage Regen sind freilich nicht zu erwarten – die Zahl ist biblisch geprägt und nicht wörtlich zu nehmen. © dpa/Symbolbild

Warum ein nachhaltiger Wintereinbruch eher nicht zu erwarten ist

Der limitierende Faktor ist letztlich die Jahreszeit. Die solare Einstrahlung ist Anfang April bereits deutlich höher als noch im Februar, was sich direkt auf die Energiebilanz am Boden auswirkt. Selbst wenn kalte Luft einfließt, fehlt oft die Voraussetzung für eine nachhaltige Abkühlung der unteren Schichten. Schnee kann fallen, ja – aber liegen bleibt er in den meisten Regionen kaum.

Die Statistik spricht hier eine klare Sprache. Insofern ist diese 30-Prozent-Wahrscheinlichkeit eher ein Hinweis auf kurzfristige Ausschläge als auf eine echte Rückkehr des Winters. Der Grundtrend bleibt frühlingshaft, nur eben mit den typischen Störungen, die man in dieser Jahreszeit erwarten muss.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Stefan Jaitner

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